Wirtschaft
Reisende und Demonstranten in Frankfurt am Main
Reisende und Demonstranten in Frankfurt am Main(Foto: dpa)
Dienstag, 10. April 2018

Flughäfen bundesweit betroffen: Warnstreiks legen mehr als 1000 Flüge lahm

Die hohe Beteiligung auf vier großen Flughäfen an den Warnstreiks im öffentlichen Dienstes führt zu großen Verwerfungen: Viele hundert Flüge entfallen. In Köln/Bonn geht über Stunden gar nichts. In Frankfurt wird fast jeder zweite Flug gestrichen.

Die Arbeitsniederlegungen von öffentlich Bediensteten an vier großen deutschen Flughäfen haben zu massiven Ausfällen geführt. Von den Warnstreiks im Öffentlichen Dienst sind insbesondere die Lufthansa und das Tochterunternehmen Eurowings betroffen. Die größte deutsche Fluggesellschaft hatte schon am Vortag angekündigt, dass am Dienstag voraussichtlich mehr als 800 Flüge ausfallen dürften. Allein das dürfte die Reisepläne von mehr als 90.000 Passagieren durcheinanderbringen. Unter anderem müssen nach Angaben der Lufthansa auch 58 Interkontinentalflüge gestrichen werden.

Am Drehkreuz in Frankfurt legten am Morgen Beschäftigte der Flugzeugabfertigung und der Flughafenfeuerwehr die Arbeit nieder. Außerdem sei die Flugsicherheitskontrolle betroffen, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Insgesamt rechnete der Flughafenbetreiber Fraport in Frankfurt mit fast 660 Ausfällen bei Starts und Landungen. Das betreffe rund 74.400 Reisende. Ohne Warnstreik wären sonst gut 1400 Flugzeuge planmäßig an Deutschlands größtem Flughafen gestartet oder gelandet.

Flughafenfeuerwehr in Köln/Bonn beim Streik
Flughafenfeuerwehr in Köln/Bonn beim Streik(Foto: dpa)

Nach dem Ende eines mehrstündigen Warnstreiks der Flughafenfeuerwehr nahm der Airport Köln/Bonn am späten Vormittag den Flugbetrieb wieder auf. Starts und Landungen seien wieder möglich, teilte der Airport mit. Die Feuerwehr hatte zuvor von 8 Uhr bis 11 Uhr die Arbeit niedergelegt und so für einen Komplettausfall gesorgt.

Es kam zu vielen Verspätungen, zudem mussten den Angaben zufolge zwei ankommende Flüge zu anderen Airports umgeleitet werden. Planmäßig standen in diesen drei Stunden 47 Passagierflüge auf dem Programm - 22 Starts und 25 Landungen. Bereits vorsorglich waren zuvor wegen des Warnstreiks an dem Flughafen 76 Flüge gestrichen worden.

Am Flughafen München, Deutschlands zweitgrößtem Airport, strich die Lufthansa vorab insgesamt 240 Inlands- und Auslandsflüge. Am Berliner Flughafen Tegel fielen 70 Inlandsflüge aus. Auf der Strecke Berlin-Frankfurt wurden in beide Richtungen je 18 von 22 Lufthansa-Flügen annulliert. Von Berlin nach München und zurück wurden je 12 von 19 Flügen abgesagt. Eurowings strich außerdem von Köln-Bonn nach Tegel und in die Gegenrichtung je 9 von 14 Flügen.

Auch Bremen und Leipzig/Halle betroffen

Massive Einschränkungen für Fluggäste gab es auch in Niedersachsen und Bremen: Rund 40 Inlandsflüge fallen hier tagsüber aus. Am Flughafen Bremen legten Beschäftigte aus den Bereichen Flugzeugabfertigung, Flughafenfeuerwehr und Verwaltung am Morgen die Arbeit nieder, sagte eine Verdi-Sprecherin. Wie lange der Ausstand in Bremen andauert, wollte die Gewerkschaft nicht mitteilen.

In Bremen und Hannover sollten Flüge von und nach Frankfurt, München und Stuttgart ausfallen. Am Flughafen Bremen wurden laut Internetseite der Lufthansa zwölf Abflüge und zwölf ankommende Flüge gestrichen. In Hannover werden voraussichtlich neun Verbindungen betroffen sein, sagte ein Sprecher des Flughafens.

Wegen der Warnstreiks sind auch am Flughafen Leipzig/Halle 18 Flüge gestrichen worden. Hier wirkten sich die Arbeitsniederlegungen an den Flughäfen in Frankfurt am Main, München, Köln und Bremen aus, wie die Mitteldeutsche Airport Holding am Morgen mitteilte. Die Ausstände an den Flughäfen sollen auf Dienstag beschränkt sein. Lufthansa-Fluggäste können ihr Ticket gegen eine Bahnkarte umtauschen oder ihren Flug kostenlos verschieben.

Verdi will mit den Warnstreiks kurz vor der dritten und möglicherweise entscheidenden Tarifrunde für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst den Druck erhöhen. Die Gespräche sind am 15. und 16. April in Potsdam. Die Gewerkschaft fordert für bundesweit rund 2,3 Millionen Tarifbeschäftigte sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat.

Quelle: n-tv.de