Wirtschaft

Heftiger SparkursVolkswagen kämpft gegen sich selbst

16.02.2026, 14:25 Uhr Ulrich-ReitzEin Kommentar von Ulrich Reitz
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Es läuft nicht so richtig rund. (Foto: REUTERS)

VW verschärft das Sparprogramm drastisch. Das Management reagiert damit nicht nur auf eine Krise, sondern auf strukturelles Versagen.

Was in Wolfsburg vorbereitet wird, ist kein normales Sparprogramm. Es ist ein Eingeständnis. Intern ist von bis zu 20 Prozent Kostensenkung bis 2028 die Rede. Wer in dieser Größenordnung kürzt, reagiert nicht auf eine konjunkturelle Schwäche. Er reagiert auf ein strukturelles Versagen.

260 Milliarden Euro Finanzschulden. Milliardeninvestitionen in Elektromobilität. Eine Softwareoffensive, die mehr Kapital bindet als Rendite liefert. In China zerbröseln die Margen, weil lokale Hersteller schneller und günstiger sind. In den USA verteuern Zölle das Geschäft. Gleichzeitig finanziert der Konzern zwei Welten: Verbrenner und Elektro. Doppelter Aufwand, halbierte Ertragskraft.

Konzernchef Oliver Blume hat intern klargemacht, dass die Gewinnschwelle sinken muss. Übersetzt heißt das: Das alte Erfolgsmodell ist zu teuer geworden. Skalierung, Baukastenstrategie, Markenvielfalt - was jahrzehntelang Effizienz versprach, produziert heute Komplexität.

Das Kernproblem ist nicht der Markt. Es ist die Struktur. Volkswagen ist ein Konzern mit enormer industrieller Macht - aber mit Entscheidungswegen, die nicht zur Geschwindigkeit des Wettbewerbs passen. Zu viele Marken verteidigen ihre Reviere. Zu viele Gremien verwalten Risiken, statt Chancen zu erzwingen. Jede größere Veränderung wird politisch. Jede Einsparung wird sozial verhandelt. Das schafft Stabilität - aber keine Dynamik.

Sparen allein reicht nicht

In einer Branche, die sich vom Maschinenbau immer schneller zur Softwarefactory wandelt, entscheidet das Tempo. Softwarezyklen messen sich in Wochen. Modellzyklen in Jahren. Wer traditionell operiert, verliert nicht aufsehenerregend - sondern schleichend.

Hinzu kommt ein Glaubwürdigkeitsproblem. Während in den Werken über Einschnitte diskutiert wird, bekommen Top-Manager Boni in Millionenhöhe überwiesen. Das passt nicht. Transformation verlangt Opfer. Wenn sie als einseitig wahrgenommen werden, entsteht Widerstand. Und Widerstand ist der teuerste Posten, wenn es um Restrukturierung geht.

Sparen allein wird das Problem nicht lösen. Es verschafft Luft. Mehr nicht. Entscheidend ist, ob Volkswagen bereit ist, an die Substanz seiner eigenen Struktur zu gehen: Marken reduzieren. Hierarchien abbauen. Entscheidungsrechte bündeln. Softwarekompetenz ins Zentrum rücken - nicht als Tochterprojekt, sondern als Kern des Geschäfts.

Volkswagen war lange ein Symbol industrieller Überlegenheit. Heute ist der Konzern ein Beispiel dafür, wie schwer sich Größe in Geschwindigkeit übersetzen lässt.

Quelle: ntv.de

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