Wirtschaft

Kreditwürdigkeit sinkt Türkei rutscht tiefer in den Ramschbereich

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Die Inflation in der Türkei liegt bei mehr als zehn Prozent.

(Foto: REUTERS)

Angesichts der hohen Inflation in der Türkei senkt die Ratingagentur Standard & Poor's überraschend die Bonitätsnote für das Land. Bei Präsident Erdogan dürfte dieser Schritt auf wenig Verständnis stoßen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit der Türkei tiefer in den sogenannten Ramschbereich herabgestuft. Wie das US-Unternehmen mitteilte, sinkt die Ratingnote um eine Stufe auf "BB-". Das ist die dritthöchste Note im Ramsch- oder Junkbereich, mit dem Ratingagenturen riskante Anlagen kennzeichnen.

US-Dollar / Türkische Lira
US-Dollar / Türkische Lira 7,66

S&P hatte türkische Staatsanleihen schon bisher als Ramsch eingestuft. Damit fallen sie für viele Investoren wie bestimmte Fonds als Anlage aus. Eine Herabstufung der Bonitätsnote könnte nun die Zinskosten für die Regierung weiter verteuern.

Am türkischen Finanzmarkt erhöhten sich die Renditen für Staatsanleihen des Landes spürbar. Besonders deutlich stiegen die Risikoaufschläge für Staatsanleihen, die in US-Dollar begeben wurden.

Die Begründung für die Abstufung: Mit dem Verfall der türkischen Lira werde es für heimische Unternehmen schwieriger, in Fremdwährungen aufgenommene Schulden zurückzuzahlen. Dies wirke sich auch auf die Staatsschulden negativ aus, von denen 40 Prozent in anderen Währungen aufgenommen worden seien. Zudem sei die Zentralbank der Türkei zunehmendem Druck der Politik ausgesetzt.

Kritisiert wird auch das als zunehmend zentralisiert beschriebene Regierungssystem der Türkei. Zudem warnt S&P vor einer unausgewogenen und kreditgetriebenen Wirtschaftsentwicklung mit Überhitzungstendenzen. Letztere seien vor allem Folge einer "Überstimulierung" der Wirtschaft durch Konjunkturmaßnahmen der Regierung.

Erdogan sieht "Zinslobby" am Werk

Vor drei Wochen war die türkische Lira zum Dollar und Euro auf Rekordwerte gefallen, sie hat sich seitdem nur wenig erholt. Eine schwache Währung feuert die Inflation an, denn Einfuhren werden damit teurer.

Die Inflationsrate liegt bei mehr als zehn Prozent. Mittelfristig hat die Notenbank eine Preissteigerung von fünf Prozent als Ziel ausgegeben. Angesichts der hohen Inflation und der Schwäche der Währung müsste die Zentralbank die Zinsen spürbar anheben. Doch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drängt seit Längerem darauf, die Zinsen zu senken. Damit will er die Konjunktur ankurbeln. Entgegen der ökonomischen Lehre ist Erdogan davon überzeugt, dass niedrige Zinsen zu niedriger Inflation führen - und umgekehrt. Hinter denjenigen, die für höhere Zinsen plädieren, sieht Erdogan eine ominöse "Zinslobby", die sich auf Kosten der Türkei bereichern möchte. Und so kündigt er an: "Wir sind entschlossen, uns die Zinslobby und die Zinsen vorzunehmen." Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Notenbanker sich zurückhalten.

Die Notenbanker erwarten nach eigenen Angaben in diesem Jahr einen Rückgang der Teuerungsrate auf 8,5 Prozent und sagen voraus, dass die Preissteigerung im kommenden Jahr auf 6,5 Prozent fallen werde. Keine dieser Zahlen dürfte sich bewahrheiten, sagte Analyst Tatha Ghose von der Commerzbank. Derartige Prognosen seien inzwischen ein vorhersehbares Verhaltensmuster, was die Glaubwürdigkeit der Notenbank untergrabe.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa/DJ