Wirtschaft

Corona-Hilfen fließen nicht Unternehmer fordern mehr als "Trostgipfel"

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Noch einen, "allerhöchstens zwei Monate" kann der Wirt des Unkelbach in Köln ohne Hilfe durchhalten.

(Foto: imago/Eduard Bopp)

Seit Monaten geschlossene Betriebe stehen teils vor dem Aus, weil die versprochene Staatshilfe nur schleppend fließt. Bundeswirtschaftsminister Altmaier spricht mit Verbandsvertretern darüber bei einem "Gipfeltreffen". Ein Kölner Wirt sagt deutlich, was er erwartet.

In normalen Zeiten macht Alexander Manek jetzt, in den wenigen Tagen des Straßenkarnevals, rund 15 Prozent seines Jahresumsatzes. In diesem Jahr sind seine drei Gastronomiebetriebe in Köln jedoch geschlossen. Er telefoniere seit Wochen schon "täglich mit meinem neuen besten Freund, dem Steuerberater", erzählt Manek ntv. Mithilfe des Steuerberaters hat Manek wie Zehntausende andere Unternehmen Antrag auf Novemberhilfe und dann Dezemberhilfe gestellt. Doch bisher sei "kein Cent" angekommen. Noch halte er sich mit einem Bank-Darlehen über einen "hohen sechsstelligen Betrag" über Wasser. "Aber es wird eng", sagt Manek. Ohne Einnahmen kann er mit dem Kredit nur kurzfristig die Zeit bis zur Auszahlung der Hilfen überbrücken. "Einen Monat, allerhöchstens zwei" habe er noch.

Wie Manek ergeht es vielen Unternehmen. Vor allem in der Gastronomie, die schon im November schließen musste. "In der Krise helfen die Gelder ja nur, wenn sie auch schnell ankommen und nicht erst nach vier Monaten oder später", sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands, in der ARD. Es sei "völlig unbefriedigend", dass im Oktober zugesagte Hilfen immer noch nicht bei mehr als einem Drittel ihrer Unternehmen vollständig eingegangen seien und größere Arbeitgeber noch nicht einmal den Antrag stellen könnten. "Das versteht kein Mensch. Ich glaube, wir brauchen auch hier dringend schnellere Prozesse", so Hartges.

Der Kritik aus der Wirtschaft stellt sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier derzeit bei einem Treffen mit mehr als 40 Verbandsvertretern. Er habe "volles Verständnis" für die Probleme in den vom Lockdown betroffenen Betrieben. Für diese sei es eine "ganz schwere Zeit", sagte Altmaier. Die Konferenz müsse mehr als ein "Trostgipfel" sein, hatte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth, gesagt. Er erwarte von Altmaier echte Perspektiven und wirkungsvolle Hilfspakete. Konkrete Beschlüsse dieses "Wirtschaftsgipfels" werden allerdings nicht erwartet.

Bei den Hilfen für November und Dezember wurden inzwischen sechs Milliarden Euro an Abschlägen und regulären Auszahlungen überwiesen. 15 Milliarden Euro hatte die Bundesregierung ursprünglich allein für die Novemberhilfe bereitgestellt. Die schleppende Auszahlung ist nicht das einzige Problem bei den versprochenen Staatshilfen für den Lockdown. Die Anforderungen für die inzwischen sieben verschiedenen Hilfsprogramme schließen viele Betroffene aus. Selbständige qualifizieren sich für viele Hilfen ebenso wenig, wie große Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 750 Millionen Euro Umsatz.

Wirt Alexander Manek hat vor allem eine Erwartung an den Wirtschaftsminister. "Sehen Sie zu, dass Sie ihren Laden in den Griff bekommen", sagt er. Sein Steuerberater habe noch nicht einmal einen Ansprechpartner für die Bearbeitung des Hilfsantrags, und E-Mails würden einfach nicht beantwortet. "Es kann nicht sein, dass man im November etwas verspricht und bis Mitte Februar nicht angekommen ist."

Quelle: ntv.de, mbo/dpa