Wirtschaft

Neue "Geduld" in der Geldpolitik US-Notenbank ignoriert Trumps Ratschläge

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Ungewöhnliche Ratschläge aus dem Weißen Haus: Fed-Chef Jerome Powell muss nichts weniger als die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank verteidigen.

(Foto: imago images / Xinhua)

Die Forderungen von US-Präsident Trump nach einer Zinssenkung verhallen nicht ungehört. Mit kaum verhüllten Andeutungen stellt sich Fed-Chef Powell der verbalen Einmischung aus dem Weißen Haus entgegen. Der US-Leitzins bleibt unverändert. Vorerst.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den für alle Kreditgeschäfte im Dollarraum maßgeblichen Leitzins bei ihrer Sitzung zum Monatswechsel unverändert belassen und damit Forderungen von Präsident Donald Trump nach einer Zinssenkung eine Absage erteilt. Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell setzten den geldpolitischen Schlüsselsatz am Mittwochabend (Ortszeit US-Ostküste) unverändert auf eine Spanne zwischen 2,25 bis 2,50 Prozent fest. Zugleich kündigten die Notenbanker an, bei künftigen geldpolitischen Entscheidungen "geduldig" agieren zu wollen.

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Dieses Schlüsselwort werteten Beobachter als Fingerzeig, dass die Zentralbank vorerst keine weiteren Erhöhungen plant - aber eben auch keine Senkungen, wie sie Trump fordert. Noch deutlicher wurde Fed-Chef Powell bei seinem Auftritt vor der Fachpresse unmittelbar nach dem Zinsentscheid. "Wie Sie wissen, sind wir eine nicht-politische Institution", betonte er. Kurzfristige Erwägungen politischer Art hätten bei der Entscheidungsfindung der Notenbank nichts verloren.

"Wir fühlen uns mit unserer geldpolitischen Haltung wohl", sagte der Zentralbankchef. Es gebe "keine starken Argumente" dafür, das gegenwärtige Leitzinsniveau aufzugeben und sich in die eine oder andere Richtung zu bewegen.

Zinssenkung am Horizont

Dem US-Präsidenten dürften Powells Worte nicht gefallen. Die von Trump wegen ihrer aggressiven Erhöhungen vom vorigen Jahr heftig kritisierte Notenbank fährt damit vorerst auf Sicht, während die Währungshüter in der Eurozone noch bis mindestens Ende dieses Jahres an dem dort geltenden Nullzins-Niveau festbehalten wollen. In Tokio kündigte die Notenbank Bank of Japan zuletzt sogar an, bis mindestens zum Frühjahr 2020 an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik im Minuszinsbereich festzuhalten.

"Zinspolitisch wird die US-Notenbank wohl noch bis Frühjahr 2020 stillhalten", meint Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe mit Blick auf den jüngsten Zinsentscheid der Fed. Die gesunkene Kern-Inflationsrate, die auch für den Rest des Jahres deutlich unter dem Zwei-Prozent-Zielwert der Fed bleiben dürfte, sorge aber bereits bei einigen Fed-Vertretern für Unruhe: "Die Debatte um eine vorsorgliche Leitzinssenkung dürfte deshalb bald Fahrt aufnehmen", meinte der Ökonom.

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Wie Powell nach dem Zinsentscheid selbst erklärte, dürfte die jüngst zurückgegangene Inflationsrate womöglich auf "vorübergehende Faktoren" zurückzuführen sein. Sollte sie aber nachhaltig unter dem Ziel bleiben, würde die Fed das geldpolitisch mit ins Kalkül nehmen. Kurzfristige Zinsschritte sind damit in den USA nicht auszuschließen.

Scharfe Blicke auf die Inflation

"Die offene Frage, die die Märkte in den kommenden Monaten beschäftigen wird, ist, welche Abweichungen bei der Inflation eine Zinssenkung auslösen würden und wie heftig eine Reaktion ausfallen würde", meint Ökonom Nathan Sheets vom Vermögensverwalter PGIM. Händler haben weiterhin eine Zinssenkung für das Jahresende auf dem Zettel, auch wenn die Äußerungen Powells zur Inflation etwas mehr Zweifel daran aufkommen ließen.

"Vermutlich wird die Fed nicht nur recht rasch zu Zinssenkungen greifen, wenn die Konjunktur lahmen sollte, sondern vor allem auch wenn die Finanzmärkte – die Aktien- und Kreditmärkte – in Schwierigkeiten geraten sollten", erwartet Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel.

  Die Fed achtet besonders auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher, wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten außen vor bleiben. Diese Rate sackte trotz des Wirtschaftsbooms zuletzt auf nur noch 1,6 Prozent und damit weit unter das Ziel der Notenbank von zwei Prozent ab.

Trump will niedrigere Zinsen sehen

Wie die Fed nach Ansicht des US-Präsidenten entscheiden sollte, daran ließ Trump zuletzt keinen Zweifel. Die US-Konjunktur könnte "abgehen wie eine Rakete", wenn die Zentralbank den Schlüsselzins senken würde, schrieb der US-Präsident jüngst in einem Twitter-Kommentar. Die Wirtschaft habe das Potenzial dafür, meinte er, sollten die Leitzinsen um etwa einen Basispunkt reduziert und die Geldpolitik somit drastisch gelockert werden.

Anders als Trump sind die Währungshüter mit der Entwicklung jedoch recht zufrieden. Nach ihrer Einschätzung wächst die US-Wirtschaft derzeit "solide". Zu Jahresbeginn hatte die Konjunktur überraschend an Fahrt gewonnen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 3,2 Prozent zu.

Ende 2018 war lediglich ein Plus von 2,2 Prozent herausgesprungen. Trump hatte die wirtschaftliche Entwicklung mit steigenden Aktienkursen und sinkenden Arbeitslosenquoten wiederholt zum Maßstab seiner Politik erhoben - obwohl die aktuellen Trends eines allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs bereits lange vor Beginn seiner Amtszeit einsetzten.

Fed: "technische Justierungen"

"Die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung nimmt Druck von der Fed", kommentierte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner die aktuelle Lage. "Sie braucht daher nicht unmittelbar mit einer weiteren Anpassung der Politik zu reagieren." Allerdings kappten die Notenbanker zuletzt den Zinssatz für die Überschussreserven der Banken - im Fachjargon IOER genannt - von 2,40 auf 2,35 Prozent.

"Am Markt könnte die nun erfolgte Senkung allerdings als Zeichen verstanden werden, dass es auch beim Leitzins zu Zinssenkungen kommen könnte", hieß es aus dem Aktienhandel. Powell trat solchen Spekulationen jedoch auf der Pressekonferenz entgegen und betonte, es handle sich nur um "kleine technische Justierungen".

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Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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