Wirtschaft

Ölpreis auf Talfahrt Trump lobt und erpresst die Saudis

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Saudi-Arabien hat die Ölförderung zuletzt noch einmal erhöht: auf 11,3 Millionen Fässer pro Tag.

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Am Ölmarkt herrscht Panik, die Preise brechen ein. Saudi-Arabien steckt in einem Dilemma: Der Preissturz reißt ein Loch in die Staatskasse. Doch die Förderung zu drosseln, würde den wichtigsten Verbündeten erzürnen.

Zwischen dem Kapitol, dem Sitz des US-Senats, und dem Weißen Haus in Washington liegen etwa zwei Kilometer. Was den Tonfall gegenüber dem umstrittenen Partner Saudi-Arabien betrifft, liegen zwischen den Senatoren und dem amerikanischen Präsidenten derzeit allerdings Welten: Während die Parlamentarier im Kapitol über Sanktionen gegen mehrere Saudis wegen der Ermordung des Regimekritikers Jamal Khashoggi diskutierten, twitterte Donald Trump eine freudige Botschaft Richtung Riad: Er dankte dem Königreich überschwänglich für die gesunkenen Ölpreise und animierte die Saudis, den Preis noch weiter nach unten zu treiben.

Der US-Präsident ist offensichtlich so begeistert davon, was in den vergangenen Wochen am Ölmarkt passiert ist, dass alle politischen und moralischen Erwägungen dahinter zurücktreten. Geradezu panikartig haben Investoren Öl verkauft, woraufhin der Preis auf 13-Monats-Tiefs eingeknickt ist.

Zuletzt sorgte die Nachricht für einen Kursrutsch, wonach Saudi-Arabien im laufenden Monat die Förderung auf einen Rekord von 11,1 bis 11,3 Millionen Barrel pro Tag weiter gesteigert habe - das ist ein Plus von 500.000 Barrel pro Tag gegenüber Oktober. Das befeuerte die Angst der Investoren, dass das Überangebot am Weltmarkt zunehmen werde.

Für zusätzlichen Verkaufsdruck auf den Ölpreis sorgt, dass auch Russland, der wichtigste "Nicht"-Opec-Partner Saudi-Arabiens, seine Förderung zuletzt auf 11,4 Millionen Barrel pro Tag erhöht habe. "Das ist der höchste Wert seit dem Ende der Sowjetunion", erklärt Jochen Stanzl, Chefstratege von CMC Markets, im Gespräch mit n-tv.de und ergänzt: "Das verschärft die Ölschwemme am Markt, zumal die USA die Produktion auf den Rekord von 11,7 Millionen Barrel pro Tag gesteigert haben".

Diese Schwemme und in der Folge der Abwärtstrend beim Preis bringt Saudi-Arabien schwer in die Bredouille. Einerseits braucht das Land das Geld, um die hohen Staatsausgaben zu finanzieren. Andererseits kann es sich die Führungsnation der Opec aber nicht leisten, den US-Präsidenten zu verprellen. Das gilt derzeit mehr denn je, da sich Trump als nahezu einziger Verbündeter im Fall des ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi schützend vor das saudische Königshaus stellt.

Trump strebt noch niedrigere Preise an

Der aufmunternde Tweet in Richtung der Partner macht klar, was Trump als Gegenleistung von Saudi-Arabien dafür erwartet: eine ungebremste Förderung trotz der sinkenden Preise. Die sollen nach Trumps Vorstellung sogar noch weiter fallen. Das, so der Präsident, wirke wie eine Steuersenkung für die US-Wirtschaft: Die Verbraucher hätten mehr Geld in der Tasche und könnten so mehr konsumieren.

Diese Vorgabe aus Washington und die Zwangslage der Saudis dürften das G20-Treffen spannend machen, das am 30. November und 1. Dezember in Buenos Aires stattfindet. Dort soll es nicht nur zum Gipfel zwischen Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping kommen, sondern laut einem Medienbericht auch zum Treffen zwischen dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Demnach wollen die beiden Partner über eine mögliche Kürzung der Förderung sprechen und damit eine Vereinbarung beim Opec-Treffen am 6. Dezember in Wien vorbereiten.

"Am Terminmarkt wird bereits eine Beruhigung des Ölpreises erwartet", erklärt Heiko Geiger, Derivate-Spezialist bei der Bank Vontobel, die aktuelle Situation am Ölmarkt. "Vor Wochen wurde noch mit künftig fallenden Ölpreisen gerechnet, sowohl bei Brent als auch bei WTI", so Geiger weiter. Damals stand der Ölpreis allerdings auch deutlich höher.

Doch der Ölpreis bekommt nicht nur von der Angebots-, sondern auch von der Nachfrageseite immer mehr Gegenwind. Zuletzt ist der Einkaufsmanagerindex für die weltweite Industrie, den die US-Bank JPMorgan gemeinsam mit der englischen Researchfirma IHS Markit veröffentlicht, mit 52,1 Punkten auf das niedrigste Niveau seit fast zwei Jahren gesunken. Damit nähert sich der Index allmählich der Marke von 50 Punkten, der Grenze zwischen einem Wachstum und Schrumpfen des Sektors. Trump hofft offenbar, dass er mit seinem Anfeuern der Ölföderer das Unterschreiten dieser kritischen Schwelle verhindern kann.

Quelle: n-tv.de

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