Wirtschaft

Massive SchädenUkraine zahlt hohen Preis für Russlands Energiekrieg

04.02.2026, 12:55 Uhr
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Russland greift seit Kriegsbeginn vor allem im Herbst und im Winter immer wieder ukrainische Kraftwerke und Knotenpunkte für die Stromübertragung an. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Zerstörte Energieinfrastruktur entwickelt sich zu einer Wachstumsbremse der Ukraine. Wie stark sich die Wirtschaft davon erholt, hängt auch von Sicherheitsgarantien und Investitionen ab.

Die russischen Attacken auf Kraftwerke, Umspannwerke und Stromnetze in der Ukraine sind nicht nur eine Herausforderung für die Bevölkerung. Die massiven Schäden im Energiesektor bremsen auch die ukrainische Wirtschaft aus. Betriebe und Industrie müssen ihre Produktion drosseln oder stoppen.

Das Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) senkt deshalb seine Prognose für die inzwischen seit fast fünf Jahren vom Krieg gezeichnete Ukraine: Für dieses Jahr erwartet das Institut nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent statt bislang 3,0 Prozent.

Trotz der widrigen Umstände wächst die ukrainische Wirtschaft damit etwa doppelt so stark wie die russische. Die WIIW-Ökonomen erwarten für Russland dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 1,2 Prozent. Für die Flaute in Russland machen die Experten unter anderem den hohen Leitzins von aktuell 16 Prozent verantwortlich. Erschwerend hinzu kämen außerdem der niedrige Ölpreis in Kombination mit den US-Sanktionen gegen den Energiesektor und viel zu geringe Investitionen.

"Die massiven Zerstörungen der Energieinfrastruktur durch die schweren russischen Luftangriffe und die großflächigen Stromausfälle untergraben zunehmend die Wirtschaftstätigkeit im Land", schreiben die Ökonomen in ihrem Bericht. Hinzu kämen der Ausfall von zerstörten Produktionsanlagen und der grassierende Arbeitskräftemangel durch Flucht und Mobilisierung.

Russland greift seit Kriegsbeginn vor allem im Herbst und im Winter immer wieder ukrainische Kraftwerke und Knotenpunkte für die Stromübertragung an. Laut German Trade und Invest sind die Verluste im ukrainischen Energiesektor riesig. Im November 2025 waren der Wirtschaftsförderungsgesellschaft zufolge rund zwei Drittel der Stromerzeugungskapazitäten beschädigt. Täglich falle der Strom teilweise für bis zu zwölf Stunden aus. Kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser, Wasserwerke und Verkehrsnetze funktionieren nur eingeschränkt.

Fehlende Energie bedroht derweil nicht nur die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und der Wirtschaft. "Sie erschwert auch den Wiederaufbau und macht die Ukraine abhängiger von weiteren internationalen Finanzhilfen, humanitären Programmen und von teuren Importen", schreiben die GTAI- Experten.

In seiner Prognose rechnet das WIIW damit, dass der Krieg noch bis 2028 andauern könnte. Ob sich die Wirtschaft im Anschluss wieder erholen werde, hänge vor allem davon ab, ob der Westen der Ukraine glaubwürdige Sicherheitsgarantien gewähre. "Sollten die Sicherheitsgarantien wasserdicht sein, könnte das in der gesamten Region zu einem Wirtschaftsboom führen", sagt die Ukraine-Expertin des WIIW Olga Pindyuk. Andernfalls würden es sich ausländische Investoren zweimal überlegen, ob sie in der Ukraine investieren wollen.

Quelle: ntv.de, jki

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