Wirtschaft

Nach China ist Europa im Visier USA wollen Handelsdefizit mit EU abbauen

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US-Präsident Trump droht schon länger mit Strafzöllen auf europäische Autos. Links im Bild: Der Handelsbeauftragte Lighthizer.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der Handelsstreit mit China entspannt sich, als Peking verspricht, künftig mehr Agrarprodukte der Amerikaner zu kaufen. Der US-Handelsbeauftragte fokussiert sich jetzt auf Europa. Denn das Handelsdefizit mit Deutschland ist besonders groß und Präsident Trump schon länger ein Dorn im Auge.

Die US-Regierung richtet ihren Blick nun nach Europa, nachdem sie mit China eine Teileinigung im Handelsstreit erreicht hat. Das US-Handelsdefizit könne ohne einen Abbau des Defizits mit der Europäischen Union nicht gesenkt werden, sagte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer dem Sender Fox Business News. Es gebe ein grundlegendes Handelsproblem mit Europa. Es müssten Wege gefunden werden, mehr Waren in die EU zu verkaufen. Präsident Donald Trump sei das Thema sehr wichtig. Zur Sprache könnte es in Brüssel schon Anfang nächsten Jahres kommen. Dann will sich Trump mit der neuen EU-Komissionspräsidentin Ursula von der Leyen treffen.

Vor allem mit Deutschland haben die USA ein großes Handelsdefizit: Während sich die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten von Januar bis Oktober 2019 auf gut 100 Milliarden Euro summierten, beliefen sich die US-Exporte nach Deutschland nur auf knapp 60 Milliarden Euro. Trump hat mehrfach gedroht, Autoimporte aus Europa mit Strafzöllen zu belegen. Das könnte deutsche Hersteller empfindlich treffen.

Die USA und China hatten sich am Freitag nach montagelangem Gezerre auf ein erstes Teilabkommen geeinigt. Die Amerikaner sagten unter anderem zu, einige ihrer Zölle auf chinesische Waren zu senken. Im Gegenzug wollen die Chinesen mehr Waren aus der US-Landwirtschaft, der Industrie und dem Energiesektor kaufen.

In den USA rückt nun zunehmend der Wahlkampf zur Präsidentschafts- und Kongresswahl im November in den Vordergrund. Die US-Landwirte, die unter dem Zollstreit leiden, gehören zu den wichtigsten Unterstützern von Trump und seinen Republikanern. Trump ist das hohe US-Defizit im Handel mit China ein Dorn im Auge. Er wirft der Führung in Peking unter anderem unfaire Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums von US-Firmen vor.

Das nächste Ziel in Europa steht für den US-Handelsbeauftragten schon fest: Priorität habe nun ein Handelsabkommen mit Großbritannien, sagte Lighthizer. Premierminister Boris Johnson will sein Land Ende Januar 2020 aus der EU führen.

Über die Beziehungen zwischen der EU und den USA wollen die neue EU-Komissionspräsidentin Von der Leyen und der US-Präsident Anfang des Jahres sprechen. Von der Leyen kündigte ein Treffen "Anfang 2020" an. "Ich bin überzeugt, dass die enge Freundschaft und Kooperation zwischen Europa und den Vereinigten Staaten maßgeblich für den Erfolg beider Seiten sind", teilte sie nach einem Telefonat mit Trump mit. "Wir wollen beide eine faire Partnerschaft." Wo das Treffen stattfinden soll, ist noch nicht bekannt.

Quelle: ntv.de, hul/rts