Wirtschaft

Früh über "Beschiss" informiert Vertrauter belastet Ex-VW-Chef Winterkorn

Winterkorn vor Abgas-Untersuchungsausschuss

Auch vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss sagte Winterkorn aus, er habe erst kurz vor dem öffentlichen Bekanntwerden vom Dieselskandal erfahren.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Die Frage, wer wann was bei VW über die Dieselmanipulation wusste, kann über Milliarden-Klagen gegen den Konzern entscheiden. Laut der Aussage eines langjährigen Vertrauten Winterkorns, war der Chef früh informiert - und unternahm nichts.

Ein langjähriger Vertrauter hat Ex-VW-Chef Martin Winterkorn in der Abgasaffäre schwer belastet. Der ehemalige Verantwortliche für Produktsicherheit bei Volkswagen, Bernd Gottweis, soll einem Bericht zufolge gegenüber Ermittlern ausgesagt haben, dass Winterkorn deutlich früher als bisher bekannt von den Abgasmanipulationen wusste. Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" will Gottweis selbst am 21. Juli 2015 von der illegalen Software erfahren haben und dem damaligen Vorstandschef am 27. Juli mitgeteilt haben, dass VW in den USA "beschissen" habe. Daraufhin sei bei VW aber weiter nichts geschehen.

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Nach Darstellung des VW-Konzerns, erfuhren Winterkorn und seine Vorstandskollegen erst Ende August oder Anfang September 2015 von den illegalen Machenschaften. Wer wann von den Manipulationen wusste und was unternahm, ist unter anderem für die Klagen zahlreicher VW-Aktionäre entscheidend. Sie verlangen Schadenersatz in Milliardenhöhe, da sie zu spät über die Manipulationen und die Ermittlungen in den USA gegen den Konzern informiert worden seien. Der Diesel-Skandal war am 18. September durch eine Veröffentlichung US-amerikanischer Umweltbehörden bekannt geworden. Allein in den USA musste Volkswagen bisher mehr als 20 Milliarden Dollar aufwenden - unter anderem für Entschädigungen, Umrüstungen und Rückkäufe.

Auch Pötsch und Diess belastet

Gottweis, gegen den die US-Justiz im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal einen internationalen Haftbefehl erlassen hat, behauptet zudem bei einer Sondersitzung des VW-Ausschusses für Produktsicherheit (APS) am 24. August 2015 sofortige Maßnahmen wegen des Skandals gefordert zu haben. Seine Forderungen, die Aktionäre zu informieren, Rückstellungen zu bilden und eine interne Untersuchung einzuleiten seien allerdings ungehört geblieben.

Laut "Süddeutscher Zeitung" machte Gottweis seine Aussagen gegenüber deutschen Ermittlern. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig ermittelt gegen Winterkorn, Gottweis und zahlreiche weitere Beschuldigte wegen des Verdachts, Autokäufer seien mit angeblich sauberen Dieselfahrzeugen betrogen worden.

Zudem wird gegen Winterkorn, den damaligen VW-Finanzchef und heutigen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sowie VW-Vorstand Herbert Diess ermittelt. Sie sollen die Aktionäre zu spät über die US-Verstöße informiert haben. Gottweis belastet auch Pötsch und Diess. Er sagte aus, ein führender VW-Jurist habe sich nach der Entdeckung der Verstöße bei ihm beklagt, dass er beim Thema Diesel kein Gehör bei Winterkorn, Diess und Pötsch finde.

Quelle: n-tv.de, mbo

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