Wirtschaft

"Überwachungswerkzeug" für China US-Behörde will Tiktok aus App-Stores verbannen

Ein Junge hält ein Smartphone in den Händen, auf dem das Logo der Kurzvideo-App TikTok zu sehen ist. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Millionen Nutzer schauen sich auf Tiktok kurze Videos an oder laden eigene hoch.

(Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild)

Der chinesischen Video-App Tiktok droht neuer Ärger in den USA. Der Kommissar einer Aufsichtsbehörde wirft der Plattform vor, US-Nutzerdaten nach Peking weiterzuleiten. Er untermauert seine Vorwürfe mit geheimen Aufnahmen von Tiktok-Mitarbeitern.

Ein hochrangiges Mitglied der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde FCC hat Apple und Google aufgefordert, Tiktok aus ihren App-Stores zu entfernen. In einem offenen Brief begründet der FCC-Kommissar Brendan Carr seinen Vorstoß mit eklatanten Datenschutzverstößen. "Tiktok agiert als ein ausgeklügeltes Überwachungswerkzeug, das enorme Mengen an persönlichen und sensiblen Daten hortet", schreibt Carr. Personen in Peking könnten "ungehindert" darauf zugreifen.

Über die Social-Media-Plattform Tiktok können Nutzer kurze Videos aufnehmen und verbreiten. Sie ist vor allem bei jungen Menschen beliebt. Mutterkonzern von Tiktok ist das chinesische Unternehmen Bytedance, an dem die Regierung in Peking Anteile hält. "Tiktok sammelt alles, vom Suchverlauf über Tastatureingaben bis zu biometrischen Merkmalen, inklusive Fingerabdrücke […] und Sprachaufnahmen", schreibt Carr.

Er stützt seine Vorwürfe auf Sprach-Mitschnitte von Bytedance-Mitarbeitern, die das Nachrichtenportal Buzzfeed veröffentlichte. Daraus ergibt sich, dass aus Peking wiederholt auf Informationen von US-Amerikanern zugegriffen wurde, obwohl Tiktok behauptet, Daten aus den USA ausschließlich dort zu speichern. "Alles wird in China gesehen", so ein Tiktok-Offizieller.

Tiktok steht häufiger in der Kritik

Immer wieder ist Tiktok mit datenschutzrechtlichen Vorwürfen konfrontiert. Auch Carr beruft sich in seinem Brief auf frühere Verfahren gegen Tiktok. Im vergangenen Jahr zahlte das Unternehmen 92 Millionen US-Dollar zur Beilegung eines Rechtsstreits. Damals hatten Dutzende Kläger der Plattform vorgeworfen, heimlich große Datenmengen auf chinesische Server transferiert zu haben. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hatte bereits 2020 versucht, die App aus den USA zu verbannen - ohne Erfolg.

Carr ruft die Chefs von Apple und Google nun persönlich zur Entfernung von Tiktok auf, da die Plattform datenschutzrechtliche Standards verletze. Die Unternehmen hätten bis zum 8. Juli Zeit, zu reagieren. Mögliche Konsequenzen bei einem Auslaufen der Frist nannte Carr nicht. Die Aufforderung ist ungewöhnlich, da die FCC nicht direkt für Inhalte von App-Stores zuständig ist.

Tiktok weist den Vorwurf zurück, mit gespeicherten Daten leichtfertig umzugehen. Eine Sprecherin sagte, dass zwar auch Mitarbeitern außerhalb der Vereinigten Staaten, einschließlich China, Zugang zu US-Nutzerdaten gewährt werden kann, jedoch nur "nach Bedarf" und unter "strengen Kontrollen".

Quelle: ntv.de, mdi

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