Wirtschaft
Donald Trump droht, auf Auto-Importe höhere Zölle zu erheben.
Donald Trump droht, auf Auto-Importe höhere Zölle zu erheben.(Foto: picture alliance / Ingo Wagner/d)
Montag, 11. Juni 2018

Kritik an Auto-Zöllen: Trumps EU-Bashing führt in die Irre

Von Jan Gänger

US-Präsident Donald Trump ärgert sich über die EU. Er wirft ihr vor, sich mit hohen Zöllen vor der amerikanischen Konkurrenz abzuschotten. Das entspricht allerdings nicht der Realität.

Eines kann Donald Trump überhaupt nicht leiden: das Gefühl, unfair behandelt zu werden. Das erklärt, warum sich der US-Präsident mit der Europäischen Union anlegt, Schutzzölle verhängt und droht, nachzulegen. Sein Tenor: Während die EU hohe Zölle auf Waren aus den USA erhebe, verlangten die Amerikaner nur geringe Zölle auf europäische Produkte. Stimmt das? Die kurze Antwort lautet: Nein.

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Die längere Antwort: Die Sache ist nicht so simpel wie von Trump behauptet. Als Beispiel führt er gerne die Zölle auf Autos an. Tatsächlich werden in den USA auf PKW nur 2,5 Prozent Zoll fällig, während die EU 10 Prozent verlangt. Doch sind PKW nur eines von Tausenden Dingen, die zwischen den USA und Europa gehandelt werden - und die mit unterschiedlichen Zöllen belegt werden.

Die Zollsätze variieren, entscheidend ist jedoch das Gesamtsystem. Während die USA etwa auf Pickups Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent erheben, liegen sie in Europa bei 22,5 Prozent. Bei Kleidung werden für Exporte in die USA 32 Prozent fällig, die EU kassiert nur 12 Prozent.

Vor diesem Hintergrund ist ein Blick auf Berechnungen der Weltbank hilfreich. Sie hat die tatsächlich zwischen den USA und Europa gehandelten Produkte und die jeweils darauf gezahlten Zölle zusammengestellt. Das Ergebnis: Dieser so genannte gewichtete Zoll lag 2016 (neuere Zahlen gibt es nicht) auf dem gleichen Niveau - bei 1,6 Prozent.

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Das ändert zwar nichts daran, dass der nicht-gewichtete Durchschnittszoll der EU höher ist als der, den die USA erheben. Doch insgesamt und nicht einzeln betrachtet, liegen die Zölle nahe beieinander. Das lässt sich an einem Beispiel zeigen: So erheben die USA auf europäische Tabakwaren und alkoholische Getränke einen Zoll von rund 82 Prozent. Die werden (auch deshalb) dort kaum gekauft. Dieser hohe Tarif erhöht also den US-Durchschnittszoll, ist aber beim Handelsvolumen kaum relevant.

Zölle gelten seit mehr als 25 Jahren

Das wird auch an den Bereichen deutlich, die Trump gerne erwähnt: die Industrie und die Landwirtschaft. Nach Handelsvolumen gewichtet gibt es keine großen Unterschiede. Im Agrarbereich verlangen die Europäer dem Ifo-Forscher Gabriel Feldmayr zufolge 3,89 Prozent, die Amerikaner 2,62 Prozent. Bei industriellen Gütern werden für EU-Exporte in die USA 2,82 Prozent fällig, umgekehrt 2,79 Prozent.

Die gegenwärtig geltenden Zölle wurden vor mehr als 25 Jahren während der so genannten Uruguay-Runde ausgehandelt und traten 1994 in Kraft. Sie sind ein Kompromiss zwischen 124 Ländern im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens GATT, dem Vorläufer der Welthandelsorganisation WTO. Seitdem hat sich die Welt stark verändert. Mehr als 40 weitere Länder sind der WTO beigetreten - unter anderem China und Russland. Von daher stellt sich durchaus die Frage, wie adäquat das System überhaupt noch ist.

Doch der Fokus auf die Zölle ist irreführend: Neben ihnen gibt es weitere Handelshemmnisse. Das sind beispielsweise Importquoten, Sicherheits- oder Umweltstandards sowie die Subventionierung heimischer Unternehmen.

Einfuhrzölle und andere Handelshemmnisse sollten durch das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP abgebaut werden. Doch das wurde nach dem Amtsantritt Trumps auf Eis gelegt. Wenn der US-Präsident amerikanischen Firmen einen besseren Zugang zur EU ermöglichen will, könnte er versuchen, TTIP wiederzubeleben.

Quelle: n-tv.de