Wirtschaft

Deal mit Geschmäckle Unister verkaufte offenbar Kundendaten

Das Geschäftsgebaren von Unister war offenbar schon länger recht seltsam. Bereits 2014 schloss das Internetunternehmen einen Vertrag, mit dem es die Namen seiner Kunden an eine andere Firma weitergibt. Indes geht es beim Verkauf nach der Insolvenz voran.

Das nach dem Tod seines Chefs Thomas Wagner insolvente Unternehmen Unister soll in einem fragwürdigen Geschäftsmodell Kundendaten an eine andere Firma verkauft haben. Das berichtet die "Bild am Sonntag", der nach eigenen Angaben der Kooperationsvertrag zwischen der Unister Travel Betriebsgesellschaft mbH und der Flightright GmbH vorliegt.

Der Vertrag stammt demnach bereits aus dem Dezember 2014. Danach "nimmt Flightright im Auftrag von Unister eine Überprüfung der Flugbuchungsdaten der Kunden auf potenzielle Entschädigungsansprüche" gegen Airlines vor, zitiert die Zeitung aus dem Papier.

Flightright erstreitet im Fall von Flugausfällen, Umbuchungen oder Verspätungen für betroffene Reisende Entschädigungen und erhält dafür eine Provision. Der Vertrag mit Unister sicherte dem Unternehmen die Vermittlung von mindestens 5000 Entschädigungsfällen bis Ende 2017 zu. Für den Datenhandel habe Unister 150.000 Euro erhalten, außerdem beanspruchte das Leipziger Unternehmen bis zu 53 Prozent der "Erfolgsprovisionen". Bei unfreundlichen Fluggesellschaften wie Ryanair, Iberia oder Turkish Airlines gab es demnach Rabatt.

Damit der Deal nicht auffliegt, sollte Flightright darauf achten, dass die "von Unister vermittelten Kunden keine auffällige Teilmenge innerhalb der sonstigen Fälle von Flightright bilden". Unister wollte sich gegenüber der Zeitung zu dem Vertrag nicht äußern. Die Lufthansa kündigte eine rechtliche Prüfung des Vertrags an.

Ab Montag können Kaufinteressenten nach Abgabe einer Vertraulichkeitserklärung die Geschäftsunterlagen von Unister einsehen. Viele Teilfirmen meldeten bereits Insolvenz an. Als wertvollste Teile der Insolvenzmasse gelten der Pauschalreisebereich, zu dem auch ab-in-den-urlaub.de gehört, mit 40 bis 50 Millionen Euro Schätzwert und die Flugvermittlung fluege.de mit 30 bis 40 Millionen Euro. Insgesamt wird mit einem Verkaufserlös zwischen 90 und 130 Millionen Euro gerechnet.

Quelle: n-tv.de, sba

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