Wirtschaft

"Das System ist krank" Starökonom Roubini sagt lange Krise voraus

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Crash-Prophet Nouriel Roubini sieht den perfekten Sturm von finanziellen, sozioökonomischen und ökologischen Risiken.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Welt hofft auf eine schnelle Erholung nach dem Corona-Absturz. US-Ökonom Roubini nicht. Der Aufschwung der US-Konjunktur werde eine "Sinnestäuschung" sein, warnt er. Die Unruhen nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners Floyd sind für den Crash-Propheten Ausdruck einer tieferen Krise.

Der US-Starökonom Nouriel Roubini rechnet nicht mit einem raschen Aufschwung der US-Konjunktur. "Natürlich werden wir in der zweiten Jahreshälfte einen Aufschwung sehen. Nur wird es kein echter sein, sondern eine Sinnestäuschung", sagte Roubini dem "Spiegel".

Die Wirtschaft sei so steil abgestürzt, dass es praktisch unausweichlich sei, dass sie irgendwann wieder zulege. "Aber das wird den Absturz in keiner Weise kompensieren. Selbst Ende 2021 wird die US-Konjunktur noch unter dem Niveau von Anfang 2020 liegen, zu viel ist kaputtgegangen", sagte der 62-jährige Wirtschaftswissenschaftler, der sich regelmäßig zu aktuellen ökonomischen Problemen äußert.

Auch die lang anhaltende Euphorie an den Aktienmärkten nach dem Absturz der Wirtschaft sieht Roubini skeptisch. "Die Börse macht sich etwas vor", so der Ökonom. "Die reichsten zehn Prozent der Amerikaner halten 90 Prozent des Aktienkapitals, 75 Prozent besitzen dagegen überhaupt keine Aktien.

"Das System ist krank, und deswegen gehen die Leute auf die Straße", so Roubini weiter. Die Unruhen nach dem gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd in Minneapolis hätten auch einen sozialen Hintergrund. "Viele der nicht regulär Vollzeitbeschäftigten erhalten nach drei Monaten keine staatlichen Transfers mehr. Die können dann ihre Miete und ihre Telefonrechnungen nicht mehr bezahlen, Strom und Wasser werden abgestellt."

Trump - "Diktator einer Bananenrepublik"

Dass Donald Trump im Fall einer Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen im November freiwillig das Weiße Haus räumt, glaubt Roubini nicht. Trump werde sich einer knappen Wahlniederlage nicht ohne Weiteres fügen. "Er wird China, Russland, Schwarzen oder Immigranten die Schuld geben und sich wie der Diktator einer Bananenrepublik aufführen. Er wird seine Anhänger zu den Waffen rufen, es laufen genügend bewaffnete weiße Faschisten herum. Die weist er oft genug auf den 2. Verfassungszusatz hin, der den Bürgern Waffenbesitz erlaubt."

Roubini wurde vor einigen Jahren berühmt durch seine frühzeitige Warnung vor dem Platzen der US-Immobilienblase. Auch einige Entwicklungen der folgenden globalen Finanzkrise sagte er voraus. Roubini ist Autor für "Project Syndicate", ein Netzwerk für Meinungsartikel und Kommentare. Zuletzt schrieb er hier über die Folgen der Corona-Krise auf die globale Wirtschaft. Laut dem Crash-Propheten driftet die Welt in einen perfekten Sturm von finanziellen, sozioökonomischen und ökologischen Risiken.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ

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