Wirtschaft

Warnstreiks an drei Flughäfen Tarifstreit löst neues Flugchaos aus

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Flugausfälle an drei deutschen Drehkreuzen: Die Folgen des Warnstreiks sind auch an anderen Flughäfen zu spüren.

dpa

Schon wieder Warnstreiks im Flugverkehr: Diesmal müssen Reisende an gleich drei deutschen Airports ganztägig mit massiven Behinderungen rechnen. In Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart fallen reihenweise Flüge aus. Die Folgen erreichen viele andere Drehkreuze.

Die Warnstreiks des Sicherheitspersonals an den Flughafenstandorten Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart haben erwartungsgemäß Chaos im deutschen Flugreiseverkehr ausgelöst. Seit dem Beginn der Streikaktionen in der Nacht kommt es zu erheblichen Einschränkungen, Flugausfällen und Verspätungen.

Wegen der Warnstreiks fielen an den unmittelbar betroffenen Flughäfen Hunderte Flüge aus. In Köln-Bonn mussten 131 von 199 geplanten Flügen gestrichen werden. In Düsseldorf waren es 370 von 580 Verbindungen. In Stuttgart konnten 142 von 275 Flügen nicht bedient werden. Die Streiks sollen den ganzen Tag bis Mitternacht dauern.

Die Arbeitsniederlegungen begannen in Düsseldorf und Köln-Bonn bereits in der Nacht gegen 0 Uhr, in Stuttgart mit der ersten Frühschicht gegen 3 Uhr. Aufgerufen zu den Streiks hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die derzeit mit dem Arbeitgeberverband BDLS in einem Tarifkonflikt steckt.

Die Flughäfen riefen die Passagiere auf, sich vor der Anreise zum Flughafen bei der jeweiligen Fluggesellschaft zu erkundigen. Reisende, deren Flüge stattfinden, sollten sich frühzeitig einfinden, da weniger Sicherheitskontrollen als üblich geöffnet sind und mit entsprechend längeren Wartezeiten gerechnet werden muss.

Große Lücken im Flugplan

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Von den ganztägigen Arbeitsniederlegungen sind rund 110.000 Passagiere unmittelbar betroffen. So viele Reisende sitzen üblicherweise in den Maschinen, die an einem regulären Donnerstag in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart starten und landen. Die Streikmaßnahmen wirken sich auch auf zahlreiche andere deutsche und europäische Flughäfen aus. Die Zahl der direkt oder indirekt betroffenen Passagiere dürfte damit deutlich höher liegen.

Da in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart zahlreiche Verbindungen streikbedingt annulliert werden mussten, fallen die fest eingeplanten Maschinen und ihre Besatzungen auch für die vorgesehenen Anschlussflüge an anderen Drehkreuzen aus. In der Folge knirscht es im gesamten Flugplan. Mit Verspätungen und gestrichenen Verbindungen muss bundesweit gerechnet werden.

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Die Flughafenbetreiber riefen Passagiere dazu auf, sich frühzeitig über den Flugstatus zu informieren. Wie groß die Auswirkungen des diesmal ganztägig angesetzten Warnstreiks sind, zeigen Rückfragen an weiteren Standorten: Laut Auskunft des Berliner Flughafenbetreibers waren am Morgen an den Flughäfen Tegel und Schönefeld mehr als 90 Flüge betroffen - die meisten Ausfälle gab es dabei in Tegel.

Schneeausfälle in München

An den beiden Hauptstadt-Airports hatten die Flughafenbetreiber bereits zu Wochenbeginn die Arbeit für mehrere Stunden niedergelegt. Am Flughafen in Hannover fielen streikbedingt zunächst drei Anflüge und drei Abflüge aus, wie ein Sprecher des Betreibers erklärte. Am Airport München fielen etwa 150 Flüge aus. Der Großteil der Annullierungen geht auf die Warnstreiks zurück.

Hinzu kamen hier allerdings auch wetterbedingte Ausfälle. Anders als im Münchner Stadtzentrum gab es demnach auf dem im Erdinger Moos gelegenen Airport nur geringe Schneefälle. Beide Start- und Landebahnen konnten offen gehalten werden, wie eine Sprecherin erklärte. Die witterungsbedingten Annullierungen lagen demnach vor allem an der Lage an den Start- und Zielflughäfen, etwa im Alpenraum.

Am Düsseldorfer Flughafen demonstrierten Hunderte Streikende lautstark mit Trillerpfeifen und Plakaten. Auf einem war etwa zu lesen: "Mehr Lohn? Mit Sicherheit!" Anzeigentafeln zeigten zahlreiche annullierte Flüge. Der Stuttgarter Flughafen warnte seine Fluggäste vor langen Wartezeiten. Sie sollten sich vorab informieren, mehr Zeit vor dem Abflug einplanen und möglichst wenig Handgepäck mitnehmen.

Probleme auch bei der Luftfracht

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Im Gegensatz zu anderen Standorten gibt es in Köln/Bonn kein Nachtflugverbot. Nachts ist der rheinische Airport besonders für die Frachtflieger von DHL, UPS und Fedex wichtig. Auch sie betrifft der Warnstreik - ihre Piloten und Ladungen müssen ebenfalls durch die Sicherheitschecks. Die Streikbereitschaft in Köln/Bonn sei enorm hoch, sagte ein Verdi-Sprecher. Bereits kurz nach Streikbeginn um Mitternacht habe es Chaos an den Kontrolltoren gegeben, durch die die Lastwagen die Fracht auf das Flughafengelände bringen. Es habe Rückstaus bis zur Autobahn gegeben.

Am frühen Morgen habe die Fluggastkontrolle am Airport Köln/Bonn zeitweise stillgestanden, wie ein Verdi-Sprecher sagte. Zahlreiche Streikende machten dem Sprecher zufolge in gelben Warnwesten und mit Fahnen auf ihr Anliegen aufmerksam. "Da die Airlines bereits im Vorfeld Flüge gestrichen und ihre Passagiere informiert haben, reisen die meisten betroffenen Fluggäste gar nicht erst an. Die Terminals sind deutlich leerer als sonst", erklärte die Pressestelle des Flughafens Köln/Bonn.

Passagiere reagieren streikerprobt

"Die meisten betroffenen Passagiere sind gar nicht erst gekommen", hieß es. Auch in Stuttgart ist der Streik nach Angaben eines Verdi-Sprechers "in vollem Gang". Die Schlangen seien länger als sonst. "Aufgrund der vielen Annullierungen sind allerdings auch weniger Passagiere erschienen", bestätigte er.

Die Gewerkschaft Verdi will mit dem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeberseite vor Beginn der nächsten Verhandlungsrunde erhöhen. Die Arbeitnehmervertreter fordern für die 23.000 Kontrolleure von Passagieren, Fracht und Waren bundesweit einheitlich 20 Euro pro Stunde. Bislang gehen die Gehaltsniveaus im Sicherheitsbereich der deutschen Flughäfen noch weit auseinander.

Die Arbeitgeber wollen an den regionalen Unterschieden festhalten und bieten nach eigener Darstellung ein Plus von bis zu 6,4 Prozent. Für Verdi ist das zu wenig - nach Berechnung der Gewerkschaft entspräche eine solche Anhebung für die Masse der Beschäftigten nur einem Plus von 2 Prozent. Bereits zu Wochenbeginn hatte Verdi Warnstreiks an den Berliner Flughäfen ausgerufen, die aber nur wenige Stunden dauerten.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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