Wirtschaft

Erhöhung um 0,75 Punkte US-Notenbank wagt erneut großen Zinsschritt gegen Inflation

Die US-Notenbank Fed ist fest entschlossen, die Teuerungsrate in den Vereinigten Staaten wieder auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken. Davon ist sie bislang weit entfernt. Mit einer erneuten kräftigen Zinserhöhung will sie weiter auf Kurs bleiben.

Die US-Notenbank Fed treibt den Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation mit einem weiteren Riesenschritt in die Höhe. Sie ließ die dritte Erhöhung um einen Dreiviertel-Prozentpunkt folgen. Der Leitzins steigt damit auf die neue Spanne von 3,00 bis 3,25 Prozent. An den Finanzmärkten war mit diesem neuerlichen Jumbo-Schritt gerechnet worden.

Denn das Inflationsproblem in den USA erweist sich mit einer Preissteigerungsrate von zuletzt 8,3 Prozent als hartnäckiger als gedacht. Die Währungshüter signalisierten in ihrem Zinsausblick zudem, dass sie nachlegen und den Preis des Geldes bis zum Jahresende im Mittel auf ein Niveau von 4,4 Prozent anheben wollen. Ende kommenden Jahres sollen dann beim Leitzins 4,6 Prozent erreicht werden, womit Marktspekulationen auf mögliche Senkungen in der zweiten Jahreshälfte 2023 die Spitze genommen wurde.

Im März hatte sich die Fed von der jahrelangen Null-Zins-Politik verabschiedet, um mit einer Reihe von Zinserhöhungen die Inflation unter Kontrolle zu bringen. Zuletzt gab der Preisdruck zwar weiter nach, doch nicht so deutlich wie erhofft. Die Fed strebt als Idealwert für die Konjunktur langfristig eine Jahresteuerung von 2 Prozent an und ist davon trotz des jüngsten Rückgangs noch entfernt.

Die Konjunktur schwächelt. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar auch im zweiten Quartal. Das Minus fiel mit - auf das Jahr hochgerechnet - 0,6 Prozent aber nicht so stark aus, wie in einer ersten Schätzung gemeldet.

Die Situation ist für die Fed auch deshalb so kompliziert, weil die Inflation auch von Faktoren angeheizt wird, auf die sie keinen Einfluss hat: Der russische Angriffskrieg in der Ukraine macht Energie teurer. Die harten Lockdowns in China wirbeln die weltweiten Lieferketten immer wieder durcheinander, sorgen für Engpässe und führen damit zu höheren Preisen.

Fed-Chef Jerome Powell hat Leitzinsen von 3,0 bis 3,5 Prozent als "moderat restriktives Niveau" bezeichnet, wobei die Wirtschaft bereits leicht gebremst wird. Dabei wird es laut Fed-Direktor Chris Waller aber nicht bleiben: Der Leitzins müsse auf ein Niveau steigen, das die Güternachfrage in der Wirtschaft deutlich zügele. Die Fed sei zu entschlossenem Handeln bereit, um die Inflation wieder auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken.

Quelle: ntv.de, lve/rts

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