Wirtschaft

Leitzins bleibt niedrig US-Notenbank will weiter aggressiv helfen

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US-Notenbankchef Powell machte deutlich, dass die Unterstützung für die Wirtschaft weitergeht.

(Foto: REUTERS)

Mit ihrer Entscheidung über den Leitzins sendet die US-Notenbank Fed ein klares Signal an die Wirtschaft im Land. Sie will weiter alles geben, um die Corona-Krise in den Griff zu kriegen.

Die US-Notenbank Federal Reserve sieht die US-Wirtschaft wegen der Pandemie vor großen Herausforderungen und hat ihr Versprechen bekräftigt, aggressive Maßnahmen zu ergreifen, um eine Erholung zu unterstützen. Der Leitzins wurde wie erwartet bei 0,00 bis 0,25 Prozent belassen, der Beschluss fiel einstimmig. Die Fed will zudem ihre Käufe von Anleihen "mindestens" im gegenwärtigen Umfang fortsetzen, also Staatsanleihen im Wert von 80 Milliarden Dollar pro Monat sowie Hypothekenpapiere für 40 Milliarden Dollar.

"Der Pfad der Wirtschaft wird erheblich vom Verlauf der Pandemie abhängen", erklärten die Währungshüter mit Fed-Chef Jerome Powell an der Spitze. "Die anhaltende Krise der öffentlichen Gesundheit wird die Wirtschaftstätigkeit, die Beschäftigung und die Inflation in naher Zukunft stark belasten und mittelfristig erhebliche Risiken für die Wirtschaftsaussichten darstellen."

Das Treffen der US-Notenbank ist von wachsenden Zweifeln an einem nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung überschattet, denn die Infektionsfälle in den USA steigen rasant. Eine Reihe von US-Währungshüter hat in Reden und Interviews davor gewarnt, dass die Wirtschaft vor einem tieferen Abschwung und einer schwierigeren Erholung steht, wenn das Land keine wirksamen Maßnahmen ergreift, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

USA kämpfen mit steigenden Virusfällen

Seit der Fed-Sitzung vor sieben Wochen hat sich das wirtschaftliche Umfeld deutlich verändert - zumeist zum Schlechteren. Nach einer überraschenden Erholung der Beschäftigungslage im Mai und Juni haben viele US-Bundesstaaten einen deutlichen Anstieg der Virusinfektionen erlebt, was zu einer erneuten Einschränkung wirtschaftlicher Aktivitäten und zu einer Dämpfung des Verbrauchervertrauens geführt hat.

"Wir haben in den letzten Wochen einige Anzeichen dafür gesehen, dass die Zunahme der Virusfälle und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung beginnen, die Wirtschaftstätigkeit zu belasten", sagte Powell in seiner Pressekonferenz. Und die staatliche Reaktion auf die Pandemie sei noch nicht vorbei. "Ich denke im Großen und Ganzen, dass mehr geld- und fiskalpolitische Unterstützung notwendig sein wird", sagte Powell. "Selbst in einem Aufschwung wird es entlassene Arbeitnehmer geben, die Unterstützung brauchen - und sie sollten diese Hilfe bekommen."

Powell versprach, dass die Zentralbank alle ihre Instrumente "so lange wie nötig einsetzen wird, um für Entlastung und Stabilität zu sorgen, und um sicherzustellen, dass der Aufschwung so stark wie möglich ausfällt, um dauerhafte Schäden für die Wirtschaft zu begrenzen". Über den wirtschaftlichen Pfad gebe es eine "außergewöhnliche Unsicherheit".

Änderung der Forward Guidance bleibt offen

Zu einer schärferen Fassung der Forward Guidance machte Powell keine Aussagen. Er sagte nur, dass dieses Thema weiter beraten werde und die Marktteilnehmer bei einer der nächsten Sitzungen darüber informiert würden. Die Fed hat bereits im Juni eine Forward Guidance mit Projektionen vorgelegt, aus denen hervorging, dass die meisten Währungshüter auf Jahre hinaus nicht mit einer Anhebung der Zinsen rechnen. Powell sagte im Juni, dass die Zentralbank "nicht einmal daran denkt, an eine Zinserhöhung zu denken".

Nach Ansicht von LBBW-Chefökonom Uwe Burkert sieht die US-Notenbank keinerlei Anlass für Änderungen an den wesentlichen Parametern ihrer Geldpolitik. "Ein Nachlassen in der Unterstützung für die US-Konjunktur kommt auf absehbare Zeit nicht in Frage. Zugleich sind die US-Währungshüter wohl auch noch nicht so weit, konkretere oder verschärfte Leitplanken für den mittelfristigen Kurs der Geldpolitik via einer Anpassung ihrer Forward Guidance zu setzen." Bei einer der kommenden Sitzungen dürfte es mehr Klarheit geben.

Märkte reagieren mit leichten Gewinnen

Die Finanzmärkte werteten die Signale der US-Notenbank als Bestätigung der taubenhaften Linie. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen tendierte seitwärts bei 0,58 Prozent. Der Kurs des Euro setzte seinen Aufwärtstrend zum US-Dollar fort. Der Dow-Jones-Index gewann 0,6 Prozent auf 26.539 Punkte. Im Tageshoch war er bis auf 26.602 Punkte gestiegen. Der S&P-500-Index erhöhte sich um 1,2 Prozent auf 3.258 Punkte und der Nasdaq-Composite stieg um 1,4 Prozent auf 10.543 Punkte.

Die Reaktion bei Dollar und Gold fiel insgesamt recht verhalten aus. Der Dollar geriet im Anschluss an die Fed-Aussagen zwar leicht unter Druck, konnte die Verluste jedoch schließlich wieder aufholen. Der Euro kletterte zunächst auf ein Tageshoch bei 1,1806 Dollar, notierte im späten US-Handel mit 1,1777 Dollar aber wieder knapp unter dem Niveau vor den Aussagen.

Der Goldpreis kletterte bis auf knapp 1.981 Dollar und erreichte damit fast ein neues Allzeithoch. Im Anschluss kam der Preis für die Feinunze jedoch wieder zurück und legte schließlich um 0,5 Prozent auf 1.970 Dollar zu - vor den Fed-Aussagen hatte er bei 1.960 Dollar notiert. Beobachter glauben indes, dass Gold noch einiges an Terrain erobern kann. Am Vortag hat Goldman Sachs ein 12-Monats-Ziel von 2.300 Dollar genannt.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ