Wirtschaft

Schuldenexplosion und Handelskriege US-Wirtschaft zittert vor Präsident Trump

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Unter Donald Trump als Präsident würde die US-Wirtschaft wohl erheblich leiden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es sieht so aus als würde Hillary Clinton mit haushohem Vorsprung erste US-Präsidentin. Doch was, wenn doch Donald Trump ins Weiße Haus einzieht? Für die Wirtschaft hießen seine fragwürdigen Pläne nichts Gutes.

Knapp zwei Monate sind es noch bis zur US-Präsidentenwahl am 8. November. Bislang sieht es nicht nach einem spannenden Rennen aus. Hillary Clinton, die Kandidatin der Demokraten, hat in den meisten wahlentscheidenden Swing States einen komfortablen Vorsprung vor dem republikanischen Bewerber Donald Trump.

So groß ist der Abstand zwischen der Ex-Außenministerin und dem polternden Multimilliardär, dass die "New York Times" Clinton schon zur De-Fakto-Präsidentin ausgerufen hat. Die ehemalige First Lady habe eine 86-prozentige Chance, die Wahl zu gewinnen, ist sich Amerikas größte Zeitung sicher. Das Blatt errechnet die Zahl täglich anhand aller Umfragen. Ausgeschlossen ist ein Präsident Trump damit aber nicht.

Noch lässt das Trump-Szenario die Wall Street kalt. Doch was, wenn die Demoskopen falsch liegen? Viele Ökonomen warnen schon seit Monaten vor den dramatischen Folgen eines Trump-Siegs. Denn noch verheerender als seine Hetze gegen mexikanische Einwanderer und Muslime könnten Trumps Pläne für die US-Wirtschaft werden.

Die Mutter aller Handelskriege?

Denn seine Agenda heißt Wirtschaftsnationalismus. Mexikaner hat er als "Vergewaltiger" bezeichnet, die "Drogen und Verbrechen bringen". "China vergewaltigt unser Land", sagt Trump mit Blick auf das gigantische Handelsdefizit der USA mit dem Reich der Mitte. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie Trump als Präsident das Freihandelsabkommen mit Mexiko kündigt. Oder einen Handelskrieg mit China, der inzwischen größten Wirtschaft der Welt, beginnt.

Trumps Wahl könnte gefährlicher werden als der Brexit, schrieb Ex-US-Finanzminister Larry Summers schon im Juni in der "Financial Times". Er rechne damit, dass innerhalb der ersten anderthalb Jahre einer Trump-Präsidentschaft eine dauerhafte Rezession in den USA beginnen würde. Es wundert kaum, dass Summers medial Front gegen Trump bezieht, schließlich war er Finanzminister unter US-Präsident Bill Clinton.

Doch auch andere Experten sehen Gefahren. Die Ratingagentur Moody's fürchtet, Trumps Amtsantritt würde die Wirtschaft "beträchtlich" schwächen und den USA eine "langwierige Rezession" bescheren. Dreieinhalb Millionen Jobs könnten verschwinden, die Arbeitslosenquote auf sieben Prozent steigen, schätzen die Analysten. Zwar ist auch diese Studie mit Vorsicht zu genießen, weil der Hauptautor als Berater der Obama-Regierung gearbeitet hat. Die meisten Annahmen sind jedoch plausibel.

Allein das Ausmaß der Schäden genau zu beziffern ist schwierig, weil Trump in punkto Wirtschaftsprogramm - wie bei seinen meisten Aussagen - bewusst schwammig bleibt oder sich widersprüchlich äußert. Doch eins ist sicher. Trump wird die USA als Präsident stärker isolieren: "Handel und Einwanderung werden spürbar zurückgehen", erwarten auch die Moody's-Analysten. Ausländische Investitionen in den USA dürften sich verringern.

Staatspleite löst Schuldenproblem

Dank Trump droht der US-Wirtschaft auch ohne internationale Konflikte Ungemach. Der Milliardär hat Steuersenkungen von bis zu 10 Billionen Dollar versprochen, aber kein Wort darüber verloren, wo im Haushalt der gigantische Betrag eingespart werden soll. Gleichzeitig hat er angekündigt, das US-Militär massiv zu stärken. Alles in allem dürften die Schulden der USA explodieren, sollte Trump seine Versprechen tatsächlich umsetzen wie angekündigt.

Die Schuldenlast dürfte schnell aufs Wachstum durchschlagen. Denn all das Geld, was Präsident Trump leihen müsste, um seine Steuersenkungen und Militärausgaben zu finanzieren, würde die Investitionen von Firmen dämpfen. Die Zinsen würden steigen, das Verbrauchervertrauen sinken und die Konjunktur abwürgen.

Auch für die angeschlagene Kreditwürdigkeit der USA hieße das gigantische Trump-Defizit nichts Gutes. Sein AAA-Rating hat Washington wegen des ausufernden Defizits und jahrelangen Haushaltsgezerres zwischen Republikanern und Demokraten ohnehin schon längst verloren. Wird Trump Präsident, dürften US-Staatsanleihen und die Börse fallen. Streit mit Peking würde den Abschwung noch verschärfen. Denn China hält einen Großteil der US-Schulden und könnte die Papiere verkaufen, um Washington unter Druck zu setzen.

Donald Trump hat im Wahlkampf schon eine Lösung für das gigantische Schuldenproblem der USA vorgeschlagen. Auch sie dürfte US-Firmen nicht gefallen. "Falls die Wirtschaft crasht würde ich einen Deal mit unseren Gläubigern machen", hat Trump im Mai gesagt. Wenn er Schulden als US-Präsident nicht zurückzahlen will, braucht er sich als US-Präsidentschaftsbewerber auch nicht darum zu sorgen, was seine Versprechen kosten.

Quelle: ntv.de

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