Wirtschaft

Die Milliarden-Dollar-Foto-Bude Was Instagram so wertvoll macht

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Geschäftsmodelle aus der App-Welt: Wie verdient man damit Geld?

(Foto: picture alliance / dpa)

Das ist der Stoff, von dem im Silicon Valley alle träumen: Zwei Ex-Studenten sorgen mit einem eleganten Foto-Programm für Aufsehen, ziehen eine Firma hoch und lassen sich den Erfolg nach knapp zwei Jahren mit einem milliardenschweren Handschlag vergolden. Wie geht das?

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Instagram kann, was Facebook nicht kann: Fotos gut aussehen lassen und den Zugang zu anderen Netzwerken öffnen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie ein Lauffeuer breitete sich Instagram ab Herbst 2010 aus: Vom App-Store aus eroberte das kleine Programm für das iPhone erst das Silicon Valley und später die Smartphones von Studenten und Apple-Kunden in aller Welt. Instagram wurde zum neuen Lieblingsspielzeug, es verbindet das Statussymbol iPhone mit dem Leben im Internet. Gerade einmal anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung legt nun Facebook über eine Milliarde Dollar auf den Tisch, um die Softwareschmiede mit einem guten Dutzend Mitarbeitern zu kaufen. Was ist da passiert?

"Es ist ein simples Foto-mach- und Foto-teil-Programm", schrieb das US-Magazin "Businessinsider" betont nüchtern kurz nach dem Start im Herbst 2010. Es sei "nicht kompliziert und nicht einmal revolutionär." Instagram selbst versteht sich als digitale Wiederauferstehung der Das Polaroid feiert Comeback -Bilder. "In unserer Kindheit liebten wir es, mit unseren Kameras herumzuspielen", schreiben die beiden Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger. "Das war die Inspiration für Instagram".

Der Name Instagram bezieht sich auf die "Instant"-Verheißungen aus der Ära der alten Sofortbildkameras und den "Telegramm"-Stil der schnellen Mitteilung im Internet. Systrom und Krieger suchten nach einem Weg, diese beiden Ideen miteinander zu verbinden, ohne dabei dieses spezielle Gefühl zu verlieren, das sie aus den frühen Tagen ihrer Kindheit kennen. Das Teilen von Bildern sollte möglichst "genauso schnell und genauso magisch" funktionieren wie das erste Polaroid-Erlebnis.

Wie funktioniert Instagram?

Die praktische Idee dahinter ist ebenso einfach wie offensichtlich überzeugend: Das Programm nimmt den elektronischen Handy-Schnappschüssen ihre Kälte. Nutzer können ihre Bilder hochladen und dann mit Hilfe verschiedener Filter aufhübschen, die Farben verstärken, einen Nostalgie-Schleier darüber legen oder sie in einen schlichten weißen Rahmen packen. Das Ergebnis lässt sich an Freunde und Bekannte versenden oder in verschiedenen sozialen Netzwerken weiterleiten.

"Wir haben Instagram erschaffen, um mit einer einzigen App die größten Probleme beim Umgang mit Digitalbildern vom Smartphone mit einer einzigen App zu lösen", beschreiben die beiden Gründer ihren Ansatz. "Fotos vom Smartphone sahen immer ein bisschen ... naja aus", heißt es zum Beispiel. Die angebotenen Effekt-Filter sollen die Bilder in professionell wirkende Aufnahmen verwandeln.

Und dann erst das Teilen der Bilder in den verschiedenen sozialen Netzwerken: In der Lebensrealität US-amerikanischer Jugendlicher ist die Präsenz im Internet mindestens ebenso wichtig wie der richtige Auftritt auf dem Schulhof. Freundeskreise gruppieren sich rund um das jeweils angesagte soziale Netzwerk. Facebook ist dabei nur eine Plattform von vielen. "Wir wollten die eine Aufnahme, die sich ohne weiteres in verschiedenen Diensten hochladen lässt", heißt es bei Instagram.

Das ist vor allem eine Frage der Technik: "Die meisten Hochlade-Erlebnisse sind unbeholfen und dauern ewig", stellen Systrom und Krieger fest. "Wir haben diesen Schritt optimiert, hin zu einer schnellen und effizienten Erfahrung." Dieser Punkt scheint die Nutzer besonders für Instagram eingenommen zu haben. Die leichte, selbst erklärende Bedienbarkeit eines Angebots kristallisiert sich immer mehr als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal heraus. An dieser Stelle haben die Instagram-Gründer von Apple-Chef Trauer um einen Visionär gelernt: Ein durchdachtes Design in der Benutzerführung ist im digitalen Zeitalter längst bares Geld wert.

Bis vor Kurzem blieben die übrigens kostenlosen Instagram-Dienste ausschließlich der Apple-Welt und ihren iPhone-Kunden vorbehalten. Eine Version für das rivalisierende Betriebssystem Fast jeder will ein Smartphone von Google gibt es erst seit April 2012. Trotzdem konnte das junge Unternehmen schon früh gewichtige finanzielle Unterstützung anwerben. Die beiden Risikokapitalgeber Andreessen-Horowitz und Baseline Ventures steuerten schon früh eine halbe Million Dollar bei - und das, obwohl es offiziell keine aussichtsreiche Idee gibt, wie das Konzept selbst größere Umsätze erwirtschaften soll. Später kamen noch einmal satte sieben Millionen Dollar von Benchmark Capital und einer - wie es heißt - kleinen Gruppe an Investoren hinzu.

Wie kommt Geld ins Spiel?

"Möglicherweise wird es später kostenpflichtige Erweiterungen wie etwa Spezial-Filter geben", heißt es knapp bei Instagram. Ob sich damit wirklich das ganz große Geld verdienen lässt, ist allerdings alles andere als sicher. "Wir glauben, der Kern unseres Angebots wird immer kostenlos verfügbar bleiben", schreiben die beiden Startup-Gründer. Beide wechselten direkt von der Uni in die kalifornische Entwicklerszene. Seine ersten Erfahrungen mit der Berufswelt machte Instagram-Chef Kevin Systrom zum Beispiel als Praktikant in den frühen Tagen bei Twitter. Anschließend verbrachte er zwei Jahre bei Google. Sein Geschäftspartner Mike Krieger schrieb seine Abschlussarbeit an der Universität von Stanford über Kommunikationsdesign und die Frage, wie digitale Benutzeroberflächen die Zusammenarbeit in sozialen Netzwerken unterstützen können. Danach arbeitete er unter anderem für Microsoft, bezeichnenderweise für das Präsentationsprogramm Powerpoint.

Für Systrom und Krieger ist der Zuschlag von Facebook-Gründer Als Weltvernetzer zum Milliardär eine Art Ritterschlag. Nicht nur im Silicon Valley werden sich Risikokapitalfonds künftig darum reißen, ihnen frisches Geld für neue Ideen zur Verfügung zu stellen. Für die Anschubfinanzierer hinter Instagram ist die Übernahme der Idee durch Facebook das Traumziel aller Risikokapitalgeber. Besser, so möchte man meinen, kann es eigentlich gar nicht laufen.

Ob sich die Sache für Facebook selbst wirklich gelohnt hat, da sind sich die Beobachter nicht ganz so sicher. Der Kaufpreis von rund einer Milliarde Dollar in bar und Facebook-Anteilen erscheint nicht nur vielen Experten angesichts fragwürdiger Geschäftsaussichten als bemerkenswert hoch. Die Einschätzungen reichen von einer Art Panikkauf unter wachsendem Konkurrenzdruck Facebooks rasanter Aufstieg bis hin zum offenen Eingeständnis eigenen Unvermögens.

Was bringt das Facebook?

"Seit Jahren haben wir uns darauf konzentriert, das beste Foto-Teil-Erlebnis im Freundes- und Familienkreis anbieten zu können", schreibt Zuckerberg in seiner Mitteilung zur Übernahme. Offensichtlich haben es die Facebook-Entwickler trotz aller Marktmacht nicht geschafft, ein konkurrenzfähiges Angebot mit ähnlicher Anziehungskraft durchzusetzen. Die wahren Beweggründe zum Kauf von Instagram liegen allerdings wohl tiefer: Facebook sichert sich mit Instagram Was Facebook wirklich kann , eine gigantische Content-Quelle, die auch außerhalb der Facebook-eigenen Netzwerk-Welt funktionieren soll.

"Die Tatsache, dass Instagram mit anderen Diensten abseits von Facebook verbunden ist, betrachten wir als einen wichtigen Bestandteil der Erfahrung", erklärt Zuckerberg. Gleichzeitig beteuert er: "Wir wollen Instagram-Merkmale wie etwa die Möglichkeit, in anderen sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, erhalten." Dazu zählt er ausdrücklich auch die Freiheit der Nutzer, ihre Bilder überall, nur nicht bei Facebook zu veröffentlichen.

Instagram könnte für das Geschäftsmodell von Facebook also so etwas Ähnliches werden wie der Entwicklungskern eines zweiten Standbeins - insgesamt also ein Vorhaben, das potenzielle Anleger kurz vor dem Börsengang nur gutheißen können. Gleichzeitig sichert sich Zuckerberg die volle Kontrolle über einen möglichen Rivalen - bevor die Konkurrenz das tut. Der hohe Einsatz könnte sich aus seiner Sicht also durchaus lohnen.

Quelle: n-tv.de

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23.04.09