Wirtschaft

Amt vor zwei Wochen angetreten VW feuert Software-Chef

Vor nicht einmal zwei Wochen übernimmt Christian Senger offiziell den Chefposten bei Car.Software.Org. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich eines der zentralen Zukunftsprojekte von VW-Boss Herbert Diess. Der wirbelt gerade die Führung bei mehreren Volkswagen-Einheiten durcheinander.

Der frühere BMW-Manager Christian Senger verliert einem Zeitungsbericht zufolge seinen Posten als Software-Chef von Volkswagen. Er werde seine Position als Leiter der erst vor zwei Wochen gegründeten Software-Einheit Car.Software.Org sowie als Vorstand der Kernmarke VW räumen müssen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzernkreise. Es habe intern Streit zwischen Senger und "einigen Fraktionen" gegeben. Auch hätten Softwareprobleme bei den Modellen ID.3 und Golf 8 für Unruhe gesorgt, so die Zeitung. Der bisher von Senger bekleidete Posten als Software-Chef ist zentral für die Entwicklung neuer Elektrofahrzeuge zuständig. Volkswagen lehnte eine Stellungnahme auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters ab.

Sengers Abgang fällt in die Zeit einer breit angelegten Neuordnung der Führung in zahlreichen VW-Bereichen. Unter anderem hat Konzernchef Herbert Diess gerade die Spitze der Lkw-Sparte Traton ausgewechselt. Auch die Töchter Skoda und Audi bekommen neue Chefs. Nicht zuletzt musste Konzernchef Diess selbst die Leitung der Kernmarke VW abgeben, nachdem er mit Teilen des Aufsichtsrats aneinander gerasselt war. Auch Diess selbst war wegen der Verzögerungen bei den als extrem wichtig geltenden neuen Modellen Golf 8 und ID.3 unter Druck geraten.

Laut "Handelsblatt" hatte sich Senger beim Aufbau von Car.Software.Org Feinde und Neider in der Führungsmannschaft des Konzerns geschaffen. Denn die neue Einheit, die ein komplett eigenes Auto-Betriebssystem schaffen soll, nimmt in Diess' Zukunftsstrategie für VW eine zentrale Rolle ein. Nur sie könne, so auch Sengers Anspruch, die "Hoheit" von Volkswagen über die eigenen Fahrzeuge sichern. Laut "Handelsblatt" sahen Manager anderer Einheiten und auch die Betriebsräte Sengers Arbeit kritisch. Er habe nicht ausreichend erklärt, wofür er die angeforderten Ressourcen benötige.

An der Priorität für die Schaffung eines eigenen Betriebssystems soll sich dem Bericht zufolge nach Sengers Absetzung nichts ändern. Was aus dem Top-Manager wird, ist demzufolge noch unklar. VW bemühe sich laut "Handelsblatt" offen, ihn im Konzern zu halten.

Quelle: ntv.de, mbo/rts