Wirtschaft

Schwache Dividende Thyssenkrupp in der Kritik - Aktionär auch

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Konzernchef Hiesinger sieht Thyssenkrupp wieder in der Spur.

(Foto: dpa)

Die Hauptversammlung bei Thyssenkrupp ist seit einigen Jahren auch der Treffpunkt der Kritiker. Zu groß und zu schwerfällig sei der Konzern, heißt es dann. Regelmäßig weist das Unternehmen dies zurück - und kommt den Kritikern etwas entgegen.

Nach der massiven Kritik von Großaktionären hat Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger seinen Kurs verteidigt. Auf dem Aktionärstreffen in Bochum kündigte er jedoch auch an, die Strategie im Mai überprüfen und die finanziellen Zielsetzungen anpassen zu wollen. Auch eine Trennung von weiteren Geschäftsteilen ist offenbar nicht tabu: Hiesinger bezeichnete den Rohstoffhandel als Bereich, der für das Funktionieren des Konzerns verzichtbar ist. Die Aktionäre sollen wie im Vorjahr eine Dividende von 15 Cent je Anteilsschein erhalten. Klar sei, dass der Vorstand einen höheren Anspruch habe, sagte Hiesinger.

Thyssenkrupp
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Grundsätzlichen Forderungen nach einer Zerschlagung des Konzerns, wie sie der nach der Krupp-Stiftung zweitgrößte Anteilseigner erhoben hatte, erteilte der Konzernchef jedoch eine Absage. Angesichts der weltweiten Dynamik der technologischen Entwicklung sei es gut, "nicht zu eng aufgestellt zu sein".

Operativ zurück in der Spur

Hiesinger steht seit der Bilanzvorlage im November unter dem fortgesetzten öffentlichen Beschuss des schwedischen Großaktionärs Cevian. Dessen Chef Lars Förberg verlangte mehrfach, über das Stahlgeschäft hinaus Partner für einzelne Geschäftsbereiche zu suchen, sie abzugeben oder an die Börse zu bringen. Auf der Hauptversammlung wurde diese Forderung von mehreren Rednern aufgegriffen, aber ein genereller Schlagabtausch blieb aus.

Kritisch werteten die meisten Redner die operative Entwicklung in den vergangenen Jahren. Der Konzernchef räumte in seiner Rede ein, das Ergebnis und Wertentwicklung noch nicht die Ansprüche der Aktionäre erfüllten, auch wenn er das Unternehmen operativ wieder in der Spur sieht. Die Ziele im laufenden Jahr würden erreicht, auch der Cashflow werde wieder positiv ausfallen, kündigte er an. Für Aussagen zum ersten Quartal sei es zwar noch zu früh, sagte Hiesinger: "Aber ich kann Ihnen sagen: die Richtung stimmt." Alle Geschäftsbereiche seien auf gutem Weg, ihre langfristigen Ziele zu erreichen.

Kritik musste sich in der Debatte auch der schwedische Aktionär Cevian anhören, dem 18 Prozent der Thyssen-Aktien gehören. Daniel Vos, Vertreter der Anlegerschutzvereinigung SdK, nannte es unangemessen, dass die Debatte um die Zerschlagung des Konzerns öffentlich geführt worden sei. Cevian habe einen Vertreter im Aufsichtsrat und damit Zugang zum Management. Hiesinger äußerte sich zu dem Thema zurückhaltend. Das Konzernmanagement führe mit Cevian einen konstruktiven Dialog. Insofern hätten ihn die öffentlichen Äußerungen überrascht, sagte er auf Nachfrage.

Thyssenkrupp bereitet sich derzeit auf die Trennung vom traditionellen Stahlgeschäft vor. Bis zum Jahresende sollen Thyssenkrupp Steel und Tata Steel fusioniert werden, um Synergien von 400 Millionen bis 600 Millionen Euro freizusetzen. Der Prozess laufe plangemäß, noch Anfang 2018 solle der endgültige Joint-Venture-Vertrag geschlossen werden, sagte Hiesinger.

Allerdings müsse auf Seiten von Tata noch ein Interessensausgleich mit den Arbeitnehmern geschlossen werden. Thyssenkrupp hatte kurz vor Weihnachten mit der IG Metall über acht Jahre laufende Standort- und Beschäftigungsgarantien abgeschlossen, über die die Mitarbeiter derzeit abstimmen.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ

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