Wirtschaft

Trotz Ermittlungen gegen Winterkorn Volkswagen meidet die Vertrauensfrage

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VW will den Abgas-Skandal hinter sich lassen: Doch das ist schwerer als erwartet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Zuge des VW-Abgasskandals ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits gegen zwei Dutzend Mitarbeiter - und nun auch gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn. Dennoch plant der Konzern, sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat für 2015 zu entlasten.

Der Volkswagen-Konzern sieht in den jüngsten Vorwürfen der Staatsanwaltschaft gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und einen weiteren früheren Vorstand keine Hindernisse für den geplanten Ablauf der Hauptversammlung an diesem Mittwoch. "Die Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Braunschweig vom heutigen Tage führt keine neuen Tatsachen beziehungsweise Erkenntnisse über eventuelle schwerwiegende Pflichtverletzungen der nunmehr beschuldigten Vorstandsmitglieder an", teilte der Konzern mit.

VW plant, sowohl den Vorstand als auch den Aufsichtsrat beim Treffen der Anteilseigner für das Jahr 2015 zu entlasten. An der Basis für dieses Vorhaben änderten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nichts, hieß es. Es seien "nach derzeitigem Kenntnisstand keine eindeutigen und schwerwiegenden Pflichtverletzungen von aktuellen oder ehemaligen Vorstandsmitgliedern festgestellt worden, die einer Entlastung zum jetzigen Zeitpunkt entgegenstehen würden", teilte Volkswagen mit.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte bisher im Diesel-Skandal bereits gegen 24 mutmaßlich Beteiligte, gegen 17 davon wegen der Stickoxid-Software-Manipulationen, gegen sechs im Zusammenhang mit falschen CO2- und Verbrauchsangaben und zuletzt auch gegen einen Mitarbeiter, der zu einer Datenlöschung aufgerufen haben soll. Die Diesel-Affäre kochte anfangs als Problem bei der Pkw-Kernmarke hoch und wurde dort bei Vorstandssitzungen auch besprochen.

Weil fordert "zügigen Abschluss"

Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe sagte, er könne noch nicht absehen, wie lange die Ermittlungen dauere. "Wir müssen die Beteiligten jetzt natürlich anhören und weitere Zeugen vernehmen", sagte er. Die Staatsanwaltschaft betonte: "Ob sich der genannte Anfangsverdacht verdichtet oder entkräften lässt, hängt von dem Ergebnis der erforderlichen weiteren Ermittlungen ab." Es gelte wie immer die Unschuldsvermutung.

Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil begrüßte die Untersuchung: "Für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wird die Staatsanwaltschaft ihre Gründe haben. Die zügige Durchführung der Ermittlungen und ein zügiger Abschluss liegen im allseitigen Interesse", so der SPD-Politiker. Er warnte vor voreiligen Schlüssen.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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