Wirtschaft

Umsatz-Schallmauer durchbrochen Telekom sieht sich in Champions League

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Die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US und Sprint fusionierten im April 2020.

(Foto: picture alliance / Photoshot)

Für die Telekom ist das Corona-Jahr kein Krisenjahr - ganz im Gegenteil. Weil das Geschäft in den USA im Zuge der Übernahme eines Konkurrenten brummt, überschreitet der Konzern erstmals in seiner Geschichte die Marke von 100 Milliarden Euro Jahresumsatz. Konzernchef Höttges frohlockt.

Die Deutsche Telekom hat in der Corona-Krise das beste Jahr in ihrer Firmengeschichte erlebt. Angeschoben durch den Zusammenschluss der US-Tochter T-Mobile US mit dem kleineren Konkurrenten Sprint kletterte der Konzern-Umsatz 2020 um ein Viertel auf 101 Milliarden Euro und war damit erstmals dreistellig. "Wir sind jetzt in der Champions League angekommen", sagte Telekom-Chef Tim Höttges.

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"Wir schauen mit Zuversicht und Optimismus in die Zukunft", sagte Höttges. Auch im laufenden Jahr will der Bonner Konzern leicht wachsen und das bereinigte Betriebsergebnis ohne Leasingaufwendungen auf 37 Milliarden Euro steigern. 2020 war das Ergebnis dank des Zugpferdes T-Mobile US um 41,6 Prozent auf 35 Milliarden Euro gesprungen. Der bereinigte Konzernüberschuss erhöhte sich um 15,5 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro.

"Angriff auf das Duopol"

Für die USA, wo die Integration von Sprint rasch voranschreitet, hat Höttges längst das nächste Ziel ausgemacht: "Der Angriff auf das Duopol aus AT&T und Verizon mit dem langfristigen Ziel die Nummer eins zu werden." Seit dem Zusammenschluss von Sprint und T-Mobile US gibt es auf der anderen Atlantikseite nur noch drei Akteure. Höttges hält Übernahmen und Fusionen auch in Europa für unausweichlich.

"Die Industrie leidet an Verschuldung. Wir müssen bei niedrigeren Umsätzen pro Kunde mehr investieren", begründete er seine Haltung. Deswegen müssten Synergien gesucht werden. Eine europäische Konsolidierung sei "ökonomische Notwendigkeit". Konkreter wollte Höttges nicht werden: "Wir reden über Transaktionen, wenn wir welche haben." Verhandlungen führt die Telekom bereits in Polen und Tschechien, wo das Unternehmen bisher noch keinen Zugang zu einem Glasfasernetz hat. "Wir prüfen momentan, wie wir in diesen Ländern Zugang zu Infrastruktur bekommen", sagte Höttges. Die Telekom sei offen für Partnerschaften.

Durch die beschleunigte Digitalisierung und den kostspieligen 5G-Aufbau ist auch Bewegung in den Markt mit Funkmasten gekommen. Ende Januar kündigten die Deutsche Telekom und der spanische Funkmastenbetreiber Cellnex an, ihr Funkturmgeschäft in den Niederlanden zusammenzulegen. Wie die Bonner langfristig mit dem eigenen inzwischen 35.700 Standorte umfassenden Funkturmgeschäft umgehen wollen, ist laut Finanzchef Christian Illek noch offen. Partnerschaften wie auch ein Börsengang seien möglich. Konkurrent Vodafone wird seine Funkmasten-Tochter Vantage Towers noch vor Ende März auf das Frankfurter Börsenparkett bringen.

Großkunden halten das Geld zusammen

Ähnlich wie 2020 rechnet die Telekom mit einem negativen Einfluss durch die Corona-Krise in Form von geringeren Roaming-Einnahmen durch den brach liegenden Reiseverkehr und auf das Systemgeschäft T-Systems in Höhe von rund 200 Millionen Euro. Sorgenkind bleibt damit das Geschäft mit Großkunden. Diese wollten in der Krise nicht im großen Stil investieren, was T-Systems ein Minus beim bereinigten Betriebsergebnis von sechs Prozent auf 235 Millionen Euro einbrockte. Die bereits 2018 gestartete und mit dem Abbau Tausender Stellen einhergehende Neuausrichtung der Telekom-Sparte zieht sich damit in die Länge.

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Im laufenden Jahr will die Telekom, die inzwischen weltweit 241,8 Millionen Menschen mit Mobilfunk versorgt, mehr Geld in die Hand nehmen, um die Netze in Deutschland, Europa wie auch den USA auszubauen und auf den neuen Mobilfunkstandard 5G umzurüsten. Nach fast 17 Milliarden Euro im vergangenen Jahr werden nun rund 18,4 Milliarden Euro investiert - so sollen unter anderem 1,2 Millionen Haushalte mit einem Glasfaser-Anschluss ausgestattet werden.

Angesichts der hohen Ausgaben müssen sich die Aktionäre wie bereits im November angekündigt erneut mit einer Dividende von 60 Cent je Anteilsschein begnügen. Ein Großteil der Ausschüttung kommt beim Bund an, der weiterhin größter Einzelaktionär ist und knapp 32 Prozent hält.

Quelle: ntv.de, jug/jwu/rts

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