Wirtschaft

TV-Experte startet neue Karriere Vom koksenden Banker zum Trump-Berater

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Auch ohne Abschluss in Wirtschaft machte Kudlow Karriere als Ökonom.

(Foto: REUTERS)

Als Student protestiert Larry Kudlow gegen den Vietnam-Krieg. Dann wird er ohne Abschluss Wall-Street-Ökonom - bis er wegen Kokainsucht seinen Job verliert und zum Fernsehen geht. Dort fällt er vor allem mit Fehlprognosen auf. Nun wechselt er ins Weiße Haus.

Nadelstreif und bunte Krawatten sind sein Markenzeichen: Beim US-Börsensender CNBC war Lawrence "Larry" Kudlow jahrelang nicht aus dem Programm zu denken. Der Fernsehmoderator war Gastgeber der Sendung "The Kudlow Report" und bespricht noch heute einmal wöchentlich in seiner Radiosendung "The Larry Kudlow Show" wirtschaftliche Themen. Der 70-Jährige ist eine bekannte Medienpersönlichkeit, so wie Donald Trump. Womöglich hat ihn der US-Präsident deshalb nun zu seinem neuen Top-Wirtschaftsberater ernannt - standesgemäß per Tweet.

Mehr noch als seine Outfits haben Kudlows Einschätzungen als Wirtschaftsexperte für Diskussionen gesorgt. Die Finanzkrise 2008 sah er nur Monate davor nicht kommen. "All die Spinner, die erwarten, dass in Las Vegas oder Florida die Häuserpreise crashen, liegen völlig falsch", orakelte er schon 2005. Im März 2007, kurz bevor der Schrotthypothekenanbieter New Century pleite ging und die Ratingagenturen hunderte Subprime-Papiere herabstuften, nannte er die USA eine "solide Wirtschaft". Im Dezember sagte er voraus: "Eine Rezession kann man das nicht nennen." Und noch im April 2008, nach dem Notverkauf der Investmentbank Bear Stearns an JPMorgan, erklärte er: "Eine echte Kreditkrise gibt es nicht."

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All diese Fehlprognosen haben Trump offenbar nicht abgeschreckt, den TV-Moderator in seinen engsten Führungszirkel zu holen. Der Präsident brauchte dringend einen neuen Wirtschaftweisen. Kudlows Vorgänger Gary Cohn hatte aus Protest gegen Trumps Schutzzölle auf Stahl und Aluminium das Handtuch geworfen. Doch in der Handelspolitik darf Trump keine große Unterstützung von seinem neuen Top-Berater erwarten.

Ein Studienabbrecher macht Karriere

"Ich mag keine pauschalen Zölle, die vielleicht unsere Verbündeten treffen und die wirklich Schlimmen davonkommen lassen", sagt Kudlow mit Blick auf China. "Mit so einer Politik schießen wir uns selber ins Knie." Auch für Trump selbst findet der 70-Jährige deutliche Worte. Der Präsident habe die Strafzölle verhängt, ohne auch nur ein einziges Mal mit den engsten Verbündeten zu verhandeln. Sie sähen sich jetzt auf Augenhöhe mit Iran oder Pakistan, wetterte Kudlow.

In anderen Fragen liegen beide Männer schon eher auf einer Linie. Kudlow lobt Trumps Steuerreform in den höchsten Tönen. Auch die Pläne zum Bau einer Grenzmauer zu Mexiko befürwortet der Republikaner - der sich in den siebziger Jahren noch als Demokrat gegen den Vietnam-Krieg engagierte und an der Uni einer linksgerichteten Studentengruppe angehörte. Kudlow erwarb an der University of Rochester zunächst einen Abschluss in Geschichte, bevor er sich an der Princeton University für Politik und Wirtschaft einschrieb. Seinen Master machte er jedoch nie, sondern brach das Studium ab.

Auch ohne Abschluss in Wirtschaft machte Kudlow Karriere als Ökonom: Erst arbeitete er bei der US-Notenbank in New York. Dann wurde er in den achtziger Jahren Chefökonom der Investmentbank Bear Stearns. 1994 beendete er seine Karriere wegen Drogen- und Alkoholproblemen. Kudlow schnupfte damals regelmäßig Kokain. Nach dem Entzug wechselte er von der Wall Street in die Medien und begann eine zweite Karriere als TV-Moderator.

Freihandelsverfechter trifft Zoll-Hardliner

Inzwischen ist der 70-Jährige seit zwanzig Jahren trocken. Kudlow hätte es geschafft, seine Dämonen zu bezwingen, zitiert der Fernsehsender Fox Kudlows guten Freund und Journalisten Charlie Gasparino - nun glaube er, alles schaffen zu können. Seine Abstinenz hat Kudlow einmal als "Mittelpunkt meines Lebens" und "meinen Nr.-1-Job" bezeichnet.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Cohn bringt Kudlow Regierungserfahrung mit. Der bekennende Christ arbeitete unter US-Präsident Ronald Reagan schon einmal im Weißen Haus. Dass er sich eine Rückkehr dorthin gut vorstellen könnte, ließ er schon nach Trumps Wahl durchblicken. Normalerweise bekäme man solch eine Chance nur einmal im Leben. Wenn ihm Gott aber eine zweite gewähren würde, würde er sofort zugreifen, sagte Kudlow. Nach mehreren Telefonaten mit Trump soll der ihm das erhoffte Angebot gemacht haben. Schon 2016 war der 70-Jährige im Wahlkampf ein informeller Berater für den Präsidenten.

Als Verfechter des freien Marktes und des Freihandels wird es der Wirtschaftsexperte künftig im Weißen Haus mit Protektionisten wie Handelsberater Peter Navarro aufnehmen müssen. "Wir stimmen nicht in allem überein. Aber in diesem Fall denke ich, dass das gut ist. Ich möchte eine abweichende Meinung", sagte Trump über Kudlows Ernennung.

US-Medien erwarten, dass seine Berufung ins Weiße Haus Trumps enge Beziehung zum Fernsehen als politischen Impulsgeber noch verstärken wird. Als Fernsehmoderator hat Kudlow jahrlange Übung darin, komplizierte Zusammenhänge leicht verständlich zu machen. Unter Trump dürfte ihm das zugutekommen.

Quelle: n-tv.de

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