Wirtschaft

Ölpreis rutscht ab Trump-Infektion verdirbt Anlegern Stimmung

Der positive Corona-Test von US-Präsident Trump beunruhigt die Aktionäre - weltweit gehen die Börsen in Deckung. Die Auswirkungen auf die US-Politik können immens sein, fürchten Analysten. Die Infektion komme für Trump "zu einer denkbar ungünstigen Zeit", heißt es.

Der positive Corona-Test von US-Präsident Donald Trump hat weltweit für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt. In Japan ging der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,7 schwächer bei 23.029,90 Punkten aus dem Handel. Die europäischen Futures lagen im Minus, der Dax fiel in den ersten Handelsminuten um 1,34 Prozent auf 12.560 Punkte. Trump und seine Ehefrau Melania seien positiv auf den Krankheitserreger getestet worden, teilte der US-Präsident über Twitter mit.

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Der Dax sackte nach der Nachricht aus den USA zunächst um 1,34 Prozent ab. (Symbolbild)

(Foto: picture alliance/dpa)

Dies komme für den US-Präsidenten "zu einer denkbar ungünstigen Zeit", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. An den Märkten könnte es insbesondere dann turbulent werden, wenn Trump einen schweren Krankheitsverlauf durchmache. "Die ohnehin bestehenden Unsicherheiten würden dann nochmals zunehmen." Gerade im Schlussspurt sei die volle Energie des Kandidaten gefordert. Welche Konsequenzen die Erkrankung für den Wahlausgang habe, hänge laut Gitzel entscheidend von deren Verlauf ab.

"Sollte Donald Trump einen schwierigen Krankheitsverlauf erleiden, ist die Glaubwürdigkeit des Präsidenten endgültig beschädigt." Trump habe das Virus oftmals in seinen Auswirkungen heruntergespielt. Ein schwerer Krankheitsverlauf wäre also unter einer nüchternen Analyse gut für Joe Biden." An den Finanzmärkten könnte die Viruserkrankung des Präsidenten für Unruhe sorgen, wenn es zu einem schwierigen Krankheitsverlauf käme. Die ohnehin bestehenden Unsicherheiten würden dann nochmals zunehmen. "Soviel steht fest, die Wochen vor den Wahlen werden turbulent", sagte Gitzel.

Sollte Trump nur leicht erkranken und sich schnell erholen, könnte er auf mehr Zustimmung bei der Bevölkerung stoßen, sagte Yako Sera, Marktstratege bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank in Tokio. "Allerdings behindert die Krankheit seine Möglichkeiten im Wahlkampf, und die Zeit vor der Wahl wird knapp." Solange nicht klar sei, ob der nächste Präsident Trump oder Joe Biden heiße, sei es schwierig für die Märkte, sich eindeutig zu positionieren.

Am Rohstoffmarkt gab der Ölpreis nach. Ein Barrel leichtes US-Öl verbilligte sich um 3,9 Prozent auf 37,22 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 39,40 Dollar 3,7 Prozent weniger. Der Ölpreis steuert damit auf ein Wochenminus von sechs Prozent in den USA beziehungsweise sieben Prozent bei Brent zu, das ist der zweite Wochenrückgang in Folge.

"Öl bleibt das schwächste Glied"

Neben dem Positiv-Test des US-Präsidenten lastete auch der Stillstand in den Verhandlungen über ein weiteres Konjunkturpaket in den USA auf der Stimmung. "Öl bleibt das schwächste Glied in den Corona-Schlagzeilen, weil der positive Test Trumps zeigt, dass wirklich jeder für das Virus anfällig ist", sagte Stephen Innes, Marktstratege beim Brokerhaus AXI. Nun werde es wahrscheinlicher, dass Biden die Wahl gewinne.

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Finanzmärkte neigen üblicherweise dazu, einen Wahlsieg der Republikaner positiv zu bewerten, weil sie in diesem Fall auf niedrigere Steuern und weniger Regulierung hoffen. Bei einem Wahlsieg Bidens werden dagegen höhere Steuern erwartet, was negativ eingeschätzt werden dürfte. Zugleich allerdings wird damit gerechnet, dass der Demokrat die Ausgaben für die Infrastruktur steigert.

"Je nach Wahlsieger dürften zwar unterschiedliche Unternehmen profitieren, in der Summe sehen wir aber kaum größere Unterschiede bei den Marktauswirkungen", konstatierten die Experten der Commerzbank. "Wichtig wäre aus Sicht der Märkte, dass der Sieger rasch feststeht."

Quelle: ntv.de, jki/rts

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