Wirtschaft

Neue Online-Börse für Autos VW schiebt "Heycar" an den Start

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VW tritt mit Heycar im Gebrauchtwagenmarkt an. (Screenshot)

(Foto: hey.car)

Volkswagen will ins Gebrauchtwagengeschäft einsteigen und den beiden Online-Plattformen Autoscout und Mobile.de Marktanteile abnehmen. Dazu wollen die Wolfsburger auch mit anderen Herstellern zusammenarbeiten. Müssen sich die Wettbewerber fürchten?

Europas größter Automobilkonzern Volkswagen greift die beiden führenden deutschen Online-Autobörsen mobile.de und autoscout24.de an: Mit der eigenen Plattform "Heycar" will die VW-Finanzsparte den Platzhirschen ab sofort Marktanteile abjagen. Ziel sei, künftig vom Geschäft mit Gebrauchtwagen zu profitieren, sagte Christian Dahlheim, Vertriebsvorstand der Volkswagen Financial Services AG, in Berlin. "Wir wollen und können den Wettbewerbern diesen Markt nicht überlassen."

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Auf der neuen Online-Plattform des Wolfsburger Autobauers können Händler gebrauchte Fahrzeuge anbieten. "Wir wollen Mobile.de und Autoscout von ihrem Thron stoßen", kündigte Heycar-Chef Markus Kröger an. Bisher werden über 90 Prozent der Onlineverkäufe über mobile.de und Autoscout.24.de abgewickelt.

Heycar soll allen in Deutschland aktiven Automarken offenstehen, nicht nur den Volkswagen-Konzernmarken, betonte Kröger, der die Plattform als Chef der neu gegründeten VW-Start-up-Tochter "Mobility Trader" führt. Heycar und Mobility Trader sind jeweils hundertprozentige Töchter von Volkswagen Financial Services.

Schon mehr als 50.000 Autos online

Heycar soll sich den Angaben zufolge auf bis zu acht Jahre alte Autos konzentrieren, deren Laufleistung nicht höher als 150.000 Kilometer liegen soll. Gleichzeitig sollten den Kunden Finanzdienstleistungen wie etwa Finanzierungen angeboten werden. Die Autohändler selbst wollten eine Alternative zu den bestehenden Plattformen, betonte Heycar-Chef Kröger. Seit dem 4. Oktober sei die Plattform online, derzeit sei sie in Berlin, im Raum Hamburg und Bremen sowie im Ruhrgebiet aktiv - mit fast 51.000 Fahrzeugen und über 70 Händlergruppen auf der Plattform.

Bis zum Jahresende sollten es über 70.000 Fahrzeuge und mehr als 100 Händlergruppen sein, dann sollen auch Regionen wie Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Brandenburg hinzukommen. Angepeilt werden 200.000 bis 300.000 Fahrzeuge auf der Plattform, in einem Jahr sollten es schon rund 150.000 sein. "Das ist eine relevante Größe", betonte VW-Leasing-Sprecher Bandmann.

Heycar verlangt nach Testphase Gebühren

Voraussichtlich bis März 2018 solle ganz Deutschland abgedeckt sein, fügte Kröger hinzu. Schon jetzt seien zehn Marken auf der Plattform, der Anteil der Autos, die nicht vom Volkswagen-Konzern stammten, liege zwischen 10 und 15 Prozent. Zum Vergleich: mobile.de kommt derzeit in Deutschland auf rund 1,4 Millionen angebotene Fahrzeuge, Autoscout24 auf knapp 1,2 Millionen.

Allerdings habe Heycar mit derzeit gut 40 Mitarbeitern nicht den Anspruch, Millionen von Fahrzeugen zu vermitteln, erklärte Bandmann. Dahlheim betonte: "Wir haben den Anspruch, uns perspektivisch als Plattform Nummer 1 für höherwertige Gebrauchtwagen in Deutschland zu positionieren." Heycar verzichtet auf Werbung und gekaufte Inserate.

Für Autohändler ist Heycar in der Testphase bis Mitte nächsten Jahres gratis, danach werden Gebühren fällig. Erst unlängst hatte Volkswagen angekündigt, sein europäisches Händlernetz zu straffen, Profitabilität und Effizienz sollten zudem um 10 Prozent steigen. Künftig will sich Volkswagen nicht nur das Recht zum Onlineverkauf vorbehalten, sondern auch, Großkunden direkt beliefern zu können.

Potenziale im Gebrauchtwagenmarkt

Volkswagen befindet sich derzeit wie die gesamte Autobranche in einem grundlegenden Wandel. Schwerpunkte der Neuausrichtung sind Elektroautos, Digitalisierung sowie autonomes Fahren. Bei VW sehen Branchenkenner den Umbruch auch als eine Reaktion auf den Diesel-Abgasskandal.

Analysten vermuten, dass VW mit Heycar seinem eigenen Gebrauchtwagen-Geschäft auf die Sprünge helfen will. Denn aufgrund der Dieselkrise bleiben viele Autos mit Selbstzünder bei Händlern auf dem Hof stehen. Stattdessen sind Autos mit Benzinmotor stärker gefragt. Dem Branchendienst Schwacke zufolge sind die Restwerte von Dieselautos unter Druck.

Mit dem Abgasskandal und den Folgen, darunter der sinkende Dieselanteil bei den Neuwagenverkäufen, habe das Vorhaben einer eigenen Gebrauchtwagenplattform allerdings nichts zu tun, betonte der Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Leasing GmbH, Anthony Bandmann. Vielmehr habe das Gebrauchtwagensegment Wachstumspotenzial, wobei vor allem der Handel mit jüngeren Gebrauchten besonders stark sei.

"Mit Heycar haben wir ein wesentliches Instrument, um die Gebrauchtwagenpotenziale des Marktes zu erschließen", hieß es. Die Volkswagen-Finanztochter hatte zuvor bereits angekündigt, ihr Geschäft deutlich ausweiten zu wollen. Bis 2025 soll die Zahl der Bestandsverträge demnach auf 30 Millionen steigen - von 18,2 Millionen Verträgen Stand Ende 2016. Dazu sollten bis 2020 rund 500 Millionen Euro in die digitalen Geschäftsprozesse investiert werden, wie VW-Financial-Vertriebsvorstand Dahlheim auf der diesjährigen IAA ankündigte.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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