Wirtschaft

Lira und Anleihen erholen sich Türkei schränkt Devisengeschäfte ein

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Einige Türken folgen Erdogans Aufruf und tauschen Dollar demonstrativ in Lira um.

(Foto: REUTERS)

Am türkischen Finanzmarkt entspannt sich die Lage: Dank Maßnahmen der Bankenaufsicht und Zurückhaltung des Präsidenten steigt der Kurs der Lira und die Rendite der Staatsanleihen sinkt. Bei türkischen Aktien bleiben die Anleger allerdings skeptisch.

Zur Bekämpfung der Währungskrise hat die Türkei die Regeln für Devisentransaktionen weiter verschärft. Die Bankaufsichtsbehörde BDDK schränkte Tauschgeschäfte heimischer Kreditinstitute mit ausländischen Investoren weiter ein. Diese Devisen-Swaps dürfen künftig nur noch 25 Prozent des Eigenkapitals einer Bank ausmachen.

Türkische Lira / US-Dollar
Türkische Lira / US-Dollar ,17

Bei den betroffenen Transaktionen werden Devisen gekauft. Zugleich wird vereinbart, sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzugeben. Geldhäuser nutzen diese Geschäfte beispielsweise, um sich gegenüber Wechselkursrisiken abzusichern. Die türkischen Bankenkontrolleure hatten die Swaps wegen des starken Verfalls der Lira bereits begrenzt. Die Zentralbank des Landes kündigte zudem an, alle nötigen Schritte zu unternehmen, um die Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken sicherzustellen.

An den türkischen Finanzmärkten setzte sich unterdessen die Kurserholung fort, allerdings nur teilweise. Die Lira stieg im Vormittagshandel gegenüber Dollar und Euro um jeweils rund vier Prozent. Ein Dollar kostete zuletzt 6,1 Lira, ein Euro wurde mit 6,9 Lira gehandelt. Trotz der Erholung, die schon am Dienstag einsetzte, sind die Verluste seit Jahresbeginn dramatisch. Zum Dollar betragen sie knapp 40 Prozent, zum Euro sind es etwa 35 Prozent.

Grund für Krise liegt tiefer

Auch am türkischen Anleihemarkt entspannte sich die Lage. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Türkei gingen weiter zurück. An der Istanbuler Börse blieben die Anleger dagegen vorsichtig. Der Aktienindex BIST National 100 verlor zuletzt knapp zwei Prozent.

Zugute kamen der türkischen Währung nicht nur Maßnahmen der Bankenaufsicht und Hilfen der Zentralbank für Geschäftsbanken. Auch hatte sich Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag etwas weniger aggressiv geäußert.

Dennoch erhöhte die Türkei die Einfuhrzölle auf eine Reihe von amerikanische Waren. Sie reagiert damit auf eine Anhebung von Zöllen auf Stahl und Aluminium seitens der US-Regierung. Hintergrund des Disputs zwischen den USA und der Türkei ist die Festsetzung eines amerikanischen Pastors in der Türkei.

Der Streit ist jedoch bestenfalls Beschleuniger der Lira-Krise. Die wahren Gründe liegen tiefer. Sie reichen von der hohen Auslandsverschuldung türkischer Unternehmen über zweistellige Inflationsraten bis hin zu dem auf Staatskrediten fußenden Wirtschaftsaufschwung. Als besonders schwerwiegend gilt der Angriff von Staatspräsident Erdogan auf die Unabhängigkeit der nationalen Notenbank.

Quelle: n-tv.de, mbo/DJ/rts

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