Rekordjagd geht weiter Trump treibt den Goldpreis durch die Decke
Von Jan Gänger 
Der Goldrausch findet kein Ende. Das Edelmetall rast von Rekordhoch zu Rekordhoch und kostet so viel wie noch nie. Und wie geht es weiter?
Gold setzt seine spektakuläre Rallye fort. Der Preis überwand nun die Schallmauer von 5000 Dollar pro Feinunze, nachdem er im vergangenen Jahr die Marken von 3000 und 4000 Dollar locker übersprungen hatte. Seit Jahresbeginn hat sich das Edelmetall um fast 20 Prozent verteuert. Seit Januar 2024 ging es um mehr als 170 Prozent nach oben.
Der neue Rekordstand ist der Höhepunkt einer historischen Aufwärtsbewegung, die mittlerweile von Zentralbanken, institutionellen Investoren und privaten Anlegern getragen wird. Sie wollen sich gegen Unsicherheiten absichern, die vor allem von US-Präsident Donald Trump ausgelöst werden. Viele Investoren - auch US-amerikanische - wollen sich unabhängiger vom Dollar machen. Und Gold ist einer der "sicheren Häfen", der in diesen unsicheren Zeiten als Alternative angesteuert wird.
Dazu zählte seit Jahrzehnten auch der Dollar. Das heißt: In Krisen schichteten Investoren ihr Geld in die US-Währung um, selbst wenn die Krisen von den USA ausgelöst wurden. Doch dieser Mechanismus scheint sich angesichts der konfrontativen, erratischen Politik Trumps langsam zu ändern. In den vergangenen Tagen entführte das US-Militär den venezolanischen Präsidenten, das Justizministerium leitete eine Anklage gegen Zentralbankchef Jerome Powell ein, und Trump drohte Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit Extra-Zöllen, nur weil sie seine territorialen Ambitionen in Grönland nicht unterstützen.
Begonnen hatte die Gold-Rallye vor mehr als zwei Jahren. Nachdem Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hatte, setzten die USA unter Präsident Joe Biden den Dollar als Waffe ein - russische Vermögenswerte wurden eingefroren und Russland weitgehend vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten. Seitdem schichten einige Zentralbanken aus Schwellenländern- vor allem die chinesische - einen Teil ihrer Währungsreserven von Dollar in Gold um. Mit dem Amtsantritt Trumps vor einem Jahr hat die Rallye neuen Schwung bekommen.
Dollar fällt kräftig
Dazu trägt derzeit vor allem Trumps Versuch bei, die unabhängige Notenbank unter Kontrolle zu bringen und dadurch kräftige Zinssenkungen durchzusetzen. Diese Attacken verstärken die Furcht, dass die Inflation in den USA wieder deutlich an Fahrt gewinnt und die Geldpolitik der weltweit wichtigsten Zentralbank in Zukunft unberechenbar wird. Da Gold von vielen Investoren als Inflationsschutz betrachtet wird, steigt deshalb die Nachfrage. Hinzu kommt, dass das zinslose Gold bei niedrigeren Zinsen an Attraktivität gewinnt. All das trägt dazu bei, dass viele Investoren vom Dollar in Gold umschichten.
In Trumps zweiter Amtszeit hat der Dollar kräftig an Wert verloren. Gegenüber einem Währungskorb aus anderen wichtigen Währungen - darunter der Euro, der japanische Yen und der Schweizer Franken - gab er bisher fast zehn Prozent nach. Das zeigt zum einen das "De-Risking" vieler Investoren von US-Anlagen. Zum anderen sorgt der Dollar-Rückgang tendenziell für Goldkäufe. Denn das in Dollar gehandelte Edelmetall ist dann in anderen Währungen günstiger zu haben. Es sieht so aus, dass am Goldmarkt mittlerweile auch das "Fomo" (Fear of missing out) genannte Phänomen um sich greift. Das ist die Angst, eine Rally zu verpassen.
Von Hedgefonds bis zu Kleinanlegern kaufen Investoren Gold und treiben so den Preis höher. Im vergangenen Jahr flossen der Lobbyorganisation World Gold Council zufolge fast 89 Milliarden Dollar in Gold-ETFs. 2024 waren es nur rund 4 Milliarden Dollar.
Das heißt nicht, dass der Goldpreis immer weiter steigen wird. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Gold Anlegern auch erhebliche Verluste bescheren kann: Nachdem das Edelmetall bis zum Herbst 1980 eine Rallye hingelegt hatte, ging es fast 60 Prozent in die Tiefe. Und im September 2011 begann ein Absturz, der erst nach mehr als vier Jahren endete.
In der Vergangenheit war Gold langfristig gesehen keine besonders lukrative Geldanlage. Abgesehen von Krisenzeiten in den 1970er und 2000er Jahren hat es sich zumeist seitwärts bewegt. In dieser Perspektive ist die aktuelle Rallye eine Anomalie. Wie sich der Preis in der Zukunft entwickeln wird, kann niemand vorhersagen. Da die Amtszeit Trumps erst in drei Jahren endet, ist es jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Zeiten weiterhin außerordentlich unsicher bleiben.