Wirtschaft

"Tausende um Millionen betrogen" Tipps von Trump für nur 35.000 Dollar

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Donald Trump soll tausende mit dubiosen Seminaren betrogen haben, zeigen neue Dokumente.

(Foto: REUTERS)

Der designierte republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump soll mit Mogel-Seminaren 5000 Studenten der Trump-"Universität" um fast 40 Millionen Dollar geprellt haben. Spätestens als Präsident könnten ihn die Vorwürfe einholen.

Im Handbuch gab es klare Vorgaben, wie die Seminare zu beginnen hatten: Mit dem Song "For the love of money" von den O'Jays, abgespielt vom iPod. Die Teilnehmer sollten möglichst nach ihrem Vermögen geordnet werden, um zu sehen, wem man noch mehr Kurse verkaufen konnte. Und auch auf unliebsamen Besuch waren die Macher der "Trump University" offenbar vorbereitet. Man solle damit "rechnen, überprüft zu werden", falls sich Reporter in die Veranstaltungen einschlichen. Selbst Ermittlern gegenüber müsse man "keinerlei persönliche Informationen preisgeben, es sei denn, sie haben einen Durchsuchungsbefehl".

Die brisanten Anweisungen finden sich in Gerichtsunterlagen, über die die US-Website "Politico" schon im März berichtet und die ein Richter nun für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Sie bieten erstmalig Einblick in Donald Trumps umstrittenstes Geschäft: Gegen horrende Honorare bot der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat von 2005 bis 2011 unter seinem Namen Seminare an. "Trump University" nannte er das Ganze in seiner typisch großspurigen Art. Dort weihten handverlesene Dozenten zahlungswillige Kunden angeblich in die exklusiven Geheimnisse seines Erfolgs im Immobiliengeschäft ein.

New Yorks Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman und zahlreiche Ex-Studenten sehen in Trumps "Universität" einen großangelegten Schwindel. "Donald Trump und seine falsche Universität haben tausende Studenten um Millionen Dollar betrogen", sagte Schneiderman im April. Sie seien mit luftigen Versprechungen geködert worden, viel Geld für nutzlose, banale Business-Tipps auszugeben. Insgesamt geht es um 5000 Opfer und 40 Millionen Dollar. Die Freigabe der internen Dokumente ist das jüngste Scharmützel im jahrelangen Gerichtskrieg um die fragwürdigen Kurse. Trumps Anwälte hatten mit aller Macht versucht, sie zu verhindern. Denn sie dürften im Wahlkampf gegen ihn verwendet werden.  

Trump soll Mogelei persönlich abgesegnet haben

Generalstaatsanwalt Schneiderman begrüßte die Entscheidung, die Dokumente zu veröffentlichen. Als "Hütchenspiel" bezeichnete er Trumps Seminare am Dienstag. Zwar muss er sich den Vorwurf politischer Justiz gefallen lassen, er ist Demokrat. Allerdings hat er Trump schon 2013 verklagt - lange bevor der Immobilien-Mogul seine Präsidentschaftskampagne startete. Für Schneiderman ist Trump ein "Showmann, der eine Karriere auf Getöse und Hype aufgebaut hat". Und seine Seminare ein Marketing-Gimmick, genau wie die Trump-Steaks, das Trump-Parfüm und die Trump-Modelagentur, mit der der Milliardär aus normalen Produkten Besonderes zu machen glaubt, indem er ihnen seinen Namen aufstempelt.

Vieles spricht dafür, dass Trumps Kurse eine Mogelpackung waren. 1500 Dollar kostete ein Dreitageskurs, das "Trump Gold Elite Package" sogar rund 35.000 Dollar. Persönliche Daten sollten gesammelt werden, um potentielle Ziele zu identifizieren. "Sind sie Alleinerziehende von drei Kindern die möglicherweise Geld für Essen brauchen?", heißt es in Trumps Handbuch. Ein Ex-Mitarbeiter der Trump-Universität berichtet laut "Washington Post" in einem der freigegebenen Dokumente, er habe nach weniger als einem Jahr gekündigt, weil Trumps Firma "irreführend, betrügerisch und unehrlich" agiert habe. Trump habe die Marketing-Strategie und sogar einzelne Anzeigen persönlich abgenommen, heißt es in der Aussage des Uni-Chefs.

Die Dozenten habe Trump nicht nur nicht handverlesen, sagte Generalstaatsanwalt Schneiderman schon 2013 bei Klageeinreichung. Einige hätten ihre Zeugnisse gefälscht, zwei sogar einen Insolvenzantrag gestellt. "Die Chance, Trump zu treffen, entpuppte sich als Gelegenheit für ein Foto mit einem lebensgroßen Abbild von ihm". Ein ehemaliger Student habe seine gesamten Ersparnisse verloren, ein anderer habe aus seinem Haus ausziehen müssen, sagte Schneiderman.

Trump greift seinen Richter an

Eine Lizenz hatte Trump sowieso nie. Die New Yorker Bildungsbehörde verbot ihm 2010, seine Seminare "Universität" zu nennen. Daraufhin benannte Trump sie in "Trump Entrepreneurship Initiative" um. Die Vorwürfe hat der Milliardär allesamt zurückgewiesen. Er behauptet, die Studenten seiner Universität seien zu 98 Prozent zufrieden gewesen. Viele seien zu positiven Bewertungen gedrängt worden, sagt Schneiderman.

Drei Gerichtsverfahren laufen wegen der Kurse, die beiden wichtigsten in Kalifornien und New York. Bis jetzt hatte Trump Glück: Beide Fälle sollen erst nach der Wahl im November verhandelt werden. Im New Yorker Fall muss auch noch das höchste Berufungsgericht entscheiden, ob es zum Prozess kommt. Bis vor wenigen Wochen sah es noch so aus, als ob sich Trump den brisanten Prozessen auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs stellen müsste.

Trotzdem bergen sie politischen Sprengstoff. Sollte Trump die Wahl gewinnen, müsste er sich unmittelbar danach als Präsident wegen Betrugs vor Gericht verantworten. Und auch vor der Wahl droht im Gefahr aus der Affäre: Eine erste Anhörung findet schon am 22. Juli statt - am Tag nach dem republikanischen Parteitag, der Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten küren dürfte.

Trump hat sich derweil auf Angriffe gegen den Richter verlegt, der die Dokumente freigegeben hat. Und auf dessen Hautfarbe. "Es sollte keine Verhandlung geben. Jeder sagt das, aber mein Richter ist ein Trump-Hasser. Sein Name ist Gonzalo Curiel", sagte Trump am Freitag bei einer Rede im kalifornischen San Diego, wo auch Curiel sitzt. "Der Richter ist zufällig Mexikaner, glauben wir", fügte Trump bissig hinzu.

Quelle: ntv.de

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