Wirtschaft

Werbung für deutsche U-BootePistorius ist in Kanada guter Dinge

29.05.2026, 00:33 Uhr
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Boris Pistorius beim Besuch des kanadischen Unternehmens CAE für Flugzeug-Simulatoren. (Foto: dpa)

"Möge der Bessere gewinnen", sagt Boris Pistorius und gibt sich zugleich optimistisch, dass der deutsche Hersteller TKMS die Konkurrenz aus Südkorea ausstechen wird. Der Verteidigungsminister rührt in Kanada die Werbetrommel für U-Boote aus heimischer Produktion - und nicht nur das.

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sich nach seiner Werbereise für deutsche U-Boote in Kanada zuversichtlich gezeigt. "Ich war hoffnungsvoll, als ich hierherkam, ich war es während meines Aufenthalts und ich reise hoffnungsvoll ab", sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in Montreal. Er sei "absolut überzeugt", alles getan zu haben, um die kanadischen Partner von den Vorteilen des Kaufs von bis zu zwölf U-Booten des Herstellers Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) zu überzeugen. "Zusammen können wir die größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte der Welt bauen", sagte Pistorius.

Während des dreitägigen Besuchs des Ministers in Kanada unterzeichneten TKMS und das kanadische Technologieunternehmen CAE eine Absichtserklärung über eine Kooperation bei Ausbildung und Simulation. Kanada will in den nächsten Wochen eine Entscheidung über die U-Boot-Order treffen.

Deutschland steht bei dem milliardenschweren Auftrag in Konkurrenz zu Südkorea. Auf die Frage, ob der deutsche Auftritt im Vergleich zu einer mehrwöchigen Werbetour der Koreaner zu bescheiden sei, sagte Pistorius: "Wir sind Mitteleuropäer, wir agieren in solchen Zusammenhängen möglicherweise anders, als das Asiaten tun." Dies sei völlig in Ordnung. "Wir sind im Wettbewerb und möge der Bessere gewinnen."

Einer möglichen Aufteilung des Auftrags begegnete der Minister mit dem Hinweis auf die strategischen Nachteile. Eine geteilte Flotte hätte nicht die Wirkung einer einheitlichen, die "die größte zusammenhängende einheitliche Flotte von 24 U-Booten innerhalb der Nato" schaffen würde. "Das ist ein immenser militärischer Vorteil."

Nicht wie das Kaninchen vor der Schlange

Dieser Vorteil ergebe sich daraus, dass Deutschland und Norwegen bereits denselben U-Boot-Typ bestellt hätten. Ein Beitritt Kanadas würde die Interoperabilität erheblich stärken. Die Besatzungen könnten untereinander getauscht, das Training gemeinsam absolviert und die Wartung in gemeinsamen Stützpunkten "bis hin nach Singapur" vorgenommen werden. Pistorius, der auf seiner Reise von TKMS-Chef Oliver Burkhard begleitet wurde, betonte jedoch, die Entscheidung liege bei Kanada. "Es ist die souveräne Entscheidung der kanadischen Regierung, und wir warten darauf und wir akzeptieren sie."

Grundsätzlich sieht Pistorius für eine engere Zusammenarbeit mit Kanada ein riesiges Potenzial. Das Land wolle wie Deutschland eine Vertiefung der Beziehungen hin zu einer strategischen Partnerschaft. Es gebe enorme Möglichkeiten, nicht nur verteidigungs- und sicherheitspolitisch, sondern auch bei Energie, Rohstoffen, seltenen Erden und vielen Industriezweigen.

Am Mittwoch war Pistorius auf der kanadischen Rüstungs- und Sicherheitsmesse Cansec, wo er auch über die schwierig gewordenen Beziehungen zu den USA sprach. Pistorius forderte, sich auf die eigenen militärischen Fähigkeiten zu konzentrieren. "Vor dem Weißen Haus oder einem anderen Gebäude in der Welt zu sitzen und wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, würde uns nicht stärker machen. Es macht uns schwächer", sagte er.

Die USA seien in den vergangenen Jahrzehnten ein verlässlicher Partner gewesen. Die derzeitige Regierung ändere einige Dinge in ihrem Sinne. Dies wolle er nicht kommentieren. Auch erwähnte er US-Präsident Donald Trump in dem Zusammenhang nicht namentlich. Er forderte die Verbündeten insbesondere auf, die gegenüber der Nato gemachten Zusagen zu erfüllen. Auch wenn es mit den USA von Tag zu Tag unvorhersehbare Entwicklungen gebe, sei die Zusammenarbeit militärisch und politisch "noch immer sehr stark".

Verwirrung um Äußerung auf Pressekonferenz

Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Wirtschaftlich und militärisch ist das Land eng mit seinem Nachbarn verbunden. Das Verhältnis ist aber seit dem neuerlichen Amtsantritt Trumps schwer belastet. Neben Zöllen wird das Verhältnis auch von Trumps mehrfach geäußertem Wunsch strapaziert, Kanada als 51. Bundesstaat einzugliedern.

Das US-Verteidigungsministerium hatte sich angesichts der Spannungen aus einem Teil der militärischen Zusammenarbeit mit Kanada zurückgezogen. Konkret angekündigt wurde, dass die USA die Arbeit im ständigen Verteidigungsrat auf Eis legen. Das Gremium war 1940 geschaffen worden, um sich in Fragen der Verteidigung enger abzustimmen und besteht aus führenden Vertretern des Militärs sowie der Regierungen beider Länder.

Für Verwirrung sorgte eine Äußerung von Pistorius auf einer Pressekonferenz in Montreal, in der er dem Nato-Partner Kanada militärischen Beistand Deutschlands im Falle eines Angriffs zusicherte - Kern der Nato. Pistorius war aber gefragt worden, ob Deutschland Kanada im Fall eines Angriffs durch einen anderen Nato-Staat - gemeint waren hier offenkundig die USA - verteidigen würde. Ein Sprecher erklärte, Pistorius habe in seiner Antwort angenommen, es sei nach einem Angriff auf Kanada von außen gefragt worden.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa

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