Wirtschaft

"Auge um Auge" Warum Trump auf US-Firmen einprügelt

RTS1UQZU.jpg

US-Präsident Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Wer sich Donald Trumps Motto "America First" widersetzt, braucht Nehmerqualitäten. Der US-Präsident teilt gegen Firmen aus, die nicht nach seiner Pfeife tanzen - das bekommen selbst US-Unternehmen zu spüren.

Wenn Donald Trump austeilt, dann nach Kräften. Wehe dem, der es ihm gegenüber an Loyalität mangeln lässt. Dann macht der Zorn des US-Präsidenten vor niemandem halt - selbst vor US-Unternehmen nicht, die wie Amazon Erfolg und die Innovationskraft verkörpern oder Symbole des American Way of Life sind. Jüngstes Beispiel: Harley Davidson. Weil der Motorrad-Hersteller angesichts des von Trump begonnenen Handelsstreits mit der EU Teile der Produktion aus den USA ins Ausland verlagern will, hagelt es wüste Drohungen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn Trump eine Firma disst, die er gerne als Aushängeschild seiner "America First"-Politik genutzt hat. Doch in Trumps Logik ist sein Handeln schlicht konsequent: Wer nicht loyal ist, wird bestraft.

Der US-Präsident verlangt von amerikanischen Unternehmen, dass sie im Sinne der Regierung handeln - andernfalls gibt es gewaltigen Ärger. Im Wahlkampf hatte er etwa zum Boykott von Apple-Produkten aufgerufen, weil der Konzern dem FBI nicht beim Entsperren eines iPhones helfen wollte.

Dazu zählt nach dem Selbstverständnis von Trump auch, dass es sich nicht gehört, ihn zu kritisieren. Das erklärt, warum er Amazon und dessen Gründer Jeff Bezos angreift. Bezos gehört mit der "Washington Post" eine liberal ausgerichtete Zeitung, die nicht gerade wohlwollend über Trump berichtet. Ohnehin gehören Medien zu den bevorzugten Zielen Trumps. In seinen Twitter-Tiraden wirft Trump CNN oder der altehrwürdigen "New York Times" vor, Lügen zu verbreiten. Daraus sprechen nicht nur Verachtung etablierter Medien und ein Hang zur Selbstdarstellung, dahinter steckt vor allem die Überzeugung, unfair und respektlos behandelt zu werden.

Drohung beim Mittagessen

Trump will mit einer Mischung aus steuerlichen Anreizen und Drohungen dafür sorgen, dass US-Unternehmen nur in den USA produzieren. Dass in einer globalisierten Welt komplexe Produktions- und Lieferketten international sind, widerspricht seiner merkantilistischen Sicht.

Der US-Präsident sieht Handel nicht als etwas, von dem beide Seiten profitieren. Für ihn ist Handel ein Wettstreit, in dem Gewinne der einen Seite zwingend Verluste der anderen Seite sind. Daraus resultiert seine Abneigung von Freihandel und Sympathie für Protektionismus.

Und wehe dem, der sich ihm in den Weg stellt. Der US-Präsident hat eine unerbittliche Interpretation des Kapitalismus. "Vor einigen Jahren hat mich Trump zum Mittagessen in sein Apartment in Manhattan eingeladen", erinnert sich Virgin-Gründer Richard Branson an seine erste Begegnung mit Trump. "Noch ehe die Vorspeise kam, erzählte er mir, wie er nach seiner jüngsten Pleite einige Leute um Hilfe gebeten habe - und fünf davon ablehnten. Er sagte mir, dass er den Rest seines Lebens damit verbringen werde, diese fünf Menschen zu zerstören."

"Hart zurückschlagen"

Trump glaubt an das Recht des Stärkeren. Oder wie er es in seinem Buch "How to get rich" ausdrückt: "Wenn Ihnen jemand wehtut, dann sollten Sie so hart und gewaltsam zurückschlagen, wie Sie können. Wie es in der Bibel heißt: Auge um Auge."

Das bekommt gerade die Besitzerin eines Restaurants mit dem Namen "Red Hen" im US-Bundesstaat Virginia zu spüren. Sie hatte Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders zum Gehen aufgefordert, als sie dort essen wollte - als Zeichen des Protests gegen die Politik des Weißen Hauses.

Der US-Präsident sah deshalb rot und schimpfte, das Restaurant solle sich auf die Reinigung seiner "schmutzigen Markisen, Türen und Fenster" konzentrieren. "Wenn ein Restaurant von außen dreckig ist, ist es auch innen dreckig!", so Trump. Das Restaurant wurde daraufhin mit einer Flut von Hass-Kommentaren überzogen, vor dem kleinen Gebäude protestieren Trump-Unterstützer. Das "Red Hen" ist derzeit geschlossen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema