Wirtschaft

Die Insolvenzwelle kommt später Trotz Krise gehen weniger Firmen pleite

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Vapiano hatte sich am 20. März für zahlungsunfähig erklärt und Anfang April Insolvenz beantragt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bislang ist die in der Corona-Krise befürchtete Pleitewelle ausgeblieben. Staatliche Hilfsmaßnahmen und die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht zeigen Wirkung. Doch die rückläufige Zahl der Pleiten lässt vermuten: Die gesetzliche Ausnahmeregel wird missbraucht.

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen massiven Konjunktureinbruch sind in Deutschland viele Unternehmen in Schieflage geraten - in der Zahl der Insolvenzverfahren hat sich das bislang allerdings nicht niedergeschlagen. Im Gegenteil: Im ersten Halbjahr 2020 verringerte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,2 Prozent auf 8900 Fälle. Im ersten Halbjahr 2019 waren es noch 9690. Das geht aus einer Erhebung durch den Verband der Vereine Creditreform hervor.

Das wirkliche Ausmaß der Pleitewelle wird allerdings erst in den nächsten Monaten sichtbar. Ein Grund dafür ist die seit dem 1. März 2020 ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für Unternehmen in der Coronakrise. Noch bis Ende September will die Bundesregierung so die Zahl der Insolvenzen, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, stabil halten.

Im Insolvenzgeschehen spiegelt sich die aktuelle Wirtschaftskrise aus diesem Grund bislang nur bedingt wider. Die eingetroffene Abnahme der Insolvenzen zeigt laut der Creditreform Wirtschaftsforschung sogar, dass offenbar auch solche Unternehmen vorläufig der Insolvenz entgangen sind, die den Gang zum Insolvenzgericht hätten gehen müssen, wenn es die Viruskrise nicht gegeben hätte. Zusätzlich sei es bei zahlreichen Insolvenzgerichten durch einen eingeschränkten Betrieb zu einem Bearbeitungsrückstand gekommen.

Nach dem Ende der gesetzlichen Ausnahmeregel geht die Creditreform Wirtschaftsforschung weiterhin davon aus, dass die Zahl der Insolvenzverfahren erheblich ansteigen wird. Eine Insolvenzwelle sei nur abzuwenden, wenn es den betroffenen Unternehmen gelänge, die Krisenfolgen zu überwinden und sich wieder zu stabilisieren.

Die Schäden für die Gläubiger von insolventen Unternehmen beliefen sich im 1. Halbjahr 2020 auf schätzungsweise 12,0 Milliarden Euro. Im Schnitt kostete die Gläubiger jeder Insolvenzfall mehr als 1,3 Millionen Euro. Das sei der höchste Wert der vergangenen Jahre und zeige: Immer mehr große Unternehmen gehen pleite. Unter ihnen sind in diesem Jahr bereits die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die Textilhändler Appelrath Cüpper und Hallhuber, der Modehersteller Esprit und die Restaurantketten Vapiano und Maredo.

Quelle: ntv.de, jki

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