Wirtschaft

Tödlicher Unfall in Kalifornien Tesla-Crash setzt Tech-Aktien unter Druck

Ein Unfall mit einem Toten und einem ausgebrannten "Model X" wirft dunkle Schatten auf Tesla: Die mächtige US-Transportaufsicht will sich den Fall näher ansehen. An der Börse gehen Anleger Tage nach dem Crash im Silicon Valley auf Abstand.

Der tödliche Crash mit einem Tesla-Fahrzeug in Kalifornien hat für den Elektroautopionier womöglich weitreichende Folgen. Zu dem Unfall, der sich am vergangenen Freitag auf dem Highway 101 in Mountain View ereignete, wurde ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet, teilte die US-Transportaufsichtsbehörde NTSB mit.

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Unabhängig von allen strafrechtlichen Ermittlungen wollen die Aufseher prüfen, ob der Vorfall auf technisches Versagen zurückzuführen ist. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass der sogenannte Autopilot von Tesla an dem Unfall beteiligt war, droht nicht nur der Einführung autonom fahrender Roboterautos in den USA ein herber Rückschlag. Auch die Fahrzeugtechnik von Tesla samt aller Assistenzsysteme steht damit insgesamt auf dem Prüfstand.

Es sei derzeit noch unklar, ob das Elektroauto zum Zeitpunkt des Unfalls von seinem automatischen Kontrollsystem gesteuert worden sei, erklärten die US-Aufseher. Tesla sicherte die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit der Behörde zu. Die NTSB verfügt über weitreichende Befugnisse. Abgesehen von möglichen Strafzahlungen oder den zivilrechtlich drohenden Schadenersatzforderungen können die Aufseher dem Autobauer die Zulassung bestimmter Fahrzeugkomponenten entziehen.

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An der Börse gingen Anleger vorsorglich auf Abstand: Die Aktien von Tesla brachen an der Wall Street nach der Bekanntgabe der NTSB-Ermittlungen um rund acht Prozent ein. In Tokio gerieten die Anteilsscheine des Tesla-Zulieferers Panasonic unter Druck: Der Kurs der Panasonic-Aktien gaben zur Wochenmitte um rund fünf Prozent nach.

Der Unfall vom vergangenen Freitag löste nicht nur in Fachkreisen großes Aufsehen aus: Nach Polizeiangaben fuhr das Fahrzeug vom Typ Tesla Model X in eine Fahrbahnbegrenzung und geriet ins Schleudern. Anschließend sei der Wagen von einem anderen Wagen erfasst worden und dann mit einem dritten Fahrzeug zusammengestoßen. Der Fahrer des Tesla kam bei dem Unfall ums Leben.

Batteriebrand im Silicon Valley

Aufnahmen vom Unfallort zeigen ein aufgerissenes Wrack: Offenbar wurde die gesamte Frontpartie des Wagens abgerissen. Durch die Wucht des Aufpralls und die massiven Schäden an der Fahrzeugstruktur gerieten nach Angaben der US-Behörden auch die im Fahrzeug verbauten Lithium-Batterien in Brand - was ebenfalls näher untersucht werden soll. Die genaue Todesursache des Fahrers ist noch unklar. Der Unfallort liegt mitten im Silicon Valley südöstlich von San Francisco.

Erst wenige Tage zuvor hatte ein tödlicher Unfall mit einem selbstfahrenden Uber-Auto im US-Bundesstaat Arizona ernste Zweifel an der Straßentauglichkeit der neuen Technik geweckt. In Tempe, einem Vorort von Phoenix, hatte am 18. März das Roboterfahrzeug eine 49-jährige Fußgängerin erfasst, die bei Dunkelheit die Fahrbahn überqueren wollte. Die örtliche Polizei veröffentlichte zuletzt Video-Aufnahmen, die den Unfallhergang bis zu den letzten Sekunden vor dem tödlichen Aufprall zeigen.

Uber friert Roboter-Auto-Programm ein

Der Fahrdienstvermittler Uber zog aus dem Unfall von Tempe bereits Konsequenzen und stellt sich auf eine längere Auszeit für sein Roboterwagen-Programm ein. Uber werde die Ende März auslaufende Lizenz zum Testen autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr vorerst nicht verlängern, teilte eine Sprecherin mit. Ein Grund sei, dass die Wagen "in nächster Zukunft" nicht auf öffentlichen Straßen unterwegs sein würden, sagte sie dem Technologieblog "Recode".

Der Unfallhergang des Tempe-Crashs warf die Frage auf, warum der Wagen weder abbremste noch auswich, obwohl die Sensoren die Fußgängerin, die ein Fahrrad neben sich schob, erkannt haben müssten. Uber setzte daraufhin alle Fahrten mit seinen Roboterwagen aus, Arizona verbannte die Wagen zudem bis auf weiteres von der Straße. Neben Arizona und San Francisco war Uber bisher auch in Pittsburgh und Toronto mit autonom fahrenden Autos unterwegs.

Toyota und Nvidia ziehen nach

Andere Entwickler wie Toyota und das Start-up NuTonomy stoppten ihre Fahrten vorsichtshalber ebenfalls. Am Dienstag kam auch der Grafikchip-Spezialist Nvidia dazu. Man wolle erst aus dem Uber-Unfall lernen, hieß es. Zugleich sei Nvidia weiterhin überzeugt, dass Roboterwagen auf lange Sicht viel sicherer als menschliche Fahrer sein würden.

Nvidia-Chips und -Software kommen in großem Stil bei Anwendungen mit künstlicher Intelligenz zum Einsatz. Auf dieser Basis entwickelt der Konzern auch Technologie zum autonomen Fahren und kooperiert dabei unter anderem mit Volkswagen. Nvidia will die Technologie während der Auszeit für die Roboterautos unter anderem durch Fahrsimulationen im Computer weiterentwickeln.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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