Wirtschaft

Der Brexit und die Folgen Was Familienunternehmer tun sollten

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Großbritannien hat entschieden: Es will raus aus der EU.

(Foto: dpa)

Der Brexit hat auch für deutsche Familienunternehmen, die in Großbritannien aktiv sind, Folgen. Worauf sollten sie nun achten? Welche Nachteile kommen auf sie zu?

Nun wird es tatsächlich ernst: Großbritannien wird die EU verlassen. Premierministerin Theresa May hat am 29. März 2017 den Antrag auf Austritt aus der EU eingereicht. Damit wird die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens spätestens im März 2019 enden. Familienunternehmer mit Berührungspunkten zu Großbritannien sollten die Zeit bis dahin nutzen und die Konsequenzen überdenken. Der Brexit wird auch für deutsche Familienunternehmen und -unternehmer Auswirkungen haben.

Die endgültigen Auswirkungen werden zwar vom Ausgang der Austrittsverhandlungen und davon abhängen, welchen Status Großbritannien am Ende der Verhandlungen haben wird. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass das Land den Status eines sogenannten Drittstaates erhalten wird.

Nachteile für deutsche Familienunternehmer

Für deutsche Familienunternehmer mit Unternehmensteilen in Großbritannien ergeben sich Nachteile. Das Königreich ist nach dem Brexit voraussichtlich kein Staat des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR). Schenkung und Vererbungen von Anteilen an Gesellschaften mit Sitz in Großbritannien werden nicht mehr erbschaftsteuerlich begünstigt sein. Derzeit sind Steuerbefreiungen von 85 Prozent oder sogar 100 Prozent möglich.

Auch Betriebsstättenvermögen in Großbritannien kann betroffen sein. Sollte sich abzeichnen, dass Großbritannien nicht den Status eines EWR-Staates haben wird, müssten vorgezogene Übertragungen der Unternehmensanteile angedacht werden. Ist das nicht gewünscht, ist eine Steuerbegünstigung nach einem Brexit nur durch weitergehende Gestaltungen - regelmäßig Umstrukturierungen - denkbar. Auch diese müssten frühzeitig geprüft werden, da auch Umstrukturierungen nach einem Brexit teilweise nur noch eingeschränkt möglich sein werden.

Schenkungen und Erbschaften

Für Schenkungen oder Erbschaften von Gesellschaftsanteilen mit Bezug zu Großbritannien innerhalb der letzten fünf bis sieben Jahre können wegen der steuerlichen Sperrfrist Nachteile eintreten. Dies betrifft die sogenannte Behaltens-und Lohnsummenregelung.

Vermietete Immobilien oder Familienwohnheime

Auch für die Schenkung oder Vererbung von vermieteten Immobilien oder Familienwohnheimen in Großbritannien könnten die steuerlichen Begünstigungen entfallen. Derzeit können vermietete Immobilien zu zehn Prozent und ein Familienwohnheim in bestimmten Fällen vollständig steuerfrei übertragen werden. Diese Steuerbefreiungen werden sich zukünftig auch nicht durch Gestaltungen erreichen lassen. Eine vorgezogene Übertragung sollte angedacht werden.

Kunst und Kulturgüter

Befinden sich geschenkte Kunst beziehungsweise Kulturgüter in Großbritannien und war die Schenkung teilweise steuerfrei, könnte die Steuerbefreiung gefährdet sein. Das ist dann der Fall, wenn die Schenkung nicht länger als zehn Jahre zurückliegt. Kunst und Kulturgüter können vom Brexit auch im Fall einer beabsichtigen Ausfuhr nach Großbritannien betroffen sein. Wenn Großbritannien nicht mehr zur EU gehört, ist die Ausfuhr von Kunst und Kulturgütern wesentlich erschwert.

Umzug

Beabsichtigt ein deutscher Familienunternehmer, der Anteile an einer deutschen Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) hält, nach Großbritannien zu ziehen, so ergeben sich durch den Brexit massive Nachteile. Mit der dann eintretenden Wegzugsbesteuerung werden Wertsteigerungen in den Anteilen - auch ohne Veräußerung - besteuert, wenn ein Gesellschafter (einer GmbH oder AG) aus Deutschland in ein anderes Land zieht. Zieht er in ein EU- oder EWR-Land, so kann die entstehende Steuer ohne zeitliche Begrenzung und ohne Sicherheitsleistung zinslos gestundet werden. Durch den Austritt von Großbritannien aus der EU (ohne Beitritt zum EWR) wäre beim Wegzug nach Großbritannien eine zeitlich unbegrenzte zinslose Stundung der Steuer nicht möglich. Die Steuer müsste bezahlt werden. Eine während der Zugehörigkeit Großbritanniens zur EU bereits gewährte Stundung kann nach dem Brexit von der Finanzverwaltung unter Umständen widerrufen werden.

Die vorstehenden Folgen der Wegzugsbesteuerung treten auch ein, wenn beispielsweise der deutsche Familiengesellschafter verstirbt und das in Großbritannien lebende Kind der Erbe beziehungsweise Nachfolger eines GmbH-Gesellschaftsanteils wird.

Fazit

Familienunternehmer und Familienunternehmen sollten die verbleibende Zeit nutzen und prüfen, ob und welche Konsequenzen der Brexit für sie haben kann und wie sie darauf reagieren können. Insbesondere für Familienunternehmen mit Unternehmensteilen in Großbritannien oder auch Familien, bei denen ein oder mehrere Familienmitglieder in Großbritannien leben oder beabsichtigen dort zu leben, werden vom Brexit betroffen sein.

Rechtsanwalt Hans Christian Blum und Steuerberaterin Luise Uhl-Ludäscher arbeiten für die Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle.

Quelle: n-tv.de

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