Wirtschaft

Erster Milliardendeal in Krise Warren Buffett schlägt doch noch zu

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Buffetts Holding Berkshire sitzt nach wie vor auf einem Berg von mehr als 100 Milliarden Dollar in bar.

(Foto: REUTERS)

Kann er nicht mehr oder will er nicht mehr? Seit Jahren häuft Warren Buffett immer mehr Cash an, statt zu investieren. Auch in der Krise sieht er zunächst keine günstigen Kaufgelegenheiten - bis jetzt.

Sein unerschütterlicher Glaube an das langfristige Wachstum der US-Wirtschaft und sein Geschick, Krisen für günstige Investitionsgelegenheiten zu nutzen, haben Warren Buffett zur Investorenlegende gemacht. Doch seit einigen Jahren schon fragen sich Beobachter: Hat der inzwischen fast 90-jährige Buffett seine sagenumwobenen Fähigkeiten oder seinen Ehrgeiz verloren? Oder steht es so schlecht um die US-Wirtschaft, dass selbst der berühmteste aller Investoren lieber mehr als 100 Milliarden Euro in bar anhäuft, als nennenswerte Summen in Unternehmenszukäufe zu stecken?

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Fast fünf Jahre liegt die letzte - nach Buffett-Maßstäben - große Investition seiner Holding Berkshire Hathaway zurück. Selbst als zu Beginn der Corona-Krise die Börsen massiv abstürzten, schlug Buffett trotz der teils extrem niedrigen Aktienkurse nicht zu. Im Gegenteil: Er verkaufte oder reduzierte sogar einige langjährige Beteiligungen. Die Barbestände von Berkshire Hathaway wuchsen im ersten Quartal dieses Jahres auf gigantische 137 Milliarden Dollar an. Kann oder will der alte Investmentguru nicht mehr investieren?

Mit Berkshires größtem Zukauf seit fünf Jahren zeigt Buffett jetzt, dass er die Zuversicht keineswegs aufgegeben, sondern nur auf die richtige Gelegenheit gewartet hat. Für knapp zehn Milliarden Dollar will die Energiesparte von Berkshire dem Konkurrenten Dominion Energy dessen Erdgaspipelines und das Speichergeschäft abkaufen. Vier Milliarden sollen in bar fließen, dazu übernimmt Berkshire 5,7 Milliarden Dollar Schulden von Dominion.

Mit dem Deal zeigt Buffett auch, dass seine von manchen jungen Investoren als altmodisch angesehenen Investmentregeln keineswegs obsolet sind. So kauft er auch dieses Mal in einer Branche zu, deren Geschäftsmodell er genau versteht. "Wir sind sehr stolz, diese großartigen Erdgas-Werte zu unserem bereits starken Energie-Geschäft hinzuzufügen", ließ Buffett anlässlich des Vertragsabschlusses mitteilen. Die neuen Pipelines und Speicher ergänzen das bestehende Geschäft von Berkshire Hathaway Energy gut.

Gleichzeitig hat er, trotz der jüngsten Rally am Aktienmarkt, wieder einmal ein Unternehmen gefunden, dessen Preis zuletzt deutlich gesunken sein dürfte. Denn die Energiebranche hat von der derzeitigen Euphorie an den Börsen nicht profitiert. Die Gaspreise in den USA sind auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gefallen. Das wird die Gewinne der Branche drücken. Buffett allerdings kalkuliert langfristig. Und er ist sich sicher, dass sein Gas für US-Verbraucher zum Heizen und Kochen und auch für Kraftwerke zur Stromerzeugung auf absehbare Zeit unverzichtbar sein und der Preis sich erholen wird.

Quelle: ntv.de, mbo