Wirtschaft

Öl bleibt unter 100-Dollar-MarkeUS-Börsen drehen nach Zitterstart ins Plus

09.04.2026, 23:21 Uhr
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Israels massive Angriffe auf den Libanon trübten die Stimmung zunächst. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Hält die Waffenruhe in Nahost? Zu Beginn des Handelstages haben die US-Anleger Zweifel, doch im Tagesverlauf bessert sich die Stimmung. Softwareaktien gehören zu den Verlierern des Tages, Chipwerte klettern dagegen unaufhaltsam weiter.

Die Aussicht auf eine friedliche Lösung des seit sechs Wochen andauernden Nahost-Konflikts treibt die US-Börsen weiter an. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Donnerstag 0,57 Prozent höher auf 48.184 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,61 Prozent auf 6824 Zähler vor, und der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,81 Prozent auf 22.819 Punkte.

Wegen Zweifeln an der Beständigkeit der vereinbarten Waffenruhe war die Wall Street zunächst mit Verlusten in den Tag gestartet, im frühen Handelsverlauf gaben die US-Börsenbarometer um jeweils rund ein halbes Prozent nach. Israel hatte mit den schwersten Angriffen auf den Libanon seit Kriegsbeginn in der Nacht die von US-Präsident Donald Trump vermittelte Feuerpause mit dem Iran in Gefahr gebracht. Irans Präsident Massud Peseschkian sah durch die Attacken die mit den USA vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe verletzt.

Positiv wurde aufgenommen, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach eigenen Worten Friedensgespräche mit dem Libanon anstrebt. Damit beseitigte er eine zentrale Hürde bei den Verhandlungen der USA mit dem Iran. Er habe das Kabinett angewiesen, diese so schnell wie möglich aufzunehmen, teilte Netanjahu am Nachmittag mit. Das sogenannte Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex VIX, fiel auf den niedrigsten Stand seit Kriegsbeginn.

"Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass diese Regierung mehr bellt als beißt", sagte Oliver Pursche, Manager beim Vermögensverwalter Wealthspire Advisors. "Aus Anlegersicht muss man sich entscheiden, ob man das alles ignoriert oder einfach Kasse macht und die nächsten zwei Jahre aussitzt."

Die geopolitische Lage spiegelte sich zudem am Ölmarkt wider. Die Preise schwankten im Handelsverlauf, da die Investoren auf die Wiedereröffnung der Straße von Hormus durch den Iran warteten, durch die ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird. Die US-Sorte WTI verteuerte sich zu Börsenschluss um 3,66 Prozent, blieb jedoch unter der Marke von 100 Dollar pro Barrel.

Anleger blicken auf Inflationsdaten

Gleichzeitig rückte die Geldpolitik wieder in den Fokus: Aus den Protokollen der jüngsten US-Notenbanksitzung ging hervor, dass die Währungshüter zunehmend Zinserhöhungen in Betracht ziehen, um den inflationären Folgen eines längeren Iran-Krieges entgegenzuwirken. Neue Daten des Handelsministeriums zeigten, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal langsamer wuchs als erwartet, während die Verbraucherpreise auf hohem Niveau verharrten. Nun blicken Anleger auf den offiziellen US-Inflationsbericht für März, der am Freitag veröffentlicht wird.

Die Teuerungsraten und die Zinspolitik der Notenbank stellten die Weichen für den weiteren Trend am Aktienmarkt, sagte Andreas Lipkow, Chefanalyst des Brokers CMC Markets. Die am Mittwochabend veröffentlichten Protokolle der vergangenen Sitzung der US-Notenbank Fed zeigten, dass eine wachsende Zahl von Mitgliedern eine Zinserhöhung zur Eindämmung der Inflation für notwendig halten könnte.

Bei den Einzelwerten sorgte Amazon für Aufsehen. Die Aktien des Online-Riesen legten um knapp 5,5 Prozent zu, nachdem Konzernchef Andy Jassy erklärt hatte, dass die Dienstleistungen für Künstliche Intelligenz (KI) in der Cloud-Sparte einen Jahresumsatz von mehr als 15 Milliarden Dollar generieren. "Viele Leute zweifeln an den potenziellen positiven Auswirkungen von KI, und ich denke, Amazon hat gezeigt, dass sich diese positiven Erträge viel schneller einstellen können als von den meisten erwartet", sagte VermögensverwalterPursche.

Softwarewerte gehörten zu den Verlierern des Tages, während Einzelhandels- und Halbleiteraktien überdurchschnittlich abschnitten. Der PHLX Semiconductor Index (SOX) stieg um 2,1 Prozent auf einen neuen Rekordschlussstand. Innerhalb von sieben Tagen hat der Halbleiterindex 20 Prozent zugelegt.

Gefragt waren auch die Papiere von Constellation Brands, die nach einem geringer als befürchtet ausgefallenen Umsatzrückgang im vierten Quartal um über 8,5 Prozent nach oben sprangen. Die Aktien des Rechenzentrumsbetreibers Applied Digital gaben dagegen um fast acht Prozent nach, da sich der Nettoverlust im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr ausgeweitet hatte.

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Quelle: ntv.de, ino/rts

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