Wirtschaft

Viel Luft nach oben Taxifahren muss besser werden

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Konkurrenz belebt das Geschäft.

(Foto: picture alliance / Felix Hörhage)

Taxifahrer halten die Öffnung ihrer abgeschotteten Branche für eine ganz schlechte Idee. Das ist aus deren Sicht zwar nachvollziehbar. Dennoch ist eine Liberalisierung dringend nötig.

Andreas Scheuer hat sich in der Taxibranche richtig unbeliebt gemacht. Der Bundesverkehrsminister will den Markt liberalisieren - und hat damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Heute wollen die Taxifahrer ihrem Ärger Luft machen und haben bundesweit Proteste angekündigt. All das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass eine Liberalisierung schon lange überfällig ist.

In der abgeschotteten Branche braucht es Marktwirtschaft, die in diesem Lande in anderen Bereichen hervorragend funktioniert. Wettbewerb sorgt tendenziell für niedrigere Preise und verbessert zugleich die Qualität. Für den Kunden ist das prima, für die Unternehmen allerdings ist das anspruchsvoll.

Darauf können sie auf zweierlei Weise reagieren: Entweder nehmen sie die Herausforderung an und bemühen sich nach Kräften, am Markt zu bestehen. Oder sie rufen danach, vor der unliebsamen Konkurrenz beschützt zu werden.

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Die Taxilobby zieht offensichtlich den zweiten Weg vor. Das ist zwar bequem, aber nicht unbedingt Erfolg versprechend. Dabei gibt es hierzulande beim Service jede Menge Luft nach oben. Ein Taxi zu nehmen, ist ein kleiner Luxus: Wie schön, wenn das Auto dann stets gepflegt, der Fahrer freundlich, der Fahrstil nicht aggressiv und das Radio leise wären. Und wenn dem Fahrgast Geschimpfe etwa über Radfahrer, Politiker oder wen oder was auch immer erspart bliebe. Und wenn er in einer fremden Stadt keine Sorge haben muss, über einen Umweg ans Ziel zu gelangen. Oder dass ihm nicht erzählt wird, das Lesegerät für Kreditkarten sei heute leider defekt.

Mit anderen Worten: Wenn sich Kunden für die Konkurrenz entscheiden, dann liegt das in erster Linie an einem selbst. Statt zu jammern, sollten sich die Taxifahrer also auf ihre Stärken besinnen und die Herausforderung annehmen - also beispielsweise mit ausgezeichneter Ortskenntnis, gutem Service und verlässlichen Preisen punkten.  

Das heißt selbstverständlich auch, dass der Wettbewerb fair ablaufen muss und sich jeder an die Regeln hält. Gerade der US-Fahrdienstleister Uber hat in der Vergangenheit eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er Regeln immer wieder ignoriert. Insofern ist der Ärger der Taxifahrer über den Konkurrenten absolut nachvollziehbar. Die dringend nötige Liberalisierung der Branche darf natürlich nicht dazu führen, dass Taxi-Konkurrenten etwa Scheinselbständige ausbeuten und zugleich eine ganze Branche in Existenznöte bringen, weil die sich an Regeln hält.

Dass genau das nicht passiert, ist die Aufgabe der Politik. Sie muss ein faires Regelwerk schaffen, das so weit wie möglich und nur so eng wie nötig gefasst wird. Kontrollen und Sanktionen sorgen dafür, dass sich alle an die Spielregeln halten.

In Deutschland ist dann durchaus ausreichend Platz sowohl für traditionelle Taxis als auch für andere Fahrdienstleister. Allerdings nur, wenn sich die Taxibranche anstrengt.

Quelle: n-tv.de