Wirtschaft

Insolvenzgerüchte im Markt Takata-Aktie rutscht steil ab

RTR25H6Z.jpg

Für Dienstag wird das Kurslimit extra gelockert: Die Aktie von Takata könnte weiter fallen.

(Foto: REUTERS)

Der japanische Autozulieferer kommt nicht aus den Schlagzeilen: Trotz der Einigung auf eine vergleichsweise überschaubare Strafe in den USA gerät der Aktienkurs von Takata massiv ins Trudeln. Der Kursrutsch bringt die Handelssysteme an ihre Grenzen.

Neu aufkeimende Gerüchte um eine angeblich bevorstehende Insolvenz lassen die Aktie des angeschlagenen Airbag-Herstellers Takata immer weiter abstürzen. Zu Wochenbeginn verlor das Papier erneut knapp 18 Prozent an Wert. An der Börse in Tokio beendete die Takata-Aktie den Handelstag mit einem Verlust von 100 Yen - das war das maximal erlaubte Tagesminus. Bereits an den beiden Handelstagen vor dem Wochenende hatte das Papier diese Schwelle erreicht.

Der Montag war der sechste Handelstag in Folge, an dem die Takata-Aktie an Wert verlor. Binnen einer Woche belief sich das Minus auf insgesamt 56 Prozent. Dazu kommen technische Probleme, die sich aus dem ungewöhnlichen starken Verkaufsdruck ergeben: Zu Wochenbeginn konnte der Handel mit Takata-Aktien offenbar nicht mehr ordnungsgemäß abgewickelt werden - weil es schlicht zu viele Aufträge gab. Der Kurs des Papiers konnte erst bei Handelsschluss wieder angezeigt werden.

Der Börsenbetreiber Tokyo Stock Exchange kündigte an, das Tageslimit am Dienstag heraufzusetzen. Damit könnte dann dem Vernehmen nach sogar ein Absturz um 160 Yen möglich sein. Für die Takata-Aktie wäre das - wenn es zu einer weiteren Verkaufswelle kommt - ein Minus von weiteren 34 Prozent.

Hintergrund des dramatischen Kursrutsches sind Medienberichte, wonach zwei mögliche Käufer von Takata für das Unternehmen Gläubigerschutz beantragen und es so sanieren wollen. Bei den Interessenten handelt es sich um Autoliv aus Schweden und ein Konsortium unter Führung des US-Unternehmens Key Safety Systems, das sich in chinesischer Hand befindet. Gerüchte um eine bevorstehende Pleite kursieren im Markt bereits seit vergangenem Herbst.

"Takata ist für die großen globalen Autohersteller zu wichtig, um das Unternehmen vom Markt verschwinden zu lassen", kommentiert Autoexperte Helmut Becker die Lage. "Schätzungsweise fast 60 Prozent aller 'Prallsäcke' stammen weltweit von Takata. Es gibt also wenig Substitutionsmöglichkeiten." Die einzig sinnvolle Strategie, so der Branchenkenner weiter, sei die geordnete Insolvenz und die anschließende belastungsfreie Übernahme durch Investoren, am besten durch Konsortium aus der Branche selber stammen sollten.

Takata prüft seit mehreren Monaten Übernahmeangebote. Das Unternehmen kämpft seit fast drei Jahren mit schweren Qualitätsmängeln bei der Produktion von Airbags. Mindestens 15 Todesfälle weltweit werden mit den Airbag-Problemen in Verbindung gebracht. Kunden von Takata mussten rund 100 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, die meisten davon in den USA.

Zuletzt konnte sich Takata mit der US-Justiz auf einen Vergleich einigen. Das Unternehmen habe kriminelle Vergehen eingestanden und zahle Strafen in Höhe von einer Milliarde Dollar, teilte das US-Justizministerium vorvergangene Woche mit. Zudem wurden Strafanzeigen gegen drei Manager gestellt. Die Mitarbeiter sollen mit manipulierten Testergebnissen bewusst die Risiken mangelhafter Airbags verschleiert haben. Branchenkennern zufolge kommt Takata damit vergleichsweise glimpflich davon.

In einer ähnlichen Vereinbarung erklärte sich der deutsche Autokonzern Volkswagen im Diesel-Skandal dazu bereit, dem US-Justizministerium im Zusammenhang eine Strafzahlung in Höhe von 4,3 Milliarden Dollar zu überweisen, obwohl es hier nur um Betrug und Verletzungen des Luftreinhaltegesetzes ging - und nicht wie im Fall von Takata um tödliche Folgen von Qualitätsmängeln.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP