Wall Street im MinusUS-Anleger zweifeln am KI-Boom

Kurz bevor Apple, Amazon und weitere US-Tech-Riesen ihre Bilanzen vorlegen, macht sich an der Wall Street Pessimismus breit. Anlass sind schlechte Nachrichten von der KI-Ikone OpenAI. Darüber hinaus bereiten steigende Ölpreise den Anlegern Sorgen.
Ernüchterung beim Thema Künstlicher Intelligenz (KI) und ein erneuter Anstieg der Ölpreise haben an der Wall Street am Dienstag die Stimmung gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,1 Prozent tiefer mit 49.141 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,5 Prozent auf 7138 Zähler nach und der Index der Technologiebörse Nasdaq 0,9 Prozent auf 24.663 Punkte.
Auslöser für den Rückgang im Tech-Sektor war ein Bericht des "Wall Street Journal". Demnach wecken die Nutzer- und Umsatzzahlen von OpenAI Zweifel, ob das Schwergewicht der Branche seine massiven Ausgaben für Rechenzentren stemmen kann. Dies schickte Aktien von Chipkonzernen wie Nvidia, AMD und Broadcom auf Talfahrt. Auch Oracle geriet wegen seiner Abhängigkeit von OpenAI unter Druck.
Die Nachrichten gäben Anlegern zu denken, ob sich das Wachstum verlangsame und was dies für die Investitionsausgaben bedeute, sagte Chuck Carlson, Chef des Vermögensverwalters Horizon Investment Services. Dies liefere Investoren einen weiteren Grund, vor den anstehenden Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne Gewinne mitzunehmen. Zur Wochenmitte werden die Bilanzen von Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft erwartet, am Donnerstag von Apple. Die in dieser Woche berichtenden Firmen machen rund 44 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 aus.
Inflationssorgen wachsen
Zusätzlichen Gegenwind lieferten die steigenden Ölpreise, die neue Inflationssorgen schürten. US-Präsident Donald Trump zeigte sich unzufrieden mit dem jüngsten Friedensvorschlag des Iran, da dieser Verhandlungen über das Atomprogramm verzögern würde. Dies dämpfte die Hoffnungen auf eine baldige Lösung des Konflikts. Zudem kündigten die Vereinigten Arabischen Emirate am Dienstag ihren Austritt aus der Ölallianz Opec an, was die Märkte weiter verunsicherte. Öl verteuerte sich um rund drei Prozent, die Sorte Brent kostete damit rund 111 Dollar pro Fass. Vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar waren es noch rund 73 Dollar gewesen. Damit hat sich Öl inzwischen um mehr als 50 Prozent verteuert.
Die Entwicklung der Energiepreise rückt auch die US-Notenbank Fed in den Fokus, die zu ihrer wohl letzten Zinssitzung unter dem Vorsitz von Jerome Powell zusammenkam. Experten gehen davon aus, dass die Währungshüter den Leitzins am Mittwoch zunächst unangetastet lassen. Anleger erhoffen sich jedoch Hinweise darauf, wie die Fed das Inflationsrisiko durch den kriegsbedingten Ölpreisanstieg bewertet. Sollten die Ölpreise hoch bleiben, stelle sich die Frage, ob die energiepreisbedingte Inflation die Fed zu Zinserhöhungen zwingen könnte, erklärte Oliver Pursche, Manager beim Finanzberater Wealthspire Advisors.
Bei den Einzelwerten sorgten Quartalsbilanzen für Bewegung. General Motors legten zu, nachdem der Autobauer die Gewinnerwartungen übertroffen und seine Jahresprognose angehoben hatte. Das Unternehmen profitierte von einem robusten US-Automarkt und einer erwarteten Zollerstattung.
Coca-Cola verbuchten nach starken Zahlen ebenfalls Kursgewinne. Der Getränkeriese spielte die Auswirkungen der hohen Ölpreise herunter und hob sein Gewinnziel an. United Parcel Service gaben hingegen nach. Der Paketdienstleister bestätigte zwar sein Umsatzziel, wies jedoch darauf hin, dass die steigenden Treibstoffkosten operative Verbesserungen zunichtemachten.