Wirtschaft
Aktuell sind die Buchungszahlen für den Sommer 2018 besonders gut.
Aktuell sind die Buchungszahlen für den Sommer 2018 besonders gut.(Foto: imago/imagebroker)
Mittwoch, 07. März 2018

Comeback der Türkei: Steigende Reiselust hat einen Beigeschmack

Von Sonja Gurris

Die Tourismusbranche ist zu Beginn der Reisemesse ITB bester Laune: Die Buchungszahlen steigen im ersten Vierteljahr an, noch dazu verzeichnen die Veranstalter mehrere Comeback-Länder. Doch teilweise hat das auch einen faden Beigeschmack.

Die Reiseveranstalter auf der Internationale Tourismusbörse sind derzeit prächtig gelaunt, denn die Urlaubslaune der Deutschen ist gut. "Die bisher eingegangenen Reisebuchungen stimmen zuversichtlich, dass die Urlaubsnachfrage 2018 besonders hoch sein wird und wir mit einem weiteren Umsatzwachstum für das gesamte Touristikjahr rechnen können", sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) schon vor der Messe der Deutschen Presse-Agentur.

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Auch die Tourismuswirtschaft ist zuversichtlich für das kommende Reisejahr und rechnet mit Rekordwerten. Der Branchenverband BTW sieht eine weiter gestiegene Reiselust, Reallohnzuwäche und eine gute Lage auf dem Arbeitsmarkt, sodass die Deutschen weniger zum Sparen neigen. Beim sogenannten Tourismusindex rechnet der Verband für 2018 mit einer Steigerung der Reisetage der Deutschen um 1,5 bis 2,0 Prozent.

Steigende Buchungszahlen kann vor allem die Türkei verzeichnen. Das ist bei der anhaltenden Phase der politischen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei durchaus überraschend. Reiseveranstalter Thomas Cook bestätigt, dass neben dem ehemaligen Krisenland Türkei auch eine steigende Nachfrage für Urlaube in Ägypten zu verzeichnen ist.

Comeback der Türkei in schwierigen Zeiten

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In den beiden Krisenjahren 2016 und 2017 blieben die deutschen Urlauber vor allem aus zwei Gründen der Türkei fern: Aus Angst vor weiteren Terroranschlägen, politischen Unruhen nach dem Putschversuch und weil das politische Klima zwischen Ankara und Berlin deutlich angespannt war. Der Fall des bis vor kurzem inhaftierten "Welt"-Journalisten Deniz Yücel hat die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei deutlich belastet und sorgt immer noch für Diskussionen.

Nun aber kehren viele Deutsche wieder an die türkische Riviera zurück. Norbert Fiebig vom Deutschen Reiseverband spricht von einer Verdoppelung der Buchungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei wirbt das von Recep Erdogan regierte Land vor allem mit einem guten Preis- Leistungsverhältnis für Urlauber, vor allem für Familien mit Kindern.

Manche Anbieter werben mit einer Woche All-Inclusive-Urlaub für unter 500 Euro in der Türkei und locken damit besonders preissensible Deutsche. Doch trotz allem bleibt bei den positiven Zahlen für die Türkei ein fader Beigeschmack, wissen doch auch die Urlauber aus Deutschland um die politische Lage im Land und Verhaftungen deutscher Staatsbürger in der Türkei. "Wir werden erst dann Stabilität bekommen, wenn der politische Erholungskurs sich fortsetzt", sagte DRV-Präsident Fiebig zu Beginn der Messe.

Auch Massentourismus im Fokus

Insgesamt sieht der Deutsche Reiseverband ein gutes Jahr 2018 voraus. Doch gerade der Auslandstourismus hat auch seine Schattenseiten: die Vielzahl der Touristen in manchen Städten. Das Thema "Overtourism", also Massentourismus, spielt auf der Reisemesse ITB beispielsweise in Fachforen eine Rolle: Denn in beliebten Ferienzentren wie Mallorca oder Barcelona kommt es bereits seit einigen Monaten zu Massenprotesten gegen die zunehmende Zahl der Touristen. Diese bringen zwar hohe Einnahmen, aber sie belasten auch das Leben der normalen Einwohner, beispielsweise in Bezug auf Lärmbelästigungen und Mietpreise.

Auf der Internationalen Tourismusbörse stellen sich 186 Länder den Urlaubern vor. In diesem Jahr ist mit Mecklenburg-Vorpommern das erste Mal ein deutsches Bundesland Partnerland der Messe. Am 10. und 11. März ist die Messe für das Publikum geöffnet.

Quelle: n-tv.de