Wirtschaft

"Macht alles nur noch schlimmer"Volkswagen-Betriebsrat geht mit Blumes Kommunikation ins Gericht

12.07.2026, 18:55 Uhr
00:00 / 03:37
Dr-Oliver-BLUME-Vorstandsvorsitzender-der-Volkswagen-AG-CEO-Jahrespressekonferenz-der-Volkswagen-AG-Aktiengesellschaft-in-Wolfsburg-am-10-03-2026-Dr
Volkswagen-Chef Oliver Blume bekommt scharfen Gegenwind für seine Sparpläne. (Foto: IMAGO/Sven Simon)

Wie viele Mitarbeiter sollen entlassen werden? Wie viele Werke sollen schließen? Der Sparkurs der Konzernspitze treibt die Volkswagen-Mitarbeiter um. Doch konkrete Angaben gibt es nicht. Für den Betriebsrat des Konzerns macht das alles nur noch schlimmer.

Der Konzernbetriebsrat von Volkswagen hat die Kommunikation von Konzernchef Oliver Blume scharf kritisiert. Dieser habe sich immer noch nicht gegenüber der Belegschaft erklärt, sagte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats RTL/ntv. Die Zitate in der Presse würden "keinerlei Klarheit bringen und so alles nur noch schlimmer machen".

"Insbesondere für unsere mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen an den namentlich seit Wochen bekannten fünf Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau, deren früher oder später drohendes Aus seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, ist dieser Zustand schlicht nicht mehr auszuhalten", sagte der Sprecher weiter.

Im Ringen um die Zukunft des Konzerns hatte Konzernchef Blume zuletzt eine leichte Kursänderung angedeutet. "Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen", sagte er der "Bild am Sonntag". Er verwies darauf, dass Einsparungen an deutschen Produktionsstandorten bereits Wirkung zeigten: "Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt." Das Unternehmen müsse aber weiter Kosten senken.

Betriebsrat: "Enormer Vertrauensverlust"

Blume reagierte damit offenbar auf eine Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstag, in der dieser ein weitreichendes Sparpaket des Vorstandschefs laut einem Medienbericht abgelehnt hatte. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen dagegen. Offizielle Angaben zu diesem Sparpaket gibt es nicht. Laut "Manager Magazin" könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, laut "Bild"-Zeitung sogar 120.000. Auch mögliche Werksschließungen sind noch nicht offiziell bekannt gegeben worden.

In den Belegschaften herrsche bereits ein enormer Vertrauensverlust in den Manager, hieß es weiter vom Konzernbetriebsrat. Blume habe sich "in seinen Anfängen als CEO überall als 'der Olli' und 'Kind der Region' präsentiert, der seine Aufgabe 'für die Menschen' machen wolle". Dafür habe der Vorstandschef "durchaus in weiten Teilen der Belegschaft Vorschusslorbeeren erhalten", so der Sprecher. "Davon ist inzwischen so gut wie nichts mehr übrig."

Blume äußerte sich derweil positiv über die neue Elektroflotte des Konzerns: "Von unserer neuen Einstiegsfamilie um den ID. Polo haben wir über 50.000 Autos in den ersten vier Wochen verkauft. Wir sind klarer Marktführer in Europa - bei Verbrennern und vollelektrischen Fahrzeugen." Allerdings war der Absatz von Volkswagen im zweiten Quartal (April bis Juni) weiter zurückgegangen. Weltweit verkaufte der Konzern mit knapp 2,1 Millionen Fahrzeugen 8,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das lag vor allem an China, dem wichtigsten Absatzmarkt. Dort brachen die Verkaufszahlen um 36,6 Prozent ein.

Quelle: ntv.de, mli/rts

Oliver BlumeAutoindustrieVolkswagenDeutsche AutobauerSparkurs