Wirtschaft

Klage von Telekom-Kleinanlegern Prozess um T-Aktie wird neu aufgerollt

imago0050845787h.jpg

Im Jahr 2000 warb die Telekom auch auf dem Brandenburger Tor in Berlin für ihr Angebot. Mit einem Aktienprospekt führte sie damals Tausende Anleger in die Irre.

Seit zwei Jahrzehnten klagen sich Tausende Kleinanleger der Telekom durch die Instanzen, weil sie nach dem dritten Börsengang des Dax-Konzerns viel Geld verloren hatten. Nach einem BGH-Entscheid keimt nun neue Hoffnung auf Entschädigung.

Mehr als 20 Jahre nach dem sogenannten dritten Börsengang der Deutschen Telekom AG im Jahr 2000 muss der zugehörige Anlegerschutzprozess neu verhandelt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat den Musterentscheid des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt erneut in Teilen aufgehoben und zur Neuverhandlung zurückverwiesen, wie die Justiz in Karlsruhe mitteilte.

Deutsche Telekom
Deutsche Telekom 16,14

Hinter dem Musterverfahren stehen rund 17.000 klagende Kleinaktionäre, die Schadenersatz für ihre erlittenen Kursverluste in Höhe von rund 80 Millionen Euro verlangen, den die Telekom verweigert. Ihre Klagen waren zu einem Kapitalanlegermusterverfahren zusammengefasst worden, das bereits zwei Mal am OLG Frankfurt verhandelt wurde. Für den dritten Prozess stehen laut Gericht noch keine Termine fest.

Bei der Klage ging es zentral um die Frage eines Fehlers in einem Prospekt im Zusammenhang mit der US-Beteiligung Sprint, auf dessen Grundlage die Telekom im Jahr 2000 Aktien angeboten hatte. In der 1999er-Bilanz der Telekom war dafür ein Sondergewinn von 8,2 Milliarden Euro ausgewiesen, obwohl die Beteiligung nur intern an eine Konzerntochter "umgehängt" worden war. Der Ausgabepreis der Aktie fiel innerhalb weniger Monate stark, viele Menschen verloren Geld.

Telekom muss Grund für Kaufentscheidung nachweisen

Die Frankfurter Richter haben nach jetziger Auffassung des BGH nicht ausreichend geprüft, ob dieser Sprint-Vorgang später tatsächlich Auslöser für den Kursabsturz der Aktie war. Über die Ursachen der Börsenpreisminderung muss das OLG nun erneut verhandeln und dazu einen Sachverständigen hören.

In einem anderen Punkt bestätigte der BGH die Frankfurter Entscheidung aus dem Jahr 2016: Allein die Falschangabe im Verkaufsprospekt löst noch keinen Anspruch auf Schadenersatz aus. Es müsse vielmehr in jedem Einzelfall geklärt werden, ob der Anleger seine Kaufentscheidung anhand des Prospekts getroffen hat. Die Beweislast liegt allerdings bei der Telekom, die darlegen muss, dass die Aktionäre das eben nicht getan haben.

Der Telekom-Prozess hatte 2005 zur Einführung des sogenannten Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes (KapMuG) geführt, das Verfahren ähnlich wie in einer Sammelklage zulässt.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.