Wirtschaft

Ende der Globalisierung Trump erzeugt die nächste Flüchtlingswelle

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Das Ende der Globalisierung würde vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer treffen.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der Handelskonflikt, den US-Präsident Trump "gut und leicht" gewinnen wollte, weitet sich zum Währungskrieg aus. Ein Absturz der Weltkonjunktur und das Ende der Globalisierung drohen. Folge werden soziale Verwerfungen sein.

In der Welt des Donald Trump ist entweder alles großartig oder total simpel. Handelskriege zu führen, hält er zum Beispiel für ganz einfach: "Wenn ein Land mit praktisch jedem Land, mit dem es Geschäfte macht, viele Milliarden Dollar verliert, sind Handelskriege gut und leicht zu gewinnen", twitterte der US-Präsident im März 2018 zu seinen protektionistischen Angriffen auf China, Mexiko, Kanada und Europa. Gemessen an den Wahnsinnsausschlägen der US-Börsen mit ihren - auch von der Lockerung der Bankenregulierung und der Steuersenkung auf Pump getragenen - Allzeithochs, könnte man Trump auf den ersten Blick fast recht geben. Nur leider denkt der Präsident der größten Wirtschaftsmacht der Welt nicht weiter als vom Abschlag bis zum Einlochen beim Golfen.

In seinem nationalen Fanatismus, die USA "wieder großartig" zu machen, sieht Trump nicht die Folgen, falls der Handelskonflikt zum Währungskrieg ausufert. Allein über Zölle konnte er China nicht in die Knie zwingen. Daran wird sich erst rechts nichts ändern, wenn Peking seine allerstärkste Waffe einsetzt und seine Währung schwächt. Da Trump sein Pulver im Grunde schon verschossen hat, kann er nur noch die US-Nationalbank solange nerven, bis sie die Zinsen senkt, die USA also selbst versuchen, den Wert des Dollars zu drücken nach der Devise: je billiger eine nationale Währung, desto billiger wird exportiert. Es droht eine Spirale in Gang zu kommen mit fatalen Auswirkungen für die ohnehin schwächelnde Weltkonjunktur. Nationen mit Exportüberschüssen, allen voran Deutschland, wären vom Niedergang des globalen Handels betroffen.

Der frühere US-Finanzminister und Harvard-Ökonom Larry Summers spricht schon vom "vielleicht gefährlichsten Punkt" seit der Lehman-Pleite vor einem Jahrzehnt. Andere gehen noch weiter und ziehen Parallelen zur Großen Depression. "Die Erinnerung an die 1930er-Jahre, wo ein Handelskrieg zu Abwertungswettläufen geführt hat, macht jedenfalls Sorgen", meint Gabriel Felbermayr, Chef des Instituts für Weltwirtschaft, laut "Handelsblatt" mit Blick auf die Zeit zwischen den Weltkriegen, als eine Abwertungsspirale eine Weltwirtschaftskrise ungeahnter Größe auslöste.

Trumps Aufbegehren ist nachvollziehbar

Unbestritten ist: China agiert manipulativ, klaut schamlos geistiges Eigentum und nutzt seine Wirtschaftskraft für Hegemonialinteressen. Gerade aber die USA ließen das asiatische Land über Jahrzehnte gewähren und profitierten davon, dass die Volksrepublik den amerikanischen Staat Anleihen abkaufte und somit seit Jahrzehnten finanziert. Dass Trump dagegen aufbegehrt, ist nachvollziehbar. Seine Brachialgewalt und Dummheit richten aber Schaden an.

Der US-Präsident vernichtet mehr und mehr die Welthandelsordnung und beendet damit die Globalisierung, die - auch wenn das immer noch viele nicht gerne hören - Hunderten Millionen Menschen Wohlstand gebracht hat. Nach Erhebungen des Internationalen Währungsfonds ist der Anteil des Dollars an den offiziellen Währungsreserven rund um den Erdball rückläufig. Damit gerät die Stellung des Dollars als globale Leitwährung in Gefahr, was die USA sowohl wirtschaftliche als auch politische Macht kosten würde. Abgesehen davon: Warum sollte die Welt den Dollar als Leitwährung akzeptieren, wenn die USA ihren Markt dichtmachen?

Kein Grund zur Freude für Globalisierungskritiker

Hierzulande würden viele das Abklingen oder das Ende der Globalisierung feiern. Aber was käme danach? Noch mehr Protektionismus und nationale Alleingänge wie der Brexit. Das wiederum würde die Entstehung regionaler Wirtschaftsräume rund um den Erdball beschleunigen. Globale Abkommen auszuhandeln würde ungleich schwieriger, weil die Staaten vor allem ihr eigenes Interesse in den Vordergrund rücken. Man schaue nur auf Brasilien, das den Regelwald abholzt, als gebe es tatsächlich kein Morgen mehr. Der Kampf gegen den Klimawandel ist so nicht zu gewinnen.

Die Weltwirtschaft würde vielleicht nicht komplett einbrechen. Das Wachstum wäre aber ungleich zwischen den prosperierenden Regionen verteilt, die Billionen-Dollar-Bombe globaler Staatsverschuldung könnte platzen. Soziale und politische Spannungen würden zunehmen. Die weltweiten Ströme von Flüchtlingen, die aus unterschiedlichen Gründen in politisch und ökonomisch stabile Länder wandern wollen, würden massiv anschwellen. Trump trüge nicht die alleinige Schuld. China ist kein Unschuldslamm. Aber den Handelskrieg hat der US-Präsident vom Zaun gebrochen.

Quelle: ntv.de