Wirtschaft

J&J schluckt Actelion US-Pharmariese stemmt Milliarden-Kauf

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Actelion-Zentrale in der Schweiz: Vorbörslich schossen die Papiere um 20 Prozent in die Höhe.

(Foto: REUTERS)

Jetzt also doch: Der US-Pharmagigant Johnson & Johnson will das Schweizer Biotech-Unternehmen Actelion übernehmen. Der erste Versuch scheitert wegen eines zu niedrigen Angebots. Nun legen die Amerikaner einen dicken Batzen Geld auf den Tisch.

In der Pharmabranche kommt es zur ersten Großübernahme des Jahres: Der US-Konzern Johnson & Johnson will das Schweizer Biotechnologie-Unternehmen Actelion für 30 Milliarden Dollar kaufen. Der Pharma- und Konsumgüterriese aus New Jersey legt für den Hersteller von Lungenmedikamenten aus Allschwil bei Basel 280 Franken je Aktie in bar auf den Tisch.

Die Verwaltungsräte beider Unternehmen stehen geschlossen hinter dem Deal. Das Angebot entspricht einem Aufschlag von 23 Prozent auf den letzten Börsenkurs. Die Actelion-Papiere schossen zeitweise um bis zu 22 Prozent in die Höhe.

Die Übernahme kommt erst im zweiten Anlauf zustande: Johnson & Johnson hatte Actelion erstmals Ende November umworben, dann aber einen Rückzieher gemacht - der Kaufpreis soll letztlich zu hoch gewesen sein. Vorübergehend galt der französische Pharmakonzern Sanofi als Kaufinteressent für Europas größte Biotech-Firma.

Das Tauziehen hat den Aktienkurs von Actelion seit Ende November um 44 Prozent hochgetrieben. Die Actelion-Übernahme gehört zu den größten Deals im Pharmasektor seit Anfang 2016. In der Branche rollt eine Fusionswelle, angetrieben vom Auslaufen vieler Patente sowie hohen Kosten für Forschung und Entwicklung.

Forschung wird ausgegliedert

Im Zuge der Transaktion soll Actelions Forschung in ein eigenständiges Unternehmen ausgegliedert werden, das an die Schweizer Börse gebracht wird. Die Actelion-Aktionäre erhalten Aktien der R&D NewCo genannten Firma. J&J wird anfangs mit 16 Prozent an dem Unternehmen beteiligt sein und hat über eine Wandelanleihe die Option, weitere 16 Prozent zu erwerben.

Actelion-Chef Jean-Paul Clozel wird R&D NewCo leiten. Der 61-jährige Kardiologe, einer der Actelion-Gründer, war in der Vergangenheit ein entschiedener Verfechter eines eigenständigen Kurses und galt als Schlüsselfigur bei der Übernahme.

Actelion ist auf Medikamente zur Behandlung von lebensbedrohlichem Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) spezialisiert und hochprofitabel. Im vergangenen Jahr stand bei zwei Milliarden Franken Umsatz unter dem Strich ein Gewinn von 552 Millionen Franken. Analysten trauen den beiden neuen PAH-Arzneien Opsumit und Uptravi 2020 zusammen mehr als 4,6 Milliarden Franken Jahresumsatz zu.

Quelle: n-tv.de, cas/rts(DJ

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