Wirtschaft

Freies Geleit trotz Abgas-Affäre US-Justiz gibt VW-Chef Diess Versprechen

Während der ehemalige VW-Chef Winterkorn bei den Ermittlungen im Abgas-Skandal mit ernsten Konsequenzen rechnen muss, steht Amtsinhaber Diess angeblich nicht im Visier der US-Justiz. Sie soll sogar einen Deal mit dem Konzernboss eingefädelt haben.

Der unmittelbare Arbeitsalltag von Volkswagen-Chef Herbert Diess wird sich durch die US-Ermittlungen im Abgas-Skandal vorerst nicht ändern. Diess soll vom Justizministerium in Washington die Erlaubnis bekommen haben, weltweit zu reisen, ohne eine Verhaftung in Zusammenhang mit der Dieselaffäre befürchten zu müssen, berichtet Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.

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Zudem soll Diess eine mündliche Zusage erhalten haben, vorab über eine mögliche Anklage im Fall um manipulierte Abgaswerte informiert zu werden. Die Vereinbarung mache es für den Vorstandsvorsitzenden erst möglich, das globale Unternehmen bei Standorteröffnungen oder Modellvorstellungen effektiv zu repräsentieren. Volkswagen und das US-Justizministerium wollten sich zu der Sonderregelung für Diess bislang nicht äußern.

Das Vorgehen der US-Justiz gilt in Juristenkreisen als unüblich. Zum einen könnte der Deal bedeuten, dass gegen Diess tatsächlich keine Ermittlungen laufen. Möglich ist aber auch, dass er noch nützliche Informationen habe und seine Aussage womöglich Hintergründe der Affäre beleuchten könnte.

Diess hat über 20 Jahre Erfahrungen in der deutschen Autobranche gesammelt, unter anderem beim Zulieferer Bosch und beim Autobauer BMW. Als neuer Mitarbeiter bei VW sei Diess auch am sogenannten Schadenstisch im Juli 2015 beteiligt gewesen, berichtet Bloomberg weiter. VW hatte in dem Meeting höheren Angestellten die Probleme mit den überhöhten Emissionen in den USA erläutert.

Der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn habe im besagten Meeting "die fortgesetzte Verheimlichung der Betrugssoftware vor den US-Aufsichtsbehörden genehmigt", schreiben die US-Staatsanwälte in der Anklageschrift gegen diesen. Diess müsse als Teilnehmer des Treffens daher wissen, was Winterkorn und andere auf der Sitzung gesagt haben.

Winterkorn-Aussage lässt auf sich warten

Winterkorn will sich nach der Anklage und Ausstellung eines Haftbefehls laut Insidern erst bei passender Gelegenheit äußern. Er werde dann seine Sicht auf die schweren Vorwürfe im Abgasskandal umfassend schildern, sagte eine informierte Person der Deutschen Presseagentur. Dies hänge aber vom Fortgang der Ermittlungen in Deutschland ab.

Wie lange interne Prüfungen bei Volkswagen andauern, ließ der Konzern offen. Die US-Justiz will Winterkorn wegen Betrugs in der Abgasaffäre zur Rechenschaft ziehen. Ihm wird zudem Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vorgeworfen.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa