Wirtschaft

Wall Street im WeltraumfieberTrade Republic bietet SpaceX-Aktien zum Börsengang an

05.06.2026, 13:45 Uhr
imageVon Jannik Tillar
00:00 / 03:51
SpaceX-initial-public-offering-signage-is-displayed-at-the-Bank-of-America-building-in-New-York-U-S-June-4-2026
SpaceX strebt bei seinem Börsendebüt einen Erlös von 75 Milliarden Dollar an, was einer Bewertung des Unternehmens mit 1,75 Billionen Dollar entspräche. (Foto: REUTERS)

Der Countdown für den SpaceX-Börsengang läuft. Am kommenden Freitag ist es so weit. Neobroker wie Trade Republic und Flatexdegiro machen ihren Kunden jetzt ein spezielles Kauf-Angebot.

Wie heiß die Stimmung an den Börsen ist, zeigt eine E-Mail, die alle Trade-Republic-Kunden erreicht hat. Erstmals bietet der Neobroker an, direkt an einem Börsengang (IPO) teilzunehmen. Kundinnen und Kunden können noch vor dem offiziellen Börsengang von SpaceX eine Order abgeben - und je nachdem, wie viel sie bereit sind zu zahlen, bekommen sie mehr oder weniger Anteile zum Start am 12. Juni.

Bislang war diese Funktion bei Trade Republic nicht möglich. Dass der Neobroker dies nun anbietet, ist insofern auch ein Zeichen dafür, was in der kommenden Woche auf die Börsen zukommt. Trade Republic hat sich SpaceX nicht ohne Grund ausgesucht, denn SpaceX verspricht, der größte Börsengang aller Zeiten zu werden - mit Tesla-Chef Elon Musk als starkem Zugpferd. Wenn nicht hier die neue IPO-Funktion testen, wann dann, scheint man sich bei Trade Republic gedacht zu haben.

Der Anbieter ist bei weitem nicht der einzige Broker, der sich für den Börsengang warmläuft - wohl aber der, der am aggressivsten damit wirbt, ohne dabei konkret zu werden. Genaue Details sollen noch folgen. Auch bei Flatexdegiro soll eine Zuteilung zum Start möglich sein. Beim Broker IG können Anleger mit hochspekulativen Finanzderivaten namens CFDs auf SpaceX setzen.

"It's Probably Overpriced"

IPO-Zuteilungen laufen üblicherweise über die beteiligten Banken des Börsengangs - bei SpaceX sind dies angeblich bis zu 21 Partnerbanken, vorrangig Goldman Sachs, J.P. Morgan und Morgan Stanley. Große, institutionelle Kunden dieser Banken können im Vorfeld des Börsengangs ein Angebot für die Aktien abgeben. Je nachdem, wie hoch ihr Gebot ist, bekommen sie mehr oder weniger Anteile zum Start zugeteilt. So ergibt sich normalerweise auch der Preis zum Start: zu welchem Preis die zuletzt ausgegebene Aktie verkauft wird ("Bookbuilding-Verfahren"). Retail-Angebote außerhalb dieser Vertriebsnetze, wie jetzt bei Trade Republic, sind in Deutschland außergewöhnlich. Sie zeigen allerdings, wie sehr SpaceX die Privatanleger in den Fokus nimmt.

Genau das kritisieren auch viele Analysten, die den Ausgabepreis von 135 Dollar und die Bewertung von SpaceX von 1,78 Billionen Dollar für völlig überzogen halten. Letztlich verkaufe SpaceX Träume an uninformierte Privatanleger, die wenig Ahnung von den Kapitalmärkten und dem Unternehmen haben, kritisieren sie. Die Annahmen sind durchaus kühn: So prognostiziert Goldman Sachs laut der "Financial Times", dass sich der Umsatz von SpaceX bis 2030 von 3,2 auf 322 Milliarden Dollar verhundertfachen könnte. Treiber sollen unter anderem Datencenter im All werden - eine Technologie, die von der Praxis noch so weit weg scheint wie die Erde vom Mond.

Privatanleger sollten sich also sehr genau überlegen, ob sie das Risiko eingehen, direkt zum Börsengang einzusteigen. Sicherer ist es, zunächst abzuwarten, wie sich die SpaceX-Aktie in den ersten Tagen entwickeln wird. Unter Börsianern spricht man nicht umsonst vom Akronym IPO als "It's Probably Overpriced".

Dieser Text ist zuerst bei capital.de erschienen.

Quelle: ntv.de

SpaceXBörsengängeElon Musk