Neue Jobs, bessere StimmungUS-Wirtschaft macht überraschend Hoffnung

In keinem Land der Welt gibt es so viele Corona-Infektionen wie in den USA - das hat auch die Wirtschaft in die Rezession stürzen lassen und 20 Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Doch nun gibt es Hoffnungsschimmer.
Die US-Industrie hat überraschend die Rückkehr auf den Wachstumspfad geschafft und sendet so ein wichtiges Signal der Erholung in der Corona-Krise. Der Einkaufsmanager-Index stieg im Juni auf 52,6 Punkte von 43,1 Zählern im Mai und damit auf den höchsten Stand seit über einem Jahr, wie aus einer Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Im April lag das Barometer noch auf dem niedrigsten Wert seit elf Jahren. Von Reuters befragte Analysten hatten für Juni nur mit einem Anstieg auf 49,5 Punkte gerechnet. Mit einem Wert von über 50 Zählern signalisiert das Barometer nun wieder Wachstum.
Dies sage aber wenig über das Tempo der Erholung in den USA aus, erklärte Commerzbank-Experte Christoph Balz. "Insbesondere bedeutet es nicht, dass die Lage wieder so gut ist wie vor dem Absturz." Die US-Wirtschaft steckt wegen der Virus-Pandemie insgesamt noch tief in der Rezession. Dies zeigt auch ein Blick auf den Immobilienmarkt. Die Bauausgaben in den USA fielen im Mai um 2,1 Prozent auf 1,356 Billionen Dollar, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Experten hatten hingegen mit einem Anstieg um 1,0 Prozent gerechnet, nach einem Rückgang von revidiert 3,5 Prozent im April.
Neuer Schwung auf dem Jobmarkt
Nach der Entlassungswelle in US-Firmen im Zuge der Corona-Krise kommt aber auch der Stellenaufbau wieder in Gang. Unter dem Strich wurden im Juni 2,36 Millionen Jobs geschaffen, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten monatlichen Umfrage des Personaldienstleisters ADP hervorgehrt. Von Reuters befragte Experten hatten mit 3,0 Millionen gerechnet. Zugleich wurden die Zahlen für Mai revidiert: Demnach wurden damals bereits 3,06 Millionen Jobs aufgebaut. Zunächst war von einem Abbau von 2,76 Millionen Arbeitsplätzen die Rede.
Die ADP-Zahlen gelten als ein gutes Vorzeichen für den am Donnerstag anstehenden Arbeitsmarktbericht der Regierung, der neben Jobs in der Privatwirtschaft auch Stellen im öffentlichen Dienst einschließt. Hier erwarten Experten ein Plus von drei Millionen Jobs außerhalb der Landwirtschaft, nach einem Zuwachs von 2,5 Millionen im Mai.
Corona-Welle rollt weiter
Zuvor war eine Entlassungswelle über das Land gerollt: Mehr als 20 Millionen Amerikaner verloren im April ihren Job. Die mit der Pandemie verbundenen Risiken sind für die USA jedoch noch nicht abgehakt: Der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci warnte jüngst davor, dass die USA die Schwelle von 100.000 Neuinfizierten pro Tag überschreiten könnten, sollten die Amerikaner keine Masken tragen und keinen Mindestabstand halten.
Derzeit kommen in den USA täglich rund 40.000 Neuinfizierte hinzu. "Es ist fraglich, ob die Verbesserungen am Arbeitsmarkt zu einer erhöhten Risikobereitschaft beitragen können", so Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba. Er verweist darauf, dass Corona-Beschränkungen vereinzelt verlängert oder Lockerungen bereits wieder rückgängig gemacht worden seien: "Insofern wird es wohl noch eine lange Zeit dauern, bis eine Art Normalität am Arbeitsmarkt zurückkehrt."