Wirtschaft

Weg zurück in die Spur gesucht Vapiano stellt alles auf den Prüfstand

Die Restaurantkette Vapiano verpasst ihre ohnehin schon gesenkten Jahresziele. In den kommenden Monaten soll daher alles überprüft werden. Stellenstreichungen stünden aber nicht zur Debatte, hieß es.

Vapiano will nach einem desaströsen Geschäftsjahr mit einem Strategieschwenk unter der neuen Führung das Ruder herumreißen. Der Kölner Systemgastronom mit italienischem SB-Konzept führt derzeit Gespräche mit Banken, um die langfristige Finanzierung zu sichern. Unter dem neuen Chef will die Vapiano SE im zweiten vollständigen Geschäftsjahr seit dem Börsengang 2017 nun deutlich langsamer und kapitalschonender wachsen und sich stärker auf "nachhaltige Profitabilität" fokussieren. Arbeitsplätze stünden nicht im Fokus, sagte eine Sprecherin, es gehe vor allem darum, die Profitabilität wiederherzustellen.

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Das Geschäft außerhalb Europas soll verkauft oder in Kooperation mit Franchisepartnern weiterentwickelt werden, wie in den USA. In Europa will die Vapiano SE sich auf Metropolen konzentrieren und generell auf "Märkte mit der höchsten Kapitalrendite" fokussieren. Das durch den Verkauf des außereuropäischen Geschäfts freiwerdende Kapital soll in die eigenen Restaurants investiert werden. Ähnliche Pläne hatte Vapiano im Januar in den USA angestoßen, wo die US-Tochter verkauft wurde. Zudem unterzeichnete Vapiano in den USA "Development Agreements" zur Eröffnung von Franchise-Restaurants. Daraus erhält Vapiano einmalige Entwicklungsgebühren. Vapiano hofft, durch Franchise-Kooperationen in den USA weiter zu wachsen, dies aber weniger kapitalintensiv.

Kleinere Karte, Lieferdienst auf dem Prüfstand

In den Restaurants will Vapiano schneller werden, Komplexität in den Betriebsabläufen reduzieren und die IT-Systeme leistungsfähiger machen. Kunden des Pizza-und Pasta-SB-Konzepts haben seit längerem komplizierte Gerichte und lange Warteschlangen gerade um die Mittagszeit kritisiert. Die Menükarte soll verkleinert und auf "Vapiano-Klassiker" konzentriert werden.

Selbst die Ausweitung des Take-Away- und Home-Delivery-Angebots, die zwar mittelfristig die Margen verbessert aber erstmal Anlaufkosten verursacht, kommt auf den Prüfstand. Aktuell bieten 120 Restaurants in 16 Ländern den Service. Nach schneller Expansion in den vergangenen Jahren hatte Vapiano Ende September 220 Restaurants in 33 Ländern. Davon 19 Länder in Europa.

Größeres Minus

"Nach einem operativ sehr enttäuschenden Geschäftsjahr 2018 werden wir das Jahr 2019 nutzen, um einen strategischen Übergang zu schaffen und die Komplexität unseres Geschäftsmodells deutlich zu reduzieren", sagte Vapiano-Chef Cornelius Everke. "Unsere vorrangige Priorität ist es, die Profitabilität des Unternehmens zu steigern."

Für 2018 erwartet Vapiano nun nach vorläufigen Zahlen einen Nettoverlust, der aufgrund einer Belastung von 33 Millionen Euro für Abschreibungen und Risikovorsorge den Vorjahreswert von minus 29,6 Millionen Euro deutlich übertreffen wird. Wie tiefrot die Zahlen ausfallen, wird sich erst bei der Vorlage der endgültigen Ergebnisse am 30. April herausstellen.

Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibugen (Ebitda) wird nach den vorläufigen Zahlen nun nur 29 bis 31 Millionen Euro betragen anstatt der angepeilten 34 bis 38 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um bis zu einem Viertel. Bereinigt um den Verkaufserlös von 2,6 Millionen Euro für das US-Geschäft, den Vapiano im Januar angekündigt hatte, beträgt der Rückgang gut ein Drittel.

Der Umsatz wird nach den vorläufigen Zahlen 370 Millionen Euro betragen. Hier hatte das Unternehmen seit November 375 bis 385 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Organisch wird der Umsatz damit um 1 Prozent schrumpfen und somit auch schwächer ausfallen als die jüngste Prognose. Ausschlaggebend für die schwachen Zahlen war die enttäuschende Geschäftsentwicklung, die sich im vierten Quartal fortgesetzt hat. Zudem hätten sich einige neu eröffnete Restaurants schwach entwickelt.

Am Freitag war die Vapiano-Aktie nachbörslich um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Mit der dritten Umsatz-und Gewinnwarnung für 2018 geht für Vapiano ein turbulentes Geschäftsjahr zu Ende. Ende November nach der zweiten Prognosesenkung innerhalb von weniger als drei Monaten, mußte Everkes Vorgänger, Jochen Halfmann, gehen. Everke steht seit 1. Dezember an der Spitze. Anfang Januar legte Aufsichtsratschef Thomas Tochtermann vorzeitig per Ende Januar sein Mandat nieder. Tochtermann wareigentlich bis zur Hauptversammlung 2022 gewählt.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/dpa

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