Wirtschaft

"Dramatische Auswirkungen" Trumps Ex-Berater kritisiert China-Zölle

RTS21QI7.jpg

Gary Cohn trat im vergangenen Jahr als Wirtschaftsberater zurück.

(Foto: REUTERS)

Einst war er Donald Trumps engster Wirtschaftsberater, nun schießt Gary Cohn scharf gegen die Zollpolitik des US-Präsidenten: Unter dem Handelskrieg zwischen den USA und China würde nicht die chinesische Wirtschaft leiden - sondern die eigene.

Donald Trumps ehemaliger Wirtschaftsberater Gary Cohn hat die protektionistische Handelspolitik des US-Präsidenten mit deutlichen Worten attackiert. Trump schade mit seinen Zöllen massiv der US-Wirtschaft, kritisiert Cohn in einem Interview mit der BBC. Der Handelsstreit zwischen den USA und China habe "dramatische Auswirkungen" auf die US-amerikanische Industrie und die Kapitalinvestitionen.

Trumps Zölle hätten China nicht getroffen. Im Gegenteil: Trumps Zollattacken seien eine "sehr willkommene Ausrede" für die Volksrepublik gewesen, ihre überhitzte Wirtschaft zu bremsen, sagte Cohn. Seiner Meinung nach werde sich die chinesische Wirtschaft "mit oder ohne Handelskrieg verlangsamen" - Trump lieferte China nur die passende Ausrede dafür.

Der Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften läuft bereits seit über einem Jahr. Auslöser war Trumps Verärgerung darüber, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Als Reaktion belegte Trump die Hälfte aller Importe aus dem Land mit Sonderzöllen in Höhe von 25 Prozent. China konterte prompt mit Gegenzöllen. Selbst in Deutschland zeigte der Handelszoff der Großmächte erste Bremsspuren am Arbeitsmarkt.

"Jeder verliert"

Laut Cohn wird es am Ende keinen Gewinner geben: "Ich denke, jeder verliert in einem Handelskrieg." Die vielen Jobs, die Trump seinen Wählern stets versprochen hat, habe der US-Präsident dadurch auch nicht generieren können: "Wir sehen keine Schaffung von Arbeitsplätzen", sagte Cohn.

Die Zölle hätten den Import wichtiger Produkte aus China versteuert. Der Preisanstieg wirke Trumps Steuersenkungen entgegen, mit denen der US-Präsident die US-Wirtschaft eigentlich ankurbeln will, meint der Ex-Wirtschaftsberater. "Wenn man Fabrikanlagen baut, kauft man Stahl, kauft man Aluminium, kauft man importierte Produkte, und dann belegen wir diese mit Zöllen. So wird der Steueranreiz, den wir ihnen mit einer Hand geben, buchstäblich mit der anderen Hand weggenommen", sagt Cohn.

Die Idee, dass Zölle Handelsungleichgewichte zwischen den USA und China lösen würden, sei eine "langfristige Sichtweise" von Trump gewesen, fügt er hinzu. Dienstleistungen würden 80 Prozent der US-Wirtschaft ausmachen. Der Sektor entwickle sich so gut, weil es in diesem Bereich keine Zölle gebe, die das Wachstum bremsen, sagt Cohn.

Der 59-Jährige war von Januar 2017 bis März 2018 Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats in der Regierung von Trump. Er kündigte seinen Rücktritt an, nachdem der US-Präsident beschlossen hatte, Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium einzuführen. Der ehemalige Präsident von Goldman Sachs war einer von wenigen Demokraten in Trumps republikanischer Regierung.

Gerade erst haben die beiden größten Volkswirtschaften neue Handelsgespräche abgebrochen. Derweil droht Trump mit Zusatzzöllen in Höhe von 10 bis 25 Prozent auf weitere Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar. Im September soll weiter verhandelt werden.

Quelle: ntv.de, vck