Wirtschaft

Als Lieferservice aus der Krise Uber will Grubhub übernehmen

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Uber braucht mehr Kunden, um mit "Uber Eats" Geld verdienen zu können.

(Foto: REUTERS)

Über die Plattform "Uber Eats" liefert Uber bereits Essen aus, braucht aber weitere Kunden, um mit dem Geschäft auch Geld verdienen zu können. Die will sich der Fahrdienstvermittler anscheinend per Übernahme sichern. Objekt der Begierde ist Grubhub. Das Angebot könnte Wettbewerbshüter auf den Plan rufen.

Die Aktie Grubhub hat am Dienstag um gut 29 Prozent zugelegt. Grund für den gewaltigen Satz war ein Bericht des "Wall Street Journal" und des Finanzportals Bloomberg, wonach der Fahrdienstvermittler Uber ein Übernahmeangebot für den Essenslieferdienst vorgelegt hat. Uber ist mit der Lieferplattform "Uber Eats" bereits im Geschäft mit der Essenszustellung aktiv, braucht aber weitere Kunden, um in dem Feld auch Geld verdienen zu können.

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In der Corona-Krise hat das Geschäft einen gewaltigen Schub bekommen, unter anderem weil viele Restaurants auf Außer-Haus-Betrieb umgestellt haben. Bei "Uber Eats" stieg der Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent auf 819 Millionen Dollar. Der operative Verlust blieb aber stabil bei 313 Millionen Dollar.

Grubhub verzeichnete ein Umsatzplus von zwölf Prozent auf 363 Millionen Dollar bei 33,4 Millionen Dollar Verlust. Nach Informationen der "Financial Times" hatte Uber im vergangenen Jahr bereits versucht, den Grubhub-Rivalen DoorDash zu übernehmen, blitzte aber ab. Auch nachdem Grubhub mehrere Konkurrenten wie Eat24 oder Foodler schluckte, ist die Firma im US-Markt immer noch kleiner als DoorDash.

Uber räumt auf

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Uber leidet in der Corona-Pandemie, weil im Kerngeschäft mit Fahrdiensten die Passagierzahlen gesunken sind. Vorstandschef Dara Khosrowshahi räumt deshalb auf: Das verlustbringende Geschäft mit der Vermietung von E-Scootern und Elektro-Fahrrädern wurde an den Branchenpionier Lime abgegeben, in sieben Ländern wie Tschechien, Rumänien oder Ägypten wurde "Uber Eats" eingestellt. Die gut vernetzte Technologie-Website "The Information" berichtete, Uber erwäge, ein Fünftel der 4000 Softwareentwickler-Stellen zu streichen. Der Konkurrent Lyft hat bereits 1000 Arbeitsplätze abgebaut - rund 17 Prozent der Belegschaft.

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An der Börse war Uber zuletzt rund 55 Milliarden Dollar wert, Grubhub kam auf eine Bewertung von rund 4,5 Milliarden Dollar. Das "Wall Street Journal" berichtet, Grubhub habe zuletzt vorgeschlagen, dass seine Aktionäre 2,15 Uber-Aktien pro Anteilsschein bekommen. Zu den Kursen vor den Medienberichten liefe das auf einen Preis von 68 Dollar pro Grubhub-Aktie hinaus. Das wären gut 20 Dollar mehr als der Schlusskurs am Montag - und erklärt auch den rasanten Preisanstieg. Die Grubhub-Aktie ging am Dienstag bei 60,39 Dollar aus dem Handel. Sie ist damit allerdings immer noch weit von den Höchstständen bei mehr als 140 Dollar im August 2018 entfernt.

Kommt der Deal zwischen Uber und Grubhub zustande, könnte er Wettbewerbshüter auf den Plan rufen. Denn die beiden Dienste kämen nach Schätzungen der Finanzfirma Wedbush Securities zusammen auf einen Marktanteil von 55 Prozent, berichtet die "New York Times". Einziger großer Rivale wäre dann noch DoorDash mit rund 35 Prozent. Im US-Repräsentantenhaus kritisierte der Vorsitzende des Wettbewerbsausschusses, David Cicilline, Uber bereits als "Pandemie-Gewinnler" und forderte eine Auszeit für die meisten Übernahmen.

Quelle: ntv.de, chr/dpa