Wirtschaft

Insiderhandel vor Corona-Crash? US-Senatoren stoßen Aktien rechtzeitig ab

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Die New Yorker Wall Street hat seit Mitte Februar gut 30 Prozent verloren.

(Foto: REUTERS)

Der historische Börsenabsturz in der Corona-Krise trifft nicht alle gleich: Einige US-Senatoren, die über geheime Informationen zur Pandemie verfügen, stoßen kurz vorher millionenschwere Aktienpakete ab. Einer wiegt zugleich die Öffentlichkeit in trügerischer Sicherheit.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt: Die New Yorker Wall Street ist seit Mitte Februar um gut 30 Prozent in den Keller gerauscht, Billionen Dollar an Marktwert sind verpufft. Doch eine Gruppe besonders privilegierter Anleger hat es durch auffällige Aktienverkäufe geschafft, Verluste im Portfolio zu vermeiden: Abgeordnete im US-Kongress.

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Allen voran Senator Richard M. Burr: Laut "Pro Publica" stießen der Republikaner aus North Carolina und seine Frau am 13. Februar in dutzenden Transaktionen ein beträchtliches Aktienpaket im Wert von bis zu 1,7 Millionen Dollar ab, während Burr und US-Präsident Donald Trump die Gefahr einer globalen Pandemie durch das Coronavirus öffentlich kleinredeten. Eine Woche nach Burrs Aktienverkäufen begann der historische Zusammenbruch der Börsen infolge der Corona-Panik. Hatte Burr einfach den richtigen Riecher? Oder verfügte er über Insider-Informationen, die normale Anleger zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatten?

Als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im US-Senat hat Burr Zugang zu den größten Geheimnissen der US-Regierung. Laut US-Medien bekam Burr wie alle Ausschussmitglieder täglich Briefings zur Corona-Pandemie von den US-Geheimdiensten. Aus den offiziellen Transparenzberichten, die Burr wie alle US-Senatoren seit 2012 regelmäßig veröffentlichen muss, geht hervor, dass der Senator Aktien aus Branchen verkaufte, die am stärksten von der Corona-Krise betroffen sind, darunter die Bank of New York Mellon, der Spediteur Fedex, die Kette Wyndham Hotels & Resorts und das Pharmaunternehmen Abbvie.

"Danke für das Briefing von Top-Beamten"

Nicht nur Burr, auch sein republikanischer Amtskollege James Inhofe, die republikanische Senatorin Kelly Loeffler und ihre demokratische Amtskollegin Dianne Feinstein verkauften laut den Transparenzberichten etwa zur gleichen Zeit große Aktienpakete. US-Abgeordneten ist es verboten, aus nicht öffentlichen Informationen, die sie im Rahmen ihrer offiziellen Tätigkeit erlangen, finanzielle Vorteile zu ziehen. Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass sie das Gesetz gegen Insiderhandel im Kongress gebrochen hätten.

Burr und seine Kollegen weisen jegliches Fehlverhalten von sich: Die Transaktionen hätten "mehrere Wochen, bevor die US- und Finanzmärkte Zeichen von Volatilität aufgrund des wachsenden Coronavirus-Ausbruchs zeigten, stattgefunden", zitiert die "Washington Post" aus einer Pressemitteilung des Senators. Konkrete Fragen zu den Aktiengeschäften wollte Burr aber nicht beantworten. Loeffler, deren Mann zudem Chef der New Yorker Börse ist, teilte US-Medien mit, sie habe erst Wochen später von den Aktienverkäufen erfahren, ihre Investmententscheidungen würden von verschiedenen Beratern ohne ihre Beteiligung getroffen. Auch ein Sprecher von Feinstein betonte, die Senatorin sei bei den Verkäufen nicht involviert gewesen. "All ihre Vermögenswerte befinden sich in blinder Treuhandverwaltung", sagte er der "New York Times" (NYT).

Dennoch stehen die Senatoren in der Kritik. Denn sie hatten Zugang zu nicht öffentlichen Informationen: Dianne Feinstein sitzt wie Burr im Geheimdienstausschuss und wurde ebenfalls täglich mit den neusten Informationen versorgt. Und schon im Januar hielt der Gesundheitsausschuss des US-Senats laut "NYT" eine Sitzung zur Corona-Krise mit Top-Vertretern der Trump-Administration ab, die allen Senatoren offenstand. Kelly Loeffler bedankte sich sogar per Tweet: "Danke für das Briefing von den obersten Gesundheitsbeamten des Präsidenten zum Ausbruch des neuartigen Corona-Virus."

"Es ist viel aggressiver als alles, was wir kennen"

Besonders problematisch ist im Fall von Senator Burr, dass er die Gefahr durch das Virus öffentlich herunterspielte, während er insgeheim selbst Aktien verkaufte. Nur wenige Tage vor den auffälligen Deals veröffentlichte Burr einen Gastbeitrag bei Fox News: Die USA seien dank der Trump-Regierung "besser vorbereitet als jemals zuvor um aufkommenden Gesundheitsbedrohungen wie dem Coronavirus zu begegnen", heißt es darin.

In kleinem Kreis warnte der Senator dagegen eindringlich vor den Gefahren. Am 27. Februar, zwei Wochen nach seinen Aktienverkäufen, sprach Burr vor weniger als 100 Zuhörern in einem Privatclub in Washington. "Eines kann ich Ihnen sagen: Es ist viel aggressiver in der Übertragung als alles, was wir in jüngster Vergangenheit gesehen haben", warnt Burr in einem heimlichen Mitschnitt der Rede, die der Radiosender "NPR" veröffentlicht hat. "Es ist wahrscheinlich ähnlich wie bei der Pandemie von 1918."

Burr gehört nicht unbedingt zu den Spitzenverdienern im US-Senat. Aus seinem jährlichen Transparenzbericht geht hervor, dass die Aktiendeals einen beträchtlichen Teil seines Gesamtvermögens ausmachen. Mit den glücklichen Verkäufen hat der Senator also einen Großteil seines Besitzes vor der Krise gerettet. Laut "Washington Post" war er übrigens einer von nur drei US-Senatoren, die 2012 gegen das Insiderhandelsgesetz für Abgeordnete stimmten.

Quelle: ntv.de